Abschiebung aus Deutschland am Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus

Am Abend des 08. Mai kam es in Dresden zu mindestens einer Abschiebung – von einer jungen Frau1 und ihrem Kind nach Serbien. Der Zeitpunkt, der Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus, hätte denkwürdiger kaum sein können.

Nachdem ihr Asylantrag abgelehnt wurde, wurde die Frau1 dazu gedrängt, eine sogenannte „Freiwilligkeitserklärung“ zu unterschreiben. Obwohl sie vermutlich nicht wusste, was in den Unterlagen stand (es gab keine Dolmetscher*innen und die Person sprach nur wenig deutsch) unterschrieb sie schließlich. Sie hatte Angst, wie ihr Bruder, der diese Erklärung nicht unterschrieben hatte, mitten in der Nacht aus ihrer Wohnung geholt und ohne jegliche Vorbereitung und in Handschellen abgeschoben zu werden.

In Serbien ist die Frau1, wie auch in Deutschland, antiziganistischer2 Verfolgung und Diskriminierung, auch durch Behörden, ausgesetzt.
Von Deutschland ausgehend wurden zwischen 1933 und 1945 ca. 500.000 Menschen3 im Rahmen antiziganistischer Verfolgung ermordet; heute noch will z.B. die Mehrheit der Deutschen keine Roma als Nachbar*innen4, da seit Jahrhunderten bestehende Ressentiments weiterhin existieren und reproduziert werden.
Jedoch gibt es qualitative Unterschiede zu Serbien: Dort lebt ein Großteil der Roma in Slums, viele von ihnen haben keine regelmäßigen Einkünfte5 und den Kindern wird sowohl von den Behörden als auch von der allgemeinen Bevölkerung ein Schulbesuch massiv erschwert6.
In diese Lebensumstände sollen noch tausende Roma von Deutschland aus abgeschoben werden7. Die meisten sind Flüchtlinge des Kosovokriegs und ihre Asyl- und Bleiberechtsanträge werden abgelehnt, da der Krieg als beendet und die Staaten als demokratisch eingestuft werden. Die von Zittau aus über Dresden abgeschobene Frau1 und ihr Kind sind weitere Opfer der menschenfeindlichen deutschen Asylpolitik.

Um gegen diese Praxis zu protestieren und sich mit den beiden (in Absprache mit ihnen) zu solidarisieren, fanden sich spontan ca. 150 Menschen am Dresdener Hauptbahnhof ein. Es gab Sitzblockaden, sowie verschiedene andere Versuche, die Abschiebung zu verzögern. Außerdem wurde Geld gesammelt und übergeben, da die Betroffenen die Abschiebung selbst bezahlen müssen. Ein Transparent mit der Aufschrift: „Die Einen morden feige, die Anderen schieben ab, das ist im Kern das selbe widerliche, scheiß Rassistenpack“ wurde entrollt, um, auch mit Hilfe von Sprechchören, für Passant*innen die Lage besser verständlich zu machen.

Die Polizei machte in dieser Angelegenheit „einfach ihren Job“ und versuchte, für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen. Dabei reichte die Spannweite von Hunden ohne Maulkorb und Peffersprayeinsatz über Schubsen, Zerren und Drängen bis hin zu Schlägen. Mehrere Demonstrant*innen (darunter auch Menschen aus unserer Gruppe) wurden dabei verletzt. Es kam u.a. zu Gehirnerschütterungen, Hämatomen, Schnittwunden und Verstauchungen.

Wir verurteilen diesen Einsatz und solidarisieren uns mit den Betroffenen der Polizeigewalt. Bitte geht zu einer*m Ärzt*in eures Vertrauens, fotografiert die Verletzungen und erkundigt euch bei der Roten Hilfe (jeden Dienstag ab 19h im AZ Conni) nach weiteren rechtlichen Schritten gegen diese Maßnahmen. Auch die Betroffenen der Identitätsfeststellungen können sich dort beraten lassen. Wie immer gilt: Keine Aussagen gegenüber der Polizei (insbesondere in Dresden)! Lasst euch nicht einschüchtern!

Wir solidarisieren wir uns mit allen Menschen, die von Abschiebung bedroht sind, die in Abschiebehaft sitzen, die ihren Landkreis nicht verlassen dürfen, die tagtäglich von behördlicher Gängelung und Diskriminierung betroffen sind!
Es war gut, dass am Dienstag so schnell so viele Leute da waren. Es war gut, der Betroffenen wenigstens ein bisschen Geld zu geben. Es ist gut, auf das Geschehene aufmerksam zu machen. Aber das reicht lange nicht – wir müssen uns besser organisieren. Wir müssen Kontakte knüpfen und uns mit Betroffenen unterhalten, um sie in ihren Forderungen zu unterstützen, sofern sie das wünschen. Weitere Vorgehensweisen können z.B. am Dienstag (also verknüpfbar mit einem Besuch der Roten Hilfe) um 20 Uhr im AZ Conni besprochen werden.

Solidarität muss praktisch werden!

  1. Dies ist eine Fremdzuschreibung. Wir wissen leider nicht, ob die Person sich selbst als „Frau“ bezeichnen würde. Einfach nur „Person“ oder „Mensch“ zu schreiben, würde dem Sachverhalt in Bezug auf Mehrfachdiskriminierung (sexistische und antiziganistische) aber nicht gerecht. Deshalb haben wir uns entschieden, es so zu schreiben. [zurück]
  2. Antiziganismus: „Mit Antiziganismus bezeichnen wir sowohl die Gegnerschaft gegenüber Sinti und Roma im Rahmen politischer Bewegungen mit nationalistischen und rassistischen Programmen als auch die Gesamtheit der Bilder und Mythen vom »Zigeuner« , also die gängigen Klischees, die Bestandteil des kulturellen Erbes in der Literatur, der Musik und anderen gesellschaftlichen Bereichen geworden sind.“ (Daniel Strauß: Antiziganismus in Deutschland, in: Antiziganismus – Geschichte und Gegenwart Deutscher Sinti und Roma, Seite 118) Mehr Infos: http://antizig.blogsport.de und http://sinti-roma-hessen.de/9.html [zurück]
  3. Quellen:

  4. http://www.sintiundroma.de/index/ -> NS-Völkermord [zurück]
  5. http://antizig.blogsport.de/warum-was-wer/ [zurück]
  6. http://www.n-tv.de/politik/dossier/Zigeuner-unerwuenscht-article229418.html [zurück]
  7. http://www.nds-fluerat.org/projekte/roma-projekt/situation-der-roma-in-serbien/ [zurück]
  8. http://www.roma-kosovoinfo.com/index.php?option=com_content&task=view&id=260&Itemid=39 [zurück]

weitere Infos zur Lage von Roma in Serbien:
Flüchtlingsrat Niedersachsen
Tagesschau Schweizer Fernsehen
Amnesty DE
Amnesty CH

zu den Vorkommnissen am Hbf:
Pressemitteilung des Netzwerk Asyl, Migration, Flucht (NAMF)
Pressemitteilung der Polizei
Überblick auf addn.me
DNN Online vom 08.05. incl. Fotostrecke
DNN vom 09.05.
SäZ vom 10.05. (leider nur mit „SZ-exclusiv“ :-/)

Motorisierter Individualverkehr?!

Am 19.04.2012 fand die „Reclaim the Streets! Tanz dir die Straße zurück!“ – NachtTanzDemo in der Dresdner Neustadt statt. Dort wurde folgender, von uns verfasster Flyer, verteilt:

no means no flyer 19.04.

Der Aufruf hat uns veranlasst, die Demo nicht zu unterstützen. Allerdings war es uns wichtig, die Teilnehmer_innen für die Alltäglichkeit von Diskriminierungen und einen respektvollen Umgang mit persönlichen Grenzen zu sensibilisieren.

Weitere Informationen und Diskussionen findet ihr unter folgenden Links:
Kritik des Aufrufs auf contrelagravitation
Diskussionen auf Facebook hier und hier (öffentlich, also auch für Nicht-Facebook-Mitglieder sichtbar)
Zusammenfassung auf addn.me
Rückblick auf Indymedia
Rückblick der Linksjugend
Audio-Mitschnitt

P.s.: Wir mögen keine antisemitische, homophobe Scheiße. Wir sind ultragerne “antifa-fags” („genau so dämlich wie das nazi pack“) oder “unorientierte kampflesben” und lassen gern unsere “Facejew accounts” von coolen Hackern mit Guy-Fawkes-Masken veröffentlichen.
(Zitate sind vom Anonymous-Sachsen-twitter)

Anonymous – wir erwarten euch.

e*vibes on coloradio!

Die beiden Interviews der letzten Tage zum eh! – 2,7 emanzipatorische Tage sind nun online..

23.04.12
25.04.12

Vielen Dank geht auch hier nochmal an Coloradio!!

Video zur Pussy Riot Soliaktion

Hier geht’s zu YouTube

Unter Material findet ihr auch einen Pussy-Riot-Unterstützungsbanner für eure Blogs und Websites.

Vorstellung beim OAT

Am Donnerstag, den 26.4. um 20h wird das eh! auf dem Offenen Antifa Treff im Conni Thema sein.
Wir stellen ebenso das Selbstverständnis der e*vibes vor und lassen Raum für Fragen und Diskussion.

Bis dahin!

Hier zur Seite des OAT:
OAT

Pressemitteilung: „Dresden Ischen für Pussy Riot“ – Solidaritätsaktion in der Frauenkirche

Samstag, der 21.4., 16 Uhr: 20 Aktivist*innen veranstalten eine Solidaritätsaktion für die feministische Punkband Pussy Riot aus Russland, deren vermeintliche Mitglieder wegen Vorwurfs des “Rowdytums” in Untersuchungshaft sitzen.

Am vergangenen Samstag um Punkt vier Uhr wurde die Dresdener Frauenkirche Schauplatz einer ungewöhnlichen Szenerie. Etwa zwanzig Personen in schrillen Farben und bunten Strickmasken forderten Freiheit für drei vermeintliche Mitglieder der queer-feministischen Punkband Pussy Riot, die seit Ende Februar in Russland inhaftiert sind. In der Frauenkirche entfalteten die Aktivist*innen ein Transparent, verteilten Flyer, liefen “Free Pussy Riot” rufend über den Neumarkt und spielten Musik der Band ab.

Die Reaktionen waren unterschiedlich: Besucher_innen der Kirche sowie Passant_innen waren trotz anfänglicher Irritation interessiert; die hauseigene Security der Frauenkirche versuchte, durch aggressives Verhalten (Schubsen, Anschreien, Zupacken) die Aktivist*innen aus der Kirche zu befördern, auch versuchten sie, die Masken von den Köpfen zu reißen. Dies wurde durch eine Kirchenangestellte behindert, da diese keine Gewaltanwendung in der Kirche dulden wollte.

Aufgerufen zu der Aktion hatte eine Gruppe namens “Dresden Ischen” im Internet. In den mutmaßlich von ihnen verteilten Flyern klärten sie über die Hintergründe auf:

Pussy Riot ist der Name eines queer-feministischen Punkrock-Kollektivs aus Moskau, das mit spektakulären Protest-Aktionen auf Missstände in der russischen Gesellschaft aufmerksam macht. Sie sparen nicht mit Kritik an Kirche und Nationalismus, der Politik Putins und seiner Partei, sie kritisieren die Lebensbedingungen von Frauen und treten klar gegen Homophobie und Rassismus auf. Bei einer Aktion Ende Februar 2012, kurz vor den Präsidentschaftswahlen, performten Pussy Riot in einer Moskauer
Kirche ohne Erlaubnis ihren neuesten Song „heilige Mutter Gottes,
vertreib uns unseren Putin“. Dies führte zu Anzeigen durch Würdenträger der orthodoxen Kirche und sogar Putin selbst äußerte sich “negativ” zu der Aktion. Kurz darauf kam es zu Verhaftungen von Pussy-Riot-Aktivist*innen. Am 5. März verhängte ein Moskauer Gericht Untersuchungshaft über Maria Alekhina und Nadeschda Tolokonnikowa, am 15.März wurde Ekaterina Samucevich von der Zeugin zur Mitgefangenen. Am 19.April wurde entschieden, alle drei weiter bis 24. Juni festzuhalten. In dem Prozess ist ein Freispruch unwahrscheinlich. Wegen “Rowdytums” (nach dem russischen Hooliganparagrafen) droht eine bis zu 7-jährige Haftstrafe und den beiden jungen Müttern zudem der Entzug des Sorgerechts.

Auf den verteilten Flyern gehen die “Dresden Ischen” auch auf die Hintergründe in Russland ein:

“Das Verfahren gegen Pussy Riot fügt sich ein in die momentane repressive Situation in Russland: enge Zusammenarbeit zwischen russisch-orthodoxer Kirche und dem System Putin, starke Vorurteile gegenüber Homosexuellen (”Sündern“), Verknüpfung des Geburtenrückgangs mit diesen “unmoralischen westlichen Einflüssen”, Angst vor “Unnormalem”, Unterdrückung von Minderheiten, damit verbundene Ausgrenzung und Gewalt. In Russlands zweitgrößter Stadt St.Petersburg wurde im Februar ein “Gesetz gegen Homosexuellen-Propaganda” erlassen, das jedes öffentliche Erwähnen(!) von Homo- oder Bisexualität oder auch Trans* unter schwere Geldstrafen stellt. Auch Filme, Musikvideos, Bücher und Zeitschriften mit homosexuellen Inhalten sowie die Regenbogenfahne als Symbol der Schwulenbewegung sind verboten. Das Gesetz soll angeblich “Russlands Kinder schützen” und das Land zu einem “Vorposten der Sittlichkeit” machen. Eben dieses Gesetz soll nun bald landesweit gelten.

Gloria Lust, Sprecherin der Gruppe e*vibes – für eine emanzipatorische Praxis: „Genau wie die „Dresden Ischen“ möchten wir uns mit den Aktivist*innen von Pussy Riot solidarisieren. Wir fordern ihre sofortige Freilassung und die Einstellung der Verfahren. Wir forden, dass die deutsche Regierung sich klar gegen die neuen „Propaganda“-Gesetze in Russland positioniert und keine neuen Handelsabkommen mit diesem repressiven System eingeht.“ Lust stellt auch Verknüpfungen zu Deutschland her: „Auch wenn wir uns gerade glücklich schätzen können, nicht in Russland zu leben, möchten wir doch auf die Parallelen zu unseren Kämpfen für rechtliche und ökonomische Gleichstellung, gegen Sexismus und Homophobie, gegen diskriminierende Gesetze und staatliche Repression hier in Deutschland hinweisen. Wir fühlen uns und unsere Freund*innen mit angegriffen.“

Diese Solidaritätsaktion reiht sich in eine Kette internationaler Aktionen ein, die auf http://www.freepussyriot.org/ dokumentiert sind.

Pussy Riot

Yeah!

Nur noch wenige Tage bis zum eh!
Endlich steht auch das Schutzkonzept für die 2,7 emanzipatorischen Tage.
Ihr findet es unter: http://eh.blogsport.de/schutzkonzept/
Auf Englisch gibt es dies leider noch nicht.
The English version of the safety concept will hopefully come soon.

Auf bald!

Workshop im Vorfeld des eh!

1. April, 14 Uhr
im Infocafé Dresden (Gelände des AZ Conni, R.-Leonhard-Str.39)

Einführung in Awareness- und Unterstützungsarbeit
+ Erarbeitung von Strategien für’s eh!

Wie gehen wir mit Diskriminierung um?
Wie reagieren wir auf Gewalt?
Wie können wir Betroffene unterstützen?
Welche Strukturen wollen+können wir dafür schaffen?
etc.

Der Workshop ist offen für alle Interessierten, aber vorrangig an Leute gerichtet, die auch beim eh! anwesend sein wollen.
Bis dann, wir freuen uns auf euch!
(e*vibes)

Noch ein Hinweis: Manchmal kommt es vor, dass Vorstellungen einfach nicht zusammenpassen oder Leute nicht miteinander klarkommen – in diesem Fall entscheiden wir als ausrichtende Gruppe, mit wem wir zusammenarbeiten können+wollen und mit wem erstmal nicht. Das ist dann nicht böse gemeint, sondern wir sagen das nach bestem Wissen und Gewissen zugunsten einer funktionierenden Unterstützungsstruktur.

Auf geht’s…

eh! 2,7 emanzipatorische Tage
27. – 29. April 2012
AZ Conni Dresden (R.-Leonhard-Str. 39)

http://eh.blogsport.de/
eh! bei Facebook

Veranstaltung in Dresden

Obwohl sich diese Seite noch im Aufbau befindet, können wir schon mal Folgendes verraten: Vom 27. bis 29. April wird in Dresden das eh! stattfinden. Wir freuen uns auf 2,7 emanzipatorische Tage mit euch!
Nähere Infos gibt es bald.