Rückblick auf 2,7 emanzipatorische Tage

PROLOG
“Lasst uns jetzt endlich diesen Text raushauen.” – “Ja, das nervt echt” – “Aber wir müssen da noch xyz ergänzen” – „und xyz umschreiben, das klingt komisch “ – “Aber das ist jetzt schon so lange her” – “Ja, das nervt echt” – “Lasst uns das jetzt einfach raushauen”

Nach dem “eh!” haben wir ganz viel darüber geredet, wie es gelaufen ist, wie es uns damit ging, z.B. mit dem Vorbereitungs-Stress, darüber, wie sich gruppeninterne Hierarchien ausgewirkt haben (könnten). Wir haben eure Feedback-Karten sowie sonstige Rückmeldungen ausgewertet und überlegt, wie wir nun damit umgehen und was wir für “die Zukunft” daraus lernen. Wir haben nachgedacht, was nun mit unserer Gruppe passieren soll, versucht, uns zu entspannen, uns gegen eine diesjährige Demo entschieden (Text dazu hier) und immer zwischendurch weiter nachbereitet. Nachbereitung hört irgendwie nie auf – und Gruppen-Diskussionsprozesse sind nicht in einem Text zusammenzufassen. Da aber irgendetwas nach außen dringen soll, kommt hier eine Sammlung einiger Punkte daraus.

Das Veranstaltungswochenende “eh! – 2,7 emanzipatorische Tage” fand vom 27.04. bis 29.04.2012 im AZ Conni Dresden statt. Wir möchten uns hier zuallererst bei allen Personen bedanken, die uns so tatkräftig unterstützt haben: bei DieSeR Independent Club und den SQUEERDANCE-Menschen für den Partyanteil, beim Küfa-Kollektiv Black Wok für das leckere Essen, M. für die unglaublichen Torten sowie bei allen, die das Awareness-/Unterstüzungs-/Schutzkonzept diskutiert, mit erarbeitet und umgesetzt haben. Ohne euch wäre es definitiv nicht möglich gewesen, das eh! so über die Bühne zu bringen.

Hier könnt ihr sehen, was uns beim sonntäglichen Abschlussbrunch-Feedback (und darüber hinaus) zurückgefüttert wurde bzw. was uns selbst aufgefallen ist:

Das Programm (hier nachzulesen) enthielt die Formate Vortrag, Workshop, Film, Konzert, Party und Theater und war damit sehr vielfältig.

Zum Programm gab es viele unterschiedliche Wahrnehmungen. Die einen empfanden die Dichte der Einzelveranstaltungen genau richtig, da so zwischendurch auch eine Auseinandersetzung zu den Themen in Gesprächen ermöglicht wurde, die anderen hätten sich mehr inhaltlichen Input gewünscht und empfanden das Programm als wenig bereichernd. Innerhalb von e*vibes sehen die Haltungen dazu ebenso verschieden aus. Das ist wohl einfach Geschmackssache.

Der von Teilen unserer Gruppe selbst gestaltete Identitätsworkshop wurde mit Lob bedacht. Auch die Stimmungskarten (grün=mir geht es gut, gelb=ich fühle mich gerade nicht ganz wohl oder irgendetwas stört, rot=ich muss mich zurückziehen oder benötige eine Pause) wurden als positiv wahrgenommen. Wir werden sie bei folgenden Veranstaltungen wieder mit einbeziehen.

Einige Menschen meinten, dass der Workshop und die Vorträge tiefgreifender als “Einführungen” gewesen seien, was in den meisten Fällen als positiv bewertet wurde. Allerdings gilt andersherum: Wenn Themen (wie in den Vorträgen) doch recht akademisch aufbereitet werden, kann dies Menschen ausschließen. Es ist unserer Meinung nach ziemlich unmöglich, in Bezug auf den Inhalt solcher Veranstaltungen “allen Menschen” gerecht zu werden. Wir werden weiter darüber nachdenken, inwiefern es möglich oder wünschenswert ist, vielfältige Angebote, auch in Bezug auf Hemmschwellen, zu schaffen.

Wir hatten beim Sonntags-Brunch auch nach Themenvorschlägen für kommende Veranstaltungen gefragt. Vorschläge waren: Lookism(us), Anarchafeminismus, Subjekte und Handlungsfähigkeit (z.B. Referentin Hanna Meissner).

Außerdem wurde sich für nächste Veranstaltungen in dieser Größenordnung ein Auftaktplenum o.ä. gewünscht, in dem alles erklärt werden könnte.

Auch das Abschlussfeedback hätten wir besser vorbereiten können. Naja.

Das Theater und die Küfa fanden alle großartig, was wir natürlich auch an die Verantwortlichen weitergegeben haben.

Einige Personen wünschten sich, dass bei so einem schönen Conni-Hof über den Tag auch draußen Musik läuft.

Die Party am Freitag war super besucht und das Programm wurde von vielen gelobt. Samstag waren nicht so viele Gäste da, was der Stimmung zum Glück keinen Abbruch tat.
Es gab dennoch einige Sachen, die zu kritisieren waren, auf die im Folgenden noch näher eingegangen wird.

Der Veranstaltungsort war das AZ Conni. Wir haben das Conni als Veranstaltungsort gewählt, da es für Gruppen wie e*vibes durch die vorhandenen Räumlichkeiten und Ressourcen eine gute Möglichkeit bietet, no-budget-Veranstaltungen wie das eh! durchzuführen. Wir wurden von einigen “Connileuten” tatkräftig in der Durchführung unterstützt und wollen uns auch dafür hier nochmals bedanken. Die Kooperation lief aus unserer Sicht ganz gut. Wir hätten uns im Vorfeld nur genauer über die Verantwortlichkeiten der Dienste unterhalten müssen, was allen Parteien während der Veranstaltung und im Nachgang viel Stress erspart hätte. Danke an alle, die uns trotz der Diskrepanzen (z.B. Schichtverlängerungen, unzulängliche Schlüsselabsprachen etc.) unterstützt haben.

Einiges ist im Hinblick auf die Soundtechnik und den Zeitplan, v.a. abends/nachts schiefgelaufen. So kam es dazu, dass eine Band erst später starten konnte, weil sich der Aufbau und der Soundcheck zu lange hinzogen oder dass Leute aufgrund einer Verlängerung der Veranstaltung am Freitag länger arbeiten mussten. Rechtzeitige Absprachen z.B. bezüglich der Kassen oder der Schlüssel waren unzulänglich, was im Nachgang zu einem Finanzchaos führte. Es tut uns Leid, wie das gelaufen ist.

Einige Personen meldeten uns zurück, dass das Conni auf einige Menschen ausschließend wirkt. Begründet wird dies u.a. dadurch, dass die Atmosphäre mit “Szenegeklüngel” umschrieben werden könne, was einen Zugang für “connifremde” Menschen erschwere.

Auf dem Connigelände gibt es eine Halfpipe. Diese wird im “normalen Betrieb” überwiegend von männlich wahrgenommenen Personen befahren, die das Skaten auch oftmals für die Inszenierung ihrer Männlichkeit nutzen. Beim eh! wurde die Rampe nur selten, bis gar nicht genutzt. In der Vorbereitung haben wir uns darüber Gedanken gemacht, wie wir intervenieren bzw. reagieren können, konnten die Überlegungen dazu aber aus Orga-Stress-Gründen nicht zuendedenken bzw. umsetzen. In Zukunft werden wir jedoch auf die Gegebenheiten am Veranstaltungsort noch besser eingehen.

Kritik gab es dafür, dass es nicht für alles eine vegane Alternative gab (z.B. Seife auf den Toiletten).

Gelobt wurde, dass immer ein_e Ansprechpartner_in von “der Orga” zur Verfügung stand. Unser Infostand sei allerdings nicht auffällig genug gewesen und es hingen meist viele Orga-Menschen dort rum, was wohl nicht sehr einladend wirkte.

Im “Open Space” im Infocafé war selten irgendwer zum Lesen, Diskutieren oder eigene-Veranstaltungen-Anbieten, was wohl an der fehlenden Bewerbung und somit Unauffälligkeit des Raumes bzw. der damit zusammenhängenden Möglichkeiten lag – schade. Vielleicht lag es aber auch einfach am großartigen Wetter?!

Vor dem eh! baten wir interessierte Personen, sich zu den jeweiligen Workshops anzumelden, damit sie im Falle eines übermäßigen Andrangs auch sicher einen Platz in den Workshops haben konnten. Zum Glück war es aber nicht notwendig, Leute nach “mit Anmelde-Button” und “ohne Button” zu ordnen. Wenn auch teilweise gequetscht, passten doch alle Interessierten in den Conni-Saal.

Der Conni-Saal: Es war wohl zu warm und zudem für manche Menschen nicht erträglich, dass geraucht wurde. Das sei vor allem bei den Konzerten sehr anstrengend gewesen. Wir haben bei dem ersten Konzert reagiert und über Sookee die Bitte um das Einstellen des Rauchens aussprechen lassen, der dann auch fast alle Konzertteilnehmer_innen nachkamen. Ein ausreichend kommuniziertes Rauchverbot hätte das von vornherein besser gemanaged.

Wir haben uns bemüht, auch außerhalb Dresdens Werbung zu machen. Das scheint ganz gut funktioniert zu haben, denn es waren viele Personen von “außerhalb” angereist.

Es wurde das Fehlen von Vertreter_innen einiger anderer engagierter Gruppen aus DD+Umgebung bemerkt. Wir wissen nicht genau, woran das liegt und können daher nur Mutmaßungen anstellen. Außerdem kam diesbezüglich die oben schon erwähnte Anmerkung, dass der Veranstaltungsort für einige Personen schon ausschließend wirkt und sie die Veranstaltung daher nicht aufgesucht haben. Vielleicht sollte beim nächsten Event in so einem Rahmen mehr Wert auf Vernetzung gelegt werden – sowohl im Vorfeld, als auch währenddessen? Vielleicht ist es auch so, dass das Themengebiet in Dresden tatsächlich nicht mehr Menschen interessiert? Vielleicht sollten wir mehr sensibilisierende kleine “Aktionen” starten?

Alle an der Orga/Awareness beteiligten Menschen waren weiß und hatten einen akademischen Background. Eine analoge Homogenität (etwas abgeschwächt) schlug sich auch bei den Besucher*innen nieder. Es ist schwierig, Ausschlussprozesse eigeninitiativ, ohne Beteiligung von Menschen mit anderen Background-class-race-sex-etc. aufzulösen. Wir beschäftigen uns oft mit diesen Fragen und hoffen, dass sich daran zumindest mittelfristig etwas ändern wird.

Allgemein wurde eine sehr respektvolle und sensible Atmosphäre wahrgenommen, was uns sehr gefreut hat. Dazu beigetragen hat auch sicherlich das vorher erarbeitete und dort überall ausgehängte “Schutzkonzept”. Der “Safer Space” wurde selten genutzt. Wir hoffen, dass es nicht an schlechter Sichtbarkeit o.ä. lag, sondern daran, dass er einfach kaum gebraucht wurde. Kritik an bzw. Diskussionen um dieses Konzept könnt ihr in einem anderen Text lesen, der unsere öffentliche Diskussionsveranstaltung dazu nachbereitet (ist fast fertig).

Der Vorsatz, alles zu dokumentieren, hat nicht immer funktioniert, teils wegen Stress, teils aus technischem Versagen. Für alle, die sich darauf verlassen haben: Sorry. Das vorhandene Dokumentations-Material wird nach und nach online gestellt.

EPILOG
“Irgendwie klingt das viel zu negativ” – “Ja, eigentlich war es voll schön” – “…was auch die meisten Leute gefeedbackt haben.” – “Vielleicht haben wir über die negativen Dinge einfach mehr nachgedacht” – “hm, außerdem ganz viel Kleinkram – wen außerhalb der Orga interessiert das überhaupt”- “Sollten wir das evtl. nochmal positiver formulieren?” – “Ach egal, lasst uns das jetzt endlich raushauen!”