Pussy Riot – das ist doch diese Naziband? Erkenntnisse aus der DNN vom 18.+21.08.

Es ist unglaublich ekelhaft.

“Man stelle sich mal eine Neonaziband vor, die in der Münchner Hauptsynagoge ein antijüdisches Hass-Gebet rockt. Nun sage niemand, die Pussy-Punks seien doch die Guten, und die Neonazis die Bösen! Es geht um die Würde von Religionen und nicht um politische Vorlieben. Im Übrigen hat das Punk-Gekreische vor den heiligen Ikonen, das um die hoch originelle Songzeile “Göttlicher Dreck, Dreck, Dreck!” kreiste, nichts mit dem Recht auf Meinungsfreiheit zu tun“ (DNN-Korrespondent Ulrich Krökel).

Links = Rechts. Russisch-Orthodoxe Kirche = Judentum. Kritik an christlicher Religion, Verhöhnung von repressivem Moral- bzw. autoritärem Staatverständnis = Antisemitismus, Verhöhnung der Opfer des Holocaust.
Was Nazis in Deutschland sind, sind Pussy Riot in Russland – am liebsten würden Letztere eine faschistische Diktatur errichten, um endlich ihre politischen Gegner*innen, Homo-und Bisexuelle, Behinderte und vermeintlich Nicht-Reinrassige zu vernichten. Auch könnte man bei diesem Artikel meinen, Jüdinnen und Juden wurden und werden deshalb verfolgt und getötet, weil ihre Religion so rigide Vorstellungen von Geschlecht und Sexualität hätte. Dreck! Dreck! Dreck!

Die DNN-Leser*innen sind mehrheitlich beglückt von dem “herzerfrischenden Leitartikel” des mutigen Herrn Krökel, denn endlich sagt’s mal einer! Der “Blätterwald” ist schließlich gleichgeschaltet und stellt die (linke?) Opposition sonst immer nur als die Guten da (Johannes Szargan, Wolfgang Leistritz u.a.) – vermutlich wurde hier vor allem die sächsische Medienlandschaft haarscharf beobachtet. “Auch die Metapher des Autors (Nazi-Band in Synagoge in Deutschland) finde ich sehr gelungen” (Thomas Bräutigam). “[T]endenziöse Hetze” ist dieser Artikel endlich mal nicht, er ist vielmehr “sachlich”, “objektiv”, “ideologiefrei” – alles in allem “wohltuend” (Hans-Jochen Dorn u.a.). Einzig Tino M. Böhler erkennt den “niederträchtig[en]” Nazi-Vergleich als solchen, findet allerdings den Pussy-Riot-Songtext auch “geschmacklos”. Lassen wir am Ende noch Klaus Scharfe zu Wort kommen: “Ihr Beispiel der Neonazi-Band in der Münchner Hauptsynagoge trifft den Nagel [auf] den Kopf.”
Noch Fragen?

Relativierung von Antisemitismus und Naziaktivitäten fällt leider anscheinend schon unter das Recht auf Meinungsfreiheit, wird sogar von lokaler Presse wie der DNN abgedruckt (Titelblatt! Leitartikel!) und von Leser*innen abgefeiert.

Kotzen. Kotzen. Kotzen.

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