Offener Brief an das Ball- und Brauhaus Watzke bezüglich des Akademikerballs am 27.10.2012

Sehr geehrte Damen und Herren,

unsere sexismuskritische Gruppe e*vibes – für eine emanzipatorische praxis hat davon erfahren, dass die Gesellschaft zur Förderung Studentischer Kultur (GFSK) Ihre Räume angemietet hat um am 27. Oktober einen sogenannten Akademikerball auszurichten. Wir haben an der GFSK einige Kritikpunkte, die Sie als Inhaber_innen der Räumlichkeiten interessieren dürften.

Entgegen der Selbstdarstellung der GFSK beinhaltet sie als Vernetzungsplattform verschiedene studentische Verbindungen, darunter eine rechtsradikale Burschenschaft. Dass zahlreiche personelle Überschneidungen von Dresdner Verbindungen, insbesondere von Corps Teutonia und Cheruscia, in die rechte Szene bestehen, ist nichts Neues und sollte Grund genug sein, der Organisation jegliche Unterstützung zu verwehren (siehe Stura Dresden).

Uns ist wichtig, noch einmal gesondert darauf aufmerksam zu machen, welch sexistisches, chauvinistisches und patriarchales Weltbild studentischen Verbindungen im Allgemeinen zu Grunde liegt. In ihrer öffentlichen Stellungnahme zum Dresdner Akademikerball bekennt sich die GFSK wie selbstverständlich zur Freiheitlich Demokratischen Grundordnung. Die darin aufgeführten Menschenrechte scheint sie „überlesen“ zu haben. Denn anscheinend gilt das darin verankerte grundlegende Prinzip der Egalität (Gleichheit) vor allem für Männer: Die meisten studentischen Verbindungen sind reine heterosexuelle Männerbünde. Anderen Geschlechtern und Personen mit anderen sexuellen Orientierungen ist der Zutritt zum Haus untersagt oder nur auf Einladung erlaubt. Auf Frauen trifft man dort in Form von Begleitung bei Partys oder Bällen sowie auf Werbeflyern für eben solche, wo z.B. Damen im Bikini Freigetränke versprochen werden. Die gängige Argumentation, die Geschlechtertrennung sei akzeptabel, weil sie historisch gewachsen sei, ist unsinnig. Auf diese Weise könnte man sämtliche Missverhältnisse in unserer Gesellschaft rechtfertigen und konservieren. Zur Entstehungszeit derartiger Organisationen im 18. Jahrhundert waren Frauen in der Tat noch vom Hochschulstudium ausgeschlossen und studentische Verbindungen setzten sich seit Bestehen vehement für den Erhalt dieses Zustandes ein. Die Frauenbewegung hat sich den Zugang zu höheren gesellschaftlichen Positionen erst hart erkämpfen müssen.

In der GFSK gibt es zwar eine gemischte (Arion) sowie eine reine Damenverbindung (Regina-Maria-Josepha). Doch auch diese Verbindungen teilen die inhaltlichen Grundsätze der Männerverbindungen – Deutschnationalismus, Elitenbildung, Konservatismus, Obrigkeitstreue und das Idealbild einer hierarchisch organisierten Gesellschaft. Laut diesem Weltbild werden Männern aufgrund ihres biologischen Geschlechts grundlegend andere – und vor allem gesellschaftlich höher gestellte – Eigenschaften zugewiesen als Frauen, die als fürsorglich und zurückhaltend gelten. Das Männerbild von Burschenschaftlern ist geprägt von Werten der Härte, des Ertragenkönnens und soldatischer Untertänigkeit. Diese patriarchale Struktur produziert Sexismus, Homophobie und Antifeminismus und ist daher abzulehnen.

Wir finden, eine Veranstaltung der GFSK zuzulassen ist vollkommen untragbar, und fordern Sie auf, das Mietverhältnis für den 27.10.12 aufzulösen.

Die Kritik patriarchaler Verhältnisse ist ein zentrales Thema unserer Gruppe. Falls Sie Genaueres zu unserem Selbstverständnis erfahren möchten, besuchen Sie gerne unsere Website unter evibes.blogsport.de.

Mit freundlichen Grüßen,
Gruppe e*vibes