Aufruf 27.10. // Kundgebung gegen den Akademikerball

Studentische Verbindungen wollen fragwürdige Ballkultur von Burschenschaften, Corps und Co. in Dresden etablieren

Im Ball- und Brauhaus Watzke führt eine Vernetzung studentischer Verbindungen aus Dresden, die „Gesellschaft zur Förderung Studentischer Kultur“ (GFSK) den ersten „Dresdner Akademikerball“ durch. Wir haben keinen Bock auf die Bewahrung und Reproduktion reaktionärer Werte und tanzen den Burschis deswegen hier unsere Meinung.

Die GFSK ist nicht irgendeine „unpolitische“ Gruppierung, sondern besteht aus Verbindungen, die bewusst an eine Vergangenheit anknüpfen, die auf völkischem Nationalismus, Antisemitismus, Antifeminismus, Elitarismus und anderen reaktionären Ideologien beruht. Das hiesige Treffen kann also NICHT nur „der Pflege der (akademischen) Tanzkultur“ dienen, wie die GFSK in einer Stellungnahme behauptet. Diese Art der Tanzkultur führte zudem in den vergangenen Jahren immer wieder zu Skandalen, weil sich die radikale europäische Rechte auf diesen Bällen nicht selten ein Stelldichein gab. Es ist eine Farce, wenn erklärt wird, dass der Ball allen offenstehe, „egal welcher Herkunft, Religion oder Orientierung er sein möge“ .

Schon lange versucht die GFSK unter Verschweigen ihres Hintergrunds den Einfluss der kleinen KorporiertInnenszene in Dresden zu vergrößern. Im Verein nehmen das Corps Teutonia und die Burschenschaft Cheruscia eine zentrale Rolle ein. Während elitäre Erstere sich vor allem auf die so genannten Preußischen Tugenden, zu denen unter anderem Gehorsam, Fleiß, Unterordnung und Härte gezählt werden, beziehen, ist Letztere politisch der „Neuen Rechten“ zuzuordnen und schon mehrfach durch Nähe zum Nazispektrum aufgefallen. Personell gibt es immer wieder Überschneidungen. Alexander Kleber, jahrelanger Anmelder der Nazidemonstrationen zum 13.2. in Dresden verbrachte seine Studienzeit ebenso bei der Burschenschaft Cheruscia wie der Pressereferent der sächsischen NPD-Fraktion, Holger Szymanski. Sämtliche bisherigen Vorstandsmitglieder der GFSK sind einer der beiden Verbindungen zuzuordnen oder sind Angehörige derer Mitglieder. Aber auch die GFSK als Ganzes hat keine Abgrenzungsprobleme zur radikalen Rechten und lädt regelmäßig den rechtskonservativen Monarchisten Dr. Frank Volta zu Vorträgen ein.

Fortschrittsfeindliche Ansichten sind seit 1817 in studentischen Verbindungen, allen voran den Burschenschaften, vorhanden. Zwei Jahre nach Gründung der Jenaer Urburschenschaft, trafen sich viele deutsche Burschenschafter auf der Wartburg bei Eisenach, wo in antisemitischen Hetzreden die „deutsche Nation“ beschworen und Bücher jüdischer Autoren verbrannt wurden. Viele Mitglieder dieser Vereinigungen zogen begeistert in den 1.Weltkrieg, um für deutsche Großmachtfantasien zu töten. Nach der Niederlage stellten sie einen wesentlichen Teil der Freikorps und anderer Paramilitärs, welche die Novemberrevolution niederschlugen. Mit dem so genannten „Arierparagraphen“ wurde 1920 beschlossen, dass nur noch „deutsche Studenten arischer Abstammung, die sich offen zum Deutschtum bekennen“ in die Verbindungen der Deutschen Burschenschaft (DB) aufgenommen werden. Elitäre Männerbünde der DB gehörten zu den stärksten Unterstützer_innen der NSDAP und zu den Wegbereitern des Nationalsozialismus.

Zu kritisieren ist auch das in den Verbindungen vorherrschende und durch sie stabilisierte Geschlechterbild. Die überwiegende Mehrheit der studentischen Verbindungen sind reine heterosexuelle Männerbünde, die Frauen* und homosexuelle Menschen diskriminieren und ausschließen. Dies äußert sich zum Beispiel darin, dass Nicht- Männern und Personen mit nicht-heterosexuellen Orientierungen der Zutritt zu den Häusern untersagt oder nur auf Einladung erlaubt ist. Zwar gibt es mittlerweile auch „Damenverbindungen“, unter dem neugegründeten Dachverband Neue DB, aber auch diese vertreten ähnlich fortschrittsfeindliche Grundsätze und haben zudem weitaus weniger Rechte innerhalb des Dachverbandes.

Bei uns gibt es mehr als zwei Geschlechter; und wenn gewollt mehr als eine Liebesbeziehung. Tanze mit wem und wie du willst, niemand wird dich komisch ansehen; niemand muss “führen” oder “sich führen lassen” wenn sie_er es nicht will und was bitte sollen “Herren- und Damenschritte” sein?

Wir finden es nicht erstrebenswert, sich zu erniedrigen, um in einer Hierarchie aufzusteigen und sich durch Klüngelei mit „Alten Herren“ einen Vorteil im Konkurrenzkampf zu verschaffen– wir wollen eben diesen Kampf loswerden.

Das Konstrukt der Nation ist für uns ein lästiges Übel und Nichts, dass es abzufeiern gilt. Wir sind interessiert an deiner Person und nicht an dem, was in deinem Pass steht. Nationalismus raus aus den Köpfen!

In diesem Sinne bist DU herzlich eingeladen, mit uns zusammen hier vor dem Ball- und Brauhaus Watzke ein Tänzchen zu wagen :)

Samstag 27.10.12
17.30h
Vor dem Ball- und Brauhaus Watzke (Haltestelle Altpieschen)

e*vibes – für eine emanzipatorische praxis

Anfaschistische Aktionsgruppe Dresden

Rhythms of Resistance Dresden

Einzelpersonen des Libertären Netzwerks Dresden

Undogmatisch Radikale Antifa Dresden