Archiv für Januar 2013

Offener Brief an Femen Germany

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Im Zuge ihrer Kampagne „Fickt die Sexindustrie“ machten vergangenen Freitag die Femen auf der Herbertstraße in Hamburg auf sich aufmerksam. Der Vergleich zum Dritten Reich ist kaum verkennbar, zieren doch sogar Hakenkreuze einige der Fotos im Internet. Ein ausführliches Statement? Fehlanzeige. Und so häufen sich nun die Fragen.
Femen Germany haben bereits 1.714 sogenannte Facebook-Likes. Die allgemeine Gruppe Femen zählen sogar 80.414.
Grund genug für uns zu fragen wer sind die Femen, wofür stehen sie und welche Botschaften wollen sie uns vermitteln?
Folgenden offenen Brief haben wir formuliert.

Offener Brief an die Femen Germany

Wir, e*vibes – für eine emanzipatorische praxis, sind eine feministische/sexismuskritische Gruppe aus Dresden.
Innerhalb der letzten Wochen sind wir über Facebook vermehrt auf euch als Femen Germany aufmerksam geworden. Vergangenen Montag dann haben wir von eurer Aktion in Hamburg erfahren. Nachdem wir den ersten Schock überwunden hatten, haben wir uns ein Herz gefasst und schreiben euch nun diesen Brief. Ein Brief mit einigen der vielen drängenden Fragen.

Auf eurer Seite verlinkt ihr die internationale Seite Femen.org. Das Selbstverständnis, welches dort zu finden ist, haben wir uns einmal genauer angeschaut. Es hat sich gelohnt, denn bereits hier taten sich einige Fragen auf:

Können Frauen ohne Brüste Femen sein? Wie definiert ihr „Frauen“?
Was ist mit Trans*menschen?

„Activists of FEMEN – are morally and physically fit soldiers“
Was bedeutet „physisch und moralisch fit“? Können „nicht physisch fitte“ Menschen Femen sein?
Warum Soldat*innen?

Welche Symbolik verbirgt sich hinter den Blumen im Haar? Dies wird aus unserer Sicht innerhalb des Selbstverständnisses nicht ganz deutlich.

„hot boobs, cool head and clean hands“
Wie sehen „nicht heiß“e Brüste aus? Muss die Brust einem gesellschaftlichen Schönheitsideal entsprechen?
„Kühler Kopf“ steht wahrscheinlich für Intellekt, der auch im Vorfeld schon angesprochen wird. Wie wird Intellekt definiert und was ist mit Menschen, die das gewünschte Maß nicht vorweisen können? Ab welchem IQ darf mensch bei euch mitmachen?
Wofür steht „saubere Hände“? Erste Assoziation: „Ich wasche meine Hände in Unschuld.“

Wie definiert ihr Ideologie, Demokratie und Patriarchat?
Im Selbstverständnis steht, dass sich das Patriarchat auf drei Bereiche begrenzt: Diktatur, Kirche und Sexindustrie. Wie, glaubt ihr, ist es strukturiert?

Unabhängig vom Selbstverständnis auf femen.org haben wir noch ein paar Fragen zu euch als Femen Germany.

Wieso finden die Farben der Nationalflagge Deutschlands (so viel) Verwendung? Inwiefern hängt Nationalismus aus eurer Sicht mit Feminismus zusammen?

Schewtschenko ist eine der ukraininschen Gründerinnen von Femen. In einem Interview mit der Zeit gib sie an, dass sie die Herrschaft der Männer nicht aufheben, sondern umdrehen will. Die einfache Begründung: Schewtschenko glaubt daran, dass Frauen besser mit Macht umgehen können und keine Kriege führen würden. „Warum sonst hat uns die Natur die Fähigkeit gegeben, über die Fortführung von Leben zu entscheiden?“ (vgl. http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-01/femen-herbertstrasse-protest)
Steht ihr als Femen Germany ebenfalls hinter dieser Aussage?

Wie ihr sehen auch wir, dass Frauen immer noch benachteiligt sind. Dem muss entgegengewirkt werden. Ziel kann dabei aber keine Machtumkehr sein, sondern ebendieses Machtverhältnis muss Gegenstand der Kritik sein.
Auch die biologistische Sicht auf „Mann“ und „Frau“ mit naturgegebenen Eigenschaften teilen wir nicht.

Als wenn das alles nicht schon genug wäre, geht es noch weiter.
Was bitte ist der Inhalt der Kampagne „Fickt die Sexindustrie! – Der Sexindustriefaschismus des 21sten Jahrhunderts“? Wie definiert ihr Faschismus?
Ein Hakenkreuz als Zeichen für das „x“ in „Sexindustrie“?!
Wieso wurde die Aktion auf der Herbertstraße in Hamburg gerade in zeitlicher Nähe zum 27. Januar (Holocaustgedenktag, Befreiung von Auschwitz) durchgeführt? Die Bedeutung des Tages war euch sicher bewusst, da ihr die bekannteste KZ-Toraufschrit „Arbeit macht frei“ an das Eingangstor zur Herbertstraße geschrieben und Sätze wie „Prostitution is genocide“ verwendet habt.
Ihr setzt die Shoa und den Porajmos mit Prostitution gleich – als würden Frauen gezielt und industriell zu Millionen ermordet, weil sie Frauen sind. Das ist wirklich nicht zu fassen und in keiner Weise tragbar.
Faschismus, Genozid und Holocaust werden hier relativiert und verharmlost.
Die unhistorische Verwendung des Satzes „Arbeit macht frei“ erfüllt in Deutschland den Straftatbestand der Volksverhetzung. Zudem werden durch eure Verwendung des Hakenkreuzes und des besagten Satzes diese in feministischer Verpackung, in Deutschland, wieder hoffähig gemacht.

Wir wären nicht überrascht euch am 13. Februar in Dresden zu sehen, mit euren Fackeln, Seite an Seite mit Alt- und Neonazis, in Gedenken an die vielen durch die Alliierten getöteten Frauen.

e*vibes

e*camp – gegen kapitalismus und sein geschlechterverhältnis

Liebe Menschen,

wir die Gruppe e*vibes – für eine emanzipatorische praxis sind eine feministische/sexismuskritische Gruppe in Dresden und organisieren für den 06.-11.06.2013 ein Camp auf Burg Lohra in Thüringen.

Auf dem Camp wollen wir uns schwerpunktmäßig mit Zusammenhängen zwischen Kapitalismus und Geschlecht beschäftigen.
Unterschiedliche Zugänge sollen (v.a.) marxistische Ansätze, solche der Kritischen Theorie, feministische sowie queer-theoretische Ansätze liefern – auch in Hinblick auf die Frage, inwiefern dies alles zusammendenkbar ist oder eben auch nicht. Außerdem interessiert uns, was sich daraus dann für eine feministische/emanzipatorische Praxis ergibt. Um solche Dinge mal länger (als kurz im Anschluss an einen Vortrag, wonach alle sich wieder verstreuen) diskutieren zu können und eine Austausch-Plattform dafür zu schaffen, organisieren wir das Camp.

Zu diesem Camp möchten wir euch nicht nur herzlichst einladen, sondern auch um Mithilfe bitten.
Nicht nur brauchen wir Hilfe im Bezug auf die Finanzierung des Ganzen sondern auch beim konkreten Transport (Dresden und Burg Lohra liegen ganz schön weit auseinander), beim Auf- und Abbau, Orgastrukturen während des Camps, Unterstützungsarbeit, Dolmetschen (DGS, Leichte Sprache, Englisch, Französich, Tschechisch, Polnisch, etc.), Gestaltung des Open Space und x anderen Sachen.

Falls ihr Lust habt uns zu unterstützen meldet euch doch bitte bei uns unter folgender Email Adresse: e_vibes@riseup.net

Ansonsten wird es hier in den nächsten Tagen und Wochen mehr Infos zum Camp geben.

Kurzaufruf der Kampagne 13|02 – KEINE RUHE!

Keine Ruhe am 13. Februar…Bis die Scheiße endlich aufhört!

Am 13.02.2013 wollen in Dresden wieder (Neo-)Nazis marschieren und versuchen die Luftangriffe auf Dresden zu entkontextualisieren, Täter_innen zu Opfern zu machen und ihre menschenverachtende Ideologie auf die Straße zu tragen – so wie sie es an diesem Tag bisher immer tun konnten. Wir werden sie an diesem Vorhaben hindern! Dafür benötigen wir eure Hilfe.

Die letzten drei Jahre haben gezeigt, dass durch das Zusammenspiel verschiedener Aktionsformen Naziaufmärsche erfolgreich gestört oder verhindert werden konnten. Auch die massive Repression gegen linke Strukturen änderte nichts an der Entschlossenheit der Antifaschist_innen. Daran gilt es auch 2013 festzuhalten. Solange in Dresden ein revisionistisches Gedenken praktiziert wird und der Mythos einer unschuldigen Stadt existiert, werden Nazis daran anknüpfen können.

Wir als Kampagne 13|02 – KEINE RUHE! haben uns gegründet, um genau dem radikal und offensiv entgegenzutreten. Wir zählen auf eure Unterstützung, den „Mythos Dresden“ und den „Trauermarsch“ endgültig Geschichte werden zu lassen. Kommt zahlreich und entschlossen!

KEINE RUHE für Opfermythen!
KEINE RUHE für (Neo-)Nazis!
KEINE RUHE für die sächsischen Verhältnisse!

http://keineruhe.noblogs.org/

Freiräume erhalten!

„RM 16 bleibt!“ leutet der Aufruf der Robert-Martzke-Straße 16, eines der letzten linksalternativen Wohnprojekte der Stadt Dresden. Im Jahr 1999 besetzten Antifaschist_innen den Altbau im Stadtteil Pieschen. Sie sanierten das Gebäude und 2002 wurde das Projekt von der Stadt anerkannt. Die RM 16 ist seit dem nicht nur ein Wohnhaus, sondern auch Veranstaltungsort für Vorträge, Kinoveranstaltungen, Konzerte und Partys und stellt somit eine linke Alternative zum reaktionären Alltag in Sachsen dar. Die Existenz des Projektes steht jedoch auf der Kippe. Die Bewohner_innen haben die Chance erhalten das Haus von der Stadt zu kaufen – oder es zu verlieren und dafür benötigen sie dringend Unterstützung!
Eine erste Soli-Veranstaltung mit Konzert und Aftershowparty wird es am Samstag, den 12. Januar im AZ Conni geben.
Mehr Infomationen auf:
Blog der RM 16

Auch die freien Räumlichkeiten der Studierenden (KOK16) an der Bayreuther Straße 40 bekommen die sächsische Politik zu spüren. Der Freiraum ist aus den Aktivitäten der Studierenden des POT81 im Bildungsstreik 2009 hervorgegangen. Innerhalb der letzten sechs Wochen hatte der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) in Zusammenarbeit mit der Verwaltung der TU Dresden die Nutzung der Räumlichkeiten eingeschränkt. Kurz vor Weihnachten wurde jetzt im Schnellverfahren ohne Rücksprache die Räumung bis Freitag, den 11. Januar, beschlossen. Ersatz ist nicht in Aussicht gestellt. Klar ist allerdings, dass sich die Baracke auf der Bayreuther Str. 40 auf dem Bauland des geplanten “Tor zur Universität” befindet, einem Neubau, der in diversen Medien bereits angekündigt wurde. Der KOK16 reiht sich somit ein in die Gruppe diverser anderer Projekte, die Prestige- und Kapitalinteressen nicht genügen.
Der KOK16 läd nun für Donnerstag, den 10. Januar, ab 16 Uhr zu einer vermutlich letzten Möglichkeit der Besichtigung um die Notwendigkeit eines Freiraumes aufzuzeigen und mit Menschen in Kontakt zu kommen. Es werden außerdem Spenden für exzellente Öfen gesammelt. Ab 20Uhr soll es eine kleine Abrissparty mit Musik und Solibier geben.
Weitere Infos:
Wiki des POT81
TU Dresden setzt Studierende auf die Straße
Offener Brief des Freiraums KOK16 an der TU Dresden