Archiv für März 2014

Interview mit uns im Underdog Fanzine

„e*vibes ist eine Gruppe von Menschen, die sich im Herbst 2011 in Dresden gegründet hat. Diese setzt sich schwerpunktmäßig mit Feminismus und Sexismus auseinander, denn „diese Auseinandersetzung findet einerseits (erzwungenermaßen) ständig im Alltag, andererseits auf unseren wöchentlichen Treffen statt“(1).
Auf diesen Treffen tauschen sich Menschen aus, bilden sich gegenseitig weiter, planen Veranstaltungen und (Re-)Aktionen. So bietet die Gruppe monatlich „Feminismus zum Kennenlernen“ im cafém (2) an und die Möglichkeit, den Raum mit emanzipatorisch, feministischem Ansatz zu gestalten. Darüberhinaus gibt es einen Brunch, Infostände, Bücherecken und Workshops zu sexistische Diskriminierung, Geschlechtsidentitäten, feministische Theorien und Handlungsstrategien.

Was ist e*vibes: Alternativer Frei-, Schutzraum, kollektiver Akt des Widerstands?
Malte: Tja, was sind wir?! Vielleicht nichts von alledem.
Gloria: Doch, irgendwie schon – von allem ein bisschen. Wir versuchen, unsere Veranstaltungen und Plena zu einem geschützten Ort zu machen. Einen Raum bzw. Rückszugsraum, in dem man freier ist von Diskriminierung und freier ist, sich zu entfalten, Widerstand zu üben. Diese Räume können Menschen auch wieder Kraft geben, um Widerstand (in privaten Räumen) zu leisten.
Malte: Wir sind eine Gruppe, der es um Austausch mit anderen oder untereinander, sowie wie um (Weiter-)Bildung geht, die Veranstaltungen unterschiedlichster Art (Partys, Konzerte, Diskussionen, Workshops, Vorträge, Camps, Inputwochenenden) organisiert, eine Politgruppe, eine Gruppe von Freund_innen und mittlerweile auch ein Verein.

Welche eigenen Erfahrungswerte hat es notwendig gemacht, e*vibes zu gründen?
Gloria: Puh. Da gab und gibt es immer noch super viele Gründe. Zumeist Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen. Beispiele gibt es sehr viele. Um ein paar zu nennen: Sprüche, Beleidigungen gegenüber Lesben, Frauen*, sexuelle Grenzüberschreitungen.. [mehr]“

Brasilien und die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer

[English]

Was stellt ihr euch vor, wenn jemand ‘Brasilien’ sagt? Karneval, sonnige Strände und Fußball?

Sehr gut – und genau weil Brasilien diesen Ruf hat, eine Fußball-Nation zu sein, ist es keine Überraschung, dass es diesen Sommer Gastgeberland der Fußball-Weltmeisterschaft sein wird.

Was euch allerdings überraschen könnte, sind verstörende Fakten rund um das Event: über 30 Milliarden US-Dollar werden von der brasilianischen Regierung für die Vorbereitungen ausgegeben – und das in einer Situation mangelhafter Gesundheitsversorgung, öffentlicher Bildung, öffentlicher Verkehrmittel usw.. Mehr als 250 000 Menschen wurden aus ihren Wohnungen zwangsgeräumt. Und die FIFA, die Milliardeneinnahmen durch das Event erwartet, wird keinerlei Abgaben zahlen müssen.

Die meisten Brasilianer_innen sehen die Absurdität von all dem und bereiten sich auf Proteste vor. Der Staat ist sich aber dessen bewusst und mobilisiert, Protestierende als Terrorist_innen betrachtend, Polizeikräfte.
Wahrscheinlich wird es während des Events viele schwer verletzte oder gar tote Protestierende geben.
Wie es der FIFA-Sicherheitsberater Andre Pruis gegenüber Journalist_innen ausdrückte, werden Gummigeschosse als ‘Maßnahme auf niedriger Stufe’ betrachtet: ‘Sie tun weh, aber was soll die Polizei denn tun? Spielzeug-Pusterohre benutzen? Oder Wasserwerfer? Das funktioniert ab einem bestimmten Punkt nicht mehr’.‘Man muss sie auseinandertreiben’.

Wir sollten nicht ignorieren, was dort passiert, auch wenn es so weit weg ist. Wir sollten etwas tun! Lasst uns uns treffen und über die Weltmeisterschaft reden, über die Situation in Brasilien und über Möglichkeiten, unsere brasilianischen Genoss_innen zu unterstützen.

Montag, 14. April, ab 19 Uhr im kosmotique, Martin-Luther-Straße 13

Unsere Waffe ist Solidarität!

Der Vortrag wird gehalten von Maria aus Prag, die vor kurzem einige Zeit in Brasilien verbracht hat. Dabei lernte sie einige Anarchist*innen und Libertäre kennen, wie auch die dort gerade entstehende neue Protestbewegung. Es wird auf Englisch gesprochen, aber wir werden eine parallele Flüster-Übersetzung ins Deutsche anbieten.

Veranstaltung@FB

AFem2014 organisieren! Eine anarchafeministische Konferenz in London am 19. Oktober 2014

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Im Januar wurde der folgende Aufruf in englischer Sprache veröffentlicht. Kurz darauf gab es noch ein Statement „zu Inklusion“ auf der Konferenz. Nun wurde beides von jemandem aus unserer Gruppe ins Deutsche übersetzt und erschien kürzlich in der März-Ausgabe der Gǎi Dào, der Zeitschrift der Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA). Wir werden in den kommenden Monaten versuchen, euch auf dem Laufenden zu halten. Dazu wäre es super, wenn sich noch Menschen bereiterklären würden, sich verbindlich an Englisch-zu-Deutsch-Übersetzungen zu beteiligen. Was auch jetzt schon interessant wäre: Welche Gedanken und Fragen habt ihr dazu? Was wollt ihr diskutieren? Und: Wer will hinfahren? :) Hier der Aufruf:

AFem2014 organisieren: eine anarcha-feministische Konferenz in London am Sonntag, 19. Oktober 2014

(veröffentlicht: 13.01.2014)

Wer sind wir?
Wir sind eine Gruppe von Anarcha-Feminist_innen verschiedenen Geschlechts und unterschiedlicher Hintergründen, die zusammen gekommen sind, um ein anarcha-feministisches Event zu organisieren. Dieses wollen wir nutzen, um konkret auf Veränderungen unserer eigenen Praxis hinzuarbeiten und darauf, die Institutionen und Ideen, die uns beherrschen, zum Umsturz zu bringen.
 
Was ist AFem2014?
AFem2014 wird der erste Teil einer (hoffentlich) kommenden Serie internationaler anarcha-feministischer Konferenzen sein. Die Notwendigkeit dafür ist innerhalb anarchistischer Organisierung schon lange offensichtlich.
Versuche, uns stillzustellen, unsere Ideen schlecht zu machen oder zu verniedlichen, sowie körperliche Übergriffe und Vergewaltigungen haben zu einer gewissen Wut auf die Maskulinisierung unserer Bewegung geführt. Wir sind nicht zu gleicher Zahl repräsentiert und werden oft nicht ernst genommen. Während wir auf dem Papier gleichberechtigt sind, stehen wir manchmal selbst in unseren eigenen Gruppen und Organisationen Unterdrückung gegenüber.
Hindernisse für unsere volle politische Teilhabe bleiben intakt. Das bedeutet, dass unsere anarchistische Bewegung nicht wirklich ‚anarchistisch‘ ist. Wir werden das nicht weiter tolerieren. Wir wollen unsere Bewegung verändern.
 
Zudem haben, betrachtet man die breite Gesellschaft, die vermeintlichen Errungenschaften des liberalen Feminismus keine Gleichberechtigung gebracht. Etablierte Reformer_innen und autoritär-linke Parteien erreichen wenig für uns. Das trifft auf rechtlichem, ökonomischem, sozialem und politischem Gebiet zu, sowie auf persönliche Beziehungen. Wenn wir an einer feministischen Konferenz arbeiten, in deren Zentrum klassenkämpferischer Anarchismus und der Kampf für ökonomische Gleichstellung stehen werden, wissen wir, dass der Kapitalismus nicht der einzige Feind ist. Wir werden klein gehalten und voneinander getrennt durch viele Arten der Herrschaft, die sich in komplexer Weise kreuzen und überlappen.
Rassismus, Ableism*, Trans*phobie, Ageism* sowie Unterdrückung in Zusammenhang mit Religion oder Kultur sind verbreitete Formen, denen wir entgegentreten, aber es gibt viele mehr. Dies kann sich ebenso stark auf uns auswirken wie ökonomische Ausbeutung – und manchmal noch viel unmittelbarer.
 
Daher verstehen wir Anarcha-Feminismus nicht als bloße Antwort auf Anarchismus und Feminismus. Anarcha-Feminismus ist eine anti-autoritäre, unterdrückungs- und herrschaftsfeindliche Kritik der kapitalistischen kyriarchischen1 Form sowie eine Waffe, die wir in unserem täglichen Leben nutzen können. Wir wollen Überschneidungen zwischen Herrschaftsformen untersuchen, Theorie entwickeln, von anderen lernen und bei praktischen Schlussfolgerungen für die Praxis ankommen.
 
Für wen ist die Konferenz offen?
Die Konferenz ist nicht offen für cis-Männer (Männer, die sich mit dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde, wohlfühlen), allerdings offen für Menschen aller anderen Geschlechter bzw. keinen Geschlechts. Sie bemüht sich, ein Ort für trans*, queere und nicht-binäre2 Menschen sowie Menschen unklaren oder fließenden Geschlechts zu sein, ebenso wie für cis-Frauen. Wir werden auf der Konferenz keine Geschlechts-Darstellungen kontrollieren, allerdings werden wir nicht zögern, trans*phobe, cis-sexistische oder binaristische Sprache, Verhalten oder Grundhaltungen anzugehen.
 
Wie wird die Konferenz strukturiert und organisiert sein?
Wir schlagen eine Struktur sich überschneidender thematischer Treffen und Themenblöcke vor – mit Ergebnissen am Ende der Konferenz, die wir mitnehmen, nutzen und auf die wir aufbauen können. Wir laden Menschen dazu ein, Treffen und ganze Themenstränge zu initiieren, mit dem Fokus auf anarcha-feministischer Analyse und Praxis. Darin sollen von people of color*, trans*-, genderqueeren und nicht-binären Menschen, Sexarbeiter_innen sowie körperlich und psychisch behinderten Menschen selbstorganisierte Stränge enthalten sein. Wir sind verpflichtet, unser Mögliches zu tun, eine breites Spektrum von Menschen in unsere Organisierung einzubeziehen, weshalb solche Stränge durch das ganze Projekt hindurch prioritär unterstützt und mit Mitteln ausgestattet werden. Um zur vollen und freien Teilnahme der zum Kommen Aufgerufenen beizutragen, wird es auf der Konferenz eine klare und bedeutungsvolle safer spaces-Politik3 geben.
 
Bitte bringt euch ein
Die Konferenz war eine Initiative von Anarcha-Feminist_innen innerhalb der Anarchist Federation (AF, anarchistische Föderation Großbritannien) und die Organisationsgruppe schließt Repräsentant_innen der International of Anarchist Federations (IFA-IAF) und ihrer Mitglied-Föderationen ein, der Solidarity Federation (SF-IWA) sowie einer wachsenden Zahl ungebundener und autonomer Anarcha-Feminist_innen. Es gibt viel zu tun und wir laden euch ein, mitzumachen und uns zu helfen, dieses aufregende Ereignis zu gestalten; mit euren Ideen, Konzepten und in der praktischen Organisation.
 
Bitte nehmt Kontakt auf, wenn ihr mit dem obenstehenden Ansatz einverstanden seid und euch der Organisationsgruppe anschließen möchtet, als Einzelne_r oder Delegierte_r, oder wenn ihr ein bestimmtes Treffen bzw. Themenstrang mitorganisieren oder daran teilnehmen wollt.
 
Bitte streut dieses Statement breit innerhalb eurer Gruppen, Organisationen und Netzwerke und bewegt sie dazu, zu Unterstützer_innen und Mitwirkenden zu werden.
 
Bitte helft uns, Geld für dieses Ereignis zu beschaffen. Je mehr wir bekommen, umso inklusiver und internationaler kann die Konferenz sein.

Es freuen sich darauf, mit euch zusammenzuarbeiten…
…die Organisator_innen des AFem2014
 
Januar 2014
Email: afem [at] afed.org.uk

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Über Inklusion und die Konferenz AFem2014 – vom Organisationskommitee

(veröffentlicht: 20.01.2014)

In der letzten Woche haben wir einen Aufruf, sich an der Konferenz-Organisation zu beteiligen, veröffentlicht und verbreitet. Dieses Statement wurde wegen seiner Erklärung der Entscheidung, Cis-Männer nicht zum Organisieren oder Teilnehmen an der Konferenz einzuladen, breit als cis-sexistisch kritisiert4.
Die Wut und die Verletzungen, die dieses Statement bei trans*Personen, genderqueeren, gender-fluiden und nicht-binären Menschen verursacht hat, tun uns aufrichtig leid und wir sind dankbar für die Kritik, die wir erhalten haben. Wir schätzen die Energie und Zeit all derer, die uns offene Briefe und Emails geschrieben oder die Sache in sozialen Netzwerken diskutiert haben. Die AFem2014-Konferenz sollte in ihrer Organisation weder Cis-Sexismus noch andere geschlechtliche Unterdrückung reproduzieren.
Wir lesen eure Kritiken und überlegen, wie wir unsere Vorgehensweise verändern können.
Unser Ziel ist es, einen sicheren und empowernden, herrschaftskritischen Raum zu schaffen für alle, die Unterdrückung in Zusammenhang mit Geschlecht erfahren. Wir gestehen ein, dass wir das bisher in unseren Planungen nicht geleistet haben. Wir als Organisierende sind bereits eine gemischtgeschlechtliche Gruppe, würden uns aber freuen, von mehr trans*-, genderqueeren, gender-fluiden und nicht-binären Menschen etwas zum Thema zu hören. Lange hat es Spannungen dahingehend gegeben, wie ein sichererer Raum für aufgrund von Geschlecht unterdrückte Menschen geschaffen werden kann und wir wollen, dass dieses Gespräch zu einer besseren Praxis beiträgt.
Bitte kontaktiert uns per Email unter afem [at] afed [dot] org [dot] uk, wenn ihr Punkte habt, derer wir uns annehmen sollten.
Unser nächstes Organisations-Treffen findet am 8.Februar in London statt. Sagt uns bescheid, wenn ihr vorbeikommen und Teil dieser Diskussion sein wollt.

Anmerkung zur Übersetzung:
Wenn ihr den Text diskutiert, kommentiert oder kritisiert, bedenkt bitte, dass Übersetzungen es immer schwer haben, alle Implikationen oder auch den Tonfall adäquat wiederzugeben. Begriffe aus den gender und queer studies ins Deutsche zu übersetzen, ist schwierig. In deutscher Sprache an englischssprachig schon lange geführte Diskurse anzuknüpfen, ist schwierig. Erst recht, wenn man darin, wie ich, nicht geübt ist. Man hätte noch viel mehr Erklärungs- und Anmerkungs-Fußnoten einbauen können. Aber: Zu viele Fußnoten und zu langer Text sind auch schwierig. Verbesserungsvorschläge: gern! Die Übersetzerin.

  1. Kyriarchie: miteinander verbundene, interagierende, multiplikative Systeme von Herrschaft und Unterwerfung, in denen dieselbe Person in einem Kontext Unterdrückte und in einem anderen Kontext privilegiert sein kann. Wird z.B. im Feminismus zur Erweiterung des Begriffs des Patriarchats genutzt. (Anm. d. Übers.) [zurück]
  2. binär: zweiteilig, bezieht sich hier auf oft unhinterfragtes, ausschließliches Modell der Zweigeschlechtlichkeit (Anm. d. Übers.) [zurück]
  3. safer space: ’sichererer‘, geschützterer Raum; bezieht sich hier auf diskriminierungskritische Praxis. Beispielsweise kann ein Raum geschützt, bzw. geschützter als andere, vor rassistischer Diskriminierung sein, wenn er privilegierte weiße Menschen ausschließt (Anm. d. Übers.). [zurück]
  4. Es gab und gibt eine breite, teils hoch emotionale Diskussion, die zu verfolgen interessant ist. Um mal ein Diskussionsfeld zu umreißen: Sind trans*Männer keine ‚richtigen‘ Männer, auch wenn sie dies sein wollen? Wie lässt sich die gemeinte Unterdrückung treffend benennen? Werden trans*Männer ‚als Frauen‘ unterdrückt? Oder ‚aufgrund ihres Geschlechts‘ – das aber in diesem Fall gar nicht ‚ihres‘ ist? Wie ist das bei trans*Frauen? In diesem Text lautet die Formulierung nun ‚gender oppressed people‘. Dies mit ‚geschlechtlich unterdrückt‘ zu übersetzen, kennzeichnet Geschlecht nicht als konstruiert. Deshalb wähle ich lieber Formulierungen wie ‚im Zusammenhang mit‘ / ‚in Bezug auf‘ / ‚aufgrund von Geschlecht“ – also: weil so etwas wie Geschlecht existiert… Vielleicht wäre ’sexistisch unterdrückt‘ noch besser? (Anm. d. Übers.) [zurück]

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