Archiv für Juni 2014

Kommt mit! Aktionstour quer durch Deutschland

von Women in Exile

Flüchtlingsfrauen werden laut! Aktionstour quer durch Deutschland
Ge­fah­ren­vol­le Rei­se­we­ge, her­um ge­scho­ben durch ganz Eu­ro­pa, un­ter­ge­bracht in Sammelun­terkünften oft weit weg von je­der In­fra­struk­tur, Gut­schei­ne, Ar­beits­ver­bo­te, ein all­täg­li­cher Kampf um aus­rei­chen­de me­di­zi­ni­sche Versor­gung, im­mer ge­gen­wär­tig die Angst vor Abschie­bung… und Se­xis­mus, wie ihn jede Frau er­lebt noch dazu… wir Flücht­lings­frau­en ha­ben al­len Grund laut zu wer­den und ein menschenwür­diges Le­ben ein­zu­for­dern.

Wir la­den alle Flücht­lings­frau­en ein, mit uns zu­sam­men laut zu wer­den!
Im Som­mer 2014 wol­len wir uns ge­mein­sam mit an­de­ren Flücht­lings­frau­en an ei­nem Pro­jekt des Mu­si­kers Heinz Ratz und sei­ner Band Strom & Was­ser be­tei­li­gen:
Auf Flö­ßen wer­den wir vom 14.7. bis 27.8. über Flüs­se und Ka­nä­le von Nürn­berg bis Ber­lin rei­sen, als schwim­men­de De­mons­tra­ti­on auf die Si­tua­ti­on von flie­hen­den Frau­en und Kin­dern auf­merk­sam ma­chen und laut­stark un­se­re Forde­rungen in die Öf­fent­lich­keit tra­gen.
Au­ßer­dem wird ein Rah­men­pro­gramm in den Flüchtlings­unterkünften statt­fin­den, da­bei wol­len wir mit Flüchtlings­frauen ins Ge­spräch über ihre Sor­gen und Pro­bleme kom­men und sie zu den abend­li­chen Kon­zer­ten von ‘Strom und Was­ser feat. The Re­fu­gee Wo­men’ ein­la­den. Die­se abend­li­chen Kon­zer­te wer­den so zu Be­geg­nun­gen zwi­schen deut­schem Pu­bli­kum und Flücht­lings­frau­en. Die Tour-Ter­mi­ne fin­den sich hier.

Wir wol­len die­se Rei­se mit euch nut­zen, um uns mit ande­ren Flücht­lings­or­ga­ni­sa­tio­nen zu vernet­zen und mit Flücht­lingsfrauen in ganz Deutsch­land zu spre­chen und wer­den über un­se­re Erleb­nisse wäh­rend der Tour auf ei­nem Web­blog be­richten. So wer­den wir die Si­tua­ti­on von Flücht­lingsfrauen in Deutsch­land do­ku­men­tie­ren und un­se­re und eure An­lie­gen und un­se­ren und eu­ren Wi­der­stand öf­fent­lich ma­chen.
Flücht­lings­frau­en, Schwes­tern, Freun­din­nen, Un­ter­stüt­ze­rin­nen, Ak­ti­vis­tin­nen:
Kommt mit!
Un­ter­stützt uns als Re­por­te­rin, Fah­re­rin, Über­set­ze­rin, mit Kin­der­be­treu­ung…!
Wenn ihr In­ter­es­se oder Fra­gen habt mel­det euch:
info@​women-in-exile.​net

Vor und während der Aktionstour werden auch noch viele Helfer*innen gesucht:

* So schnell wie möglich jemand, der/die den Aufruf und die Seminareinladung für uns auf Serbisch übersetzen kann.
* Frauen, die bereit sind (ab 20.6.) ein Info-(Mobil)telefon in Russisch, Serbisch oder Arabisch zu betreuen.
* Frauen, die während der Tour einige Tage mitfahren können, um zu übersetzen.
* Freund*innen, die während der Tour das Begleitfahrzeug (9-Sitzer) fahren können. (Das Begleitfahrzeug wird dringend benötigt, weil aus versicherungstechnischen Gründen Kinder nur sehr begrenzt mit auf das Floß dürfen.)
* Freund*innen, die uns während der Tour bei der Kinderbetreuung unterstützen wollen.
* Freund*innen, die für uns Schlafplätze während der Tour organisieren. Wann wir ungefähr wo sein werden finden Sie hier:
bitte an:nolager4women@riseup.net

Das alles kostet leider auch viel Geld: Gebraucht werden Lebensmittel, Fahrtkosten zur An- und Abreise, das Begleitfahrzeug und ganz wollen die Frauen sich nicht darauf verlassen, dass sich unterwegs genug solidarische Unterbringungsmöglichkeiten finden. Auf Basis von Erfahrungen vergleichbarer Aktionen rechnen wir. für eine Gruppe von 10- 15 Frauen und Kinder mit ca 4300€ pro Woche. Benötigt wird außerdem eine
existenzsicherne Teilzeitstelle für eine Flüchtlingsfrau zur Koordination.

Deshalb bitten wir Sie/euch unterstützen Sie/unterstützt unsere Aktionstour auch mit einer Spende!
Online spenden können Sie/ könnt ihr hier.

Oder ganz traditionell:
Women in Exile e.V.
IBAN: DE21430609671152135400
BIC: GENODEM1GLS (GLS Bank)

Wir freuen uns darauf viele von Ihnen/euch während der Aktionstour zu treffen.

Neue Audiofiles vom e*camp

Dank eines Allys können wir euch nun endlich zwei weitere Vorträge (inkl. Diskussion) vom e*camp letzten Jahres nachreichen.

Einerseits die Einführung von Ernst Schnell in die Wertabspaltungskritik:
Vortrag
Diskussion

Andererseits die anschließende Veranstaltung von Roswitha Scholz mit dem Titel: Verwilderung des Patriarchats. Geschlecht in Zeiten postmoderner Globalisierung
Vortrag
Diskussion

Fusion 2014

Infostand und Vortrag

Did Femen take over Fe­mi­nism? – Fra­gen zu Fe­mens „fe­mi­nis­ti­schem“ Ge­halt und den Aus­wir­kun­gen auf die Be­frei­ung der Frau*

Femen, ein ein­zi­ger Hö­hen­flug des me­dia­len Er­folgs. Tau­sen­de Likes auf Face­book und In­ter­views ohne das ein Ende in Sicht ist.
Wer ist diese Grup­pe deren Name öfter ge­goo­gelt wird als Fe­mi­nism, die sich selbst als die glo­ba­le Frau­en­be­we­gung des 3. Jahr­tau­sends be­zeich­nen?
In die­sem Vor­trag wol­len wir uns u.a. damit aus­ein­an­der­set­zen, wie Femen his­to­risch-ge­sell­schaft­lich ver­or­tet sind, sich or­ga­ni­sie­ren und wel­che Aus­wir­kun­gen ihr Ak­ti­vis­mus für an­de­re fe­mi­nis­ti­sche Grup­pen hat. Au­ßer­dem be­schäf­ti­gen wir uns mit den von ihnen er­zeug­ten Bil­dern und wel­che der viel­fach ge­äu­ßer­ten Kri­tik (nicht) ge­recht­fer­tig ist.

Zusätzlich werden wir während der Fusion einen Infostand aufbauen, an dem ihr euch mit Flyern, Zines, Klebeband usw. eindecken könnt.

Geschlechterreflektierende Präventionsarbeit gegen Neonazismus

mutvorort

Neonazistische Szenen sprechen Jugendliche nicht als geschlechtslose Wesen an. „Machohafte“ Männlichkeitsmuster prägen das Auftreten in diesen Szenen und können attraktiv für junge Männer* sein. Doch auch junge Frauen* übernehmen eine aktive Rolle in neonazistischen Zusammenhängen, was häufig unterschätzt wird. Sie vertreten gleichermaßen die neonazistische Ideologie, übernehmen wichtige Aufgaben und entwickeln ihr Frauen*bild innerhalb der Szene.
Welche geschlechtsspezifischen Motive als Junge* oder Mädchen* gibt es, sich neonazistisch zu orientieren? Wie kann eine geschlechterreflektierende Arbeit präventiv gegen neonazistische Orientierungen bei Jugendlichen wirken? Durch eine geschlechterreflektierende Arbeit sollen die Präventionsmöglichkeiten gegen Rassismus, Antisemitismus und neonazistisch motivierte Gewalt von Jugendlichen erweitert werden.

Kostenloser Workshop mit Trainer_innen von „Mut vor Ort“ – in Kooperation mit dem Asta der Ehs Dresden
Teilnehmer_innenzahl auf 18 Personen begrenzt.
Um eine Anmeldung unter e_vibes@riseup.net wird gebeten.
@ ehs Dresden; Raum:3.114

Cafém wird verschoben

Liebe Leute, da die BRN genau zeitlich mit dem Juni-Cafém zusammenfällt und ein entspanntes Cafém mitten in der Neustadt nicht möglich sein wird, wird der Workshop um einen Monat auf den 20.7. verschoben. Am 15.6. bleibt die Kosmotique geschlossen. wer lust auf nette Menschen und Brunch hat, sei auf die Veranstaltung im AZ Conni hingewiesen.

Dresden stellt sich queer +++ Toller Ranzpreis für Helma Orosz +++

Es ist unglaublich, aber wahr. Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) bekam am heutigen Sonntag den Toleranzpreis des CSD Dresden verliehen.
Beim ‚Regenbogenbrunch‘ auf dem Altmarkt.
Der „Preis für Toleranz“ des Christopher Street Day Dresden e.V. wurde erst zum zweiten Mal vergeben. Letztes Jahr ging er an Robert Koall (Chefdramaturg des Staatsschaupiels), was nachvollziehbar war.

Wie aber kommt Orosz zu dieser Ehrung?

Die CDU, vor allem die sächsische, ist äußerst bekannt für ihre Toleranz. Zum Beispiel gegenüber der AfD, mit der sie wahrscheinlich koalieren wird – was zugegebenermaßen über bloße Toleranz hinausgeht. Ebenso gegenüber anderen Nazis, mit denen Frau Orosz traditionell im Februar Händchen hält. 1/2/3/4
Die Vergeschwisterung in der Menschenkette zum 13. Februar steht symbolisch für die Toleranz in der schönsten aller zerbombten Altstädte: Wir kennen keine individuellen Unterschiede mehr, seien es politische Einstellungen, Lebensweisen oder Sexualität – solange wir Dresden lieben, Sachsen sind und nicht auffallen.
Sachsen ist ein Bundesland, in dem die CDU seit 24 Jahren unangefochten regieren kann, und – was dabei kaum verwundert – das einzige Bundesland in Deutschland, in dem es immer noch keine gleichen Rechte in der gleichgeschlechtlichen ‚Eingetragenen Lebenspartnerschaft‘ gibt – und das auch in naher Zukunft nicht in Aussicht ist.
Vielleicht hilft ja beten. Einige Parteifreund_innen von Orosz geben sich da alle Mühe:
Im Erzgebirge demonstrieren hunderte Anhänger_innen der CDL (‚Christdemokraten für das Leben‘, Organisation innerhalb der CDU) gegen das Recht auf Schwangerschaftsabbruch, bezeichnen Frauen* als Kindsmörderinnen und fordern die Rückkehr zu christlichen Werten wie der klassischen (selbstverständlich Hetero-)Ehe, die nun mal den besten Rahmen für Sexualität biete.

Der CSD Dresden e.V. verleiht Helma Orosz den Toleranzpreis. W T F ?

Auch dem Laudator Dr. David Berger (Buch-Autor „Der heilige Schein: Als schwuler Theologe in der katholischen Kirche“) muss die Absurdität dieser Preisverleihung irgendwie bewusst gewesen sein – er leitete mit den Worten ein: „Sind wir verrückt? Oder masochistisch?“. Der Rest seiner Rede widmete sich dem Versuch, dies zu widerlegen:
Trotz ihrer diversen Verpflichtungen habe Helma Orosz für den CSD „immer zur Verfügung“ gestanden. Ihre Schritte auf den CSD zu seien zwar sehr „behutsam“, teilweise langsam gewesen, aber die Richtung hätte immer gestimmt. In anderen Städten hätte der CSD viel mehr Probleme. (Augenscheinlich sind Demonstrationsrechte nicht selbstverständlich, sondern Grund für einen Toleranzpreis. So hoch, diese Anbiederung zu rechtfertigen, waren die Fördergelder nun wieder auch nicht.) Die CDU habe immer wieder gebremst, wenn es um Rechte von Schwulen und Lesben in Sachsen gegangen sei. Orosz allerdings sitze innerhalb der Partei zwischen den Stühlen, wofür man ihr Respekt zollen müsse. (by the way: Wer in der sächsischen CDU sind eigentlich die „Partei-Konservativen“?).
Es ginge hier ja schließlich auch nicht um „kleinliche Parteipolitik“, sondern um grundlegende Menschenrechte. Auch in der CDU gebe es schwule und lesbische Mitglieder, die genau so aktiv seien wie die bei den Grünen oder der Linken. Aufgrund vieler schlechter Erfahrungen könne man sich als Homosexuelle_r sowieso hinter keine Partei stellen. Aber: Normalerweise lägen immer die Leute richtig, die – wie Helma Orosz – sowohl von extremen Rechten als auch von extremen Linken kritisiert würden. Was für ein Kriterium.

Bei der Veranstaltung selbst hielten es einige Menschen für nötig, still zu protestieren, um ihre Kritik zu äußern: Fünf Personen hielten Pappschilder mit Aufschriften empor: „Toleranz ≠ Respekt“, „Toleranz/Respekt ≠ gleiche Rechte“, „sächsische Verhältnisse kippen“, „Orosz ist doof“ – weiterhin war eine stilisierte Menschenkette mit Frau Orosz und Nazis aufgemalt.
Kritik muss gar nicht solidarisch und schon gar nicht ruhig geübt werden, aber hier wurde sich offensichtlich für eine recht ‚nette‘ Form entschieden. Doch schon dieser friedliche Protest war den Organisator_innen des CSD sowie dem Großteil der Besucher_innen des ‚Regenbogenbrunchs‘ zu viel der Meinungsäußerung. Sie gingen teilweise aggressiv gegen die Protestierenden vor, ent- bzw. zerrissen ihre Schilder und forderten sie zum Gehen auf. Dabei entstanden Diskussionen, die dann wiederum als ‚Störung‘ verurteilt wurden. Der Redner Berger äußerte immerhin, von ihm aus könnte man die Leute mit den Schildern da stehen lassen; schließlich sei auch dies eine Form schwul-lesbischer Meinungsäußerung. Andere sahen das anders.

Die Reaktionen der CSD-Orga und des Publikums – bzw. der „zivilcouragierten“ Bürger_innen – sprachen durchaus dafür, dass Homo- und Bisexuelle tatsächlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. Wenn schon nicht in Bezug auf gleiche Rechte, dann doch wenigstens politische Einstellungen betreffend. Einige Wenige solidarisierten sich zwar mit den kritischen Stimmen, darunter auch eine Abgeordnete des Dresdner Stadtrats. Der Großteil aber beklatschte und bekräftigte („Genau!“, „Richtig so!“) die Disqualifizierung der Kritiker_innen bzw. kümmerte sich gar aktiv selbst darum. Der CSD-Moderator bedankte sich am Ende noch für die „Zivilcourage“. Nicht etwa die der Protestierenden, sondern die derer, die sofort gegen den stillen Protest eingeschritten waren. Gelebte Toleranz.

Nun ja… Bei der Rede von Toleranz ist es eben so, dass es diese immer nur in einem bestimmten Rahmen gibt – dann aber für alle gleich. Helma Orosz erklärte das den Protestierenden noch einmal: Man solle eine Gruppe gründen, eine Veranstaltung anmelden und dann könne man sagen, was man wolle.

In diesem Land herrsche zum Glück Demokratie, wie Orosz in ihrer Rede klarstellte. Sicher gebe es noch viele Misstände in Bezug auf Gleichberechtigung, aber „unsere Gesellschaft wächst“. Ein Teil der Gesellschaft hätte das mit Leben und Menschlichkeit immer noch nicht verstanden – diese „Andersdenkenden“(!) müssten weiter „aufgeklärt und sensibilisiert“ werden. Dies täten ja die Organisatoren des CSD und viele weitere Vereine schon sehr gut, wofür sie sich bedanke. Ihre „große Bitte“ an diese sei, weiter „für Verständnis und Toleranz [zu] werben“, bis irgendwann alle tolerant seien „gegenüber jedem, der anders ist“. no comment
„Ich bin mir sicher, dass das in Dresden bald passieren wird.“ no comment2

Orosz wusste möglicherweise noch nicht mal, auf welcher Veranstaltung sie sich befand, denn sie sprach konsequent vom „CSV“ (ein Fußballverein?) oder dem „CSV-Festival“, auf dem sie sich freue, sprechen zu können. Aber gut, versprechen kann sich jede_r mal, auch mehrfach.

Solange Helma Orosz Schirmherrin des CSD ist, sollte man sich nicht wundern, im Regen nass zu werden.

  1. https://www.addn.me/antifa/dresden-im-normalzustand/#more-20292 [zurück]
  2. http://infothek.wordpress.com/2010/03/11/13-februar-2010-dresden-heidefriedhof/ [zurück]
  3. http://www.dnn-online.de/dresden/web/dresden-nachrichten/detail/-/specific/Diskussion-ueber-Nazis-in-der-Dresdner-Menschenkette-am-13-Februar-3361793002 [zurück]
  4. http://jungle-world.com/artikel/2014/08/49364.html [zurück]