Tag-Archiv für 'diskussionen'

Frauen*kampftag 2015

Für alle, die zum Frauen*kampftag raus auf die Straße möchten: in Berlin und Leipzig werden am 08.03. zwei große Demos organisiert!
Frauen*kampftag Berlin
Frauen*kampftag Leipzig

In Dresden wird es eine Diskussionsrunde zu weltweiten Frauen*kämpfen geben.
women* struggles worldwide
15h/3pm Oschatzerstr. 27
Kurdisches Kulturzentrum/ Kurdish Cultural Center
Dresden

++ Aktionstage gegen Sexismus und Homophobie ++ Abtreibungsrechte und Bible Belt ++ Homophobe Eltern ++ cafém – feminismus zum kennen_lernen ++

Diese Woche gibt es zum einen die Fortsetzung der Aktionstage gegen Sexismus und Homophobie. Welche Veranstaltungen in dem Rahmen statfinden könnt ihr hier einsehen.

Insbesondere möchten wir diese drei Veranstaltungen hervorheben:

13.11.2014
Film und Input: Der Kampf um den weiblichen Körper
20 Uhr AZ Conni
mit einem Input von Pro Choice Dresden

Vielen Menschen erscheint das Recht auf Schwangerschaftsabbruch in Deutschland selbstverständlich, die Kämpfe um den §218 längst von der zweiten Frauenbewegung in den 70ern ausgefochten und gewonnen.
Doch christlich-fundamentalistische Abtreibungsgegner_innen und Versuche, die Möglichkeiten selbstbestimmter Familienplanung einzuschränken, sind kein Problem der USA oder von Drittweltländern, auch in Deutschland gibt es seit einigen Jahren wieder vermehrt Kampagnen gegen die Selbstbestimmung von Schwangeren Menschen.

Neben einem Film über die Kämpfe um das Recht auf Schwangerschaftsabbruch in den 70ern wird Pro Choice Dresden über Märsche von christlich-fundamentalistischen Abtreibungsgegner_innen in Deutschland und Sachsen sowie die Proteste dagegen berichten, danach kann gemeinsam diskutiert werden.

15.11.2014
An diesem Tag möchten „besorgte“, homophobe Eltern gegen „Frühsexualisierung der Kinder an Grundschulen“ demonstrieren. Mit dabei Jürgen Elsässer.

Hier ein Link zu bereits bestehenden Gegenveranstaltungen:

16.11.2014
cafém – feminismus zum kennen_lernen
14 – 20 Uhr, kosmotique Dresden
16.30 Uhr Lesung

Ein Jahr und ein Monat cafém.
Dieses Mal gibt es wieder den bereits bekannten Brunch, Stencil, Spiele, Platz für Diskussionen und Treffen sowie eine Lesung.

Lesungsbeginn 16.30Uhr

Bereits im Mai kam Stefanie Lahya Aukongo zu uns stellte sich sowie Audre Lorde und May Ayim durch Kurzbiographien und Gedichten vor. Nun wird sie aus ihrer Autobiographie „Kalungas Kind“ lesen.

„Eine große Geschichte über Liebe, Mut und Tapferkeit 1978, Ostberlin: Ein kleines Mädchen kommt zur Welt – schwer verletzt. Ihre 17-jährige Mutter wurde in den Bürgerkriegswirren Namibias angeschossen und im Zuge einer staatlichen „Solidaritätsaktion“ in die DDR ausgeflogen. Eine Berliner Familie nimmt das behinderte Kind in ihre Obhut und pflegt es liebevoll. Nach einem Jahr endet die staatliche Solidarität. Stefanie muss zusammen mit ihrer Mutter zurück nach Afrika, wo nach wie vor der Bürgerkrieg tobt. Ihre Pflegefamilie weiß: Stefanie hat dort keine Überlebenschance. Die Familie wagt das Undenkbare – sie lehnt sich gegen den Staatsapparat auf. Es ist ein aussichtslos erscheinender Kampf, aber am Ende gelingt er. Doch als die kleine Stefanie wieder in Deutschland eintrifft, ist der Schock groß: Die Kleine ist dem Tod näher als dem Leben … Stefanie wächst in der DDR behütet heran. Nach dem Mauerfall reist der Teenager Stefanie in das nunmehr befriedete Namibia, um seine Mutter wiederzusehen. Es wird der Besuch in einer komplett fremden Welt. Bei einer Mutter, die nichts weniger braucht als eine behinderte Tochter. Doch die „kleine Deutsche“ lernt auch ihre Großmutter kennen, die ihr zeigt, wie sie sich mit ihrem Schicksal aussöhnen kann: „Du bist Kalungas Kind. Du weißt es nur nicht. Aber du wirst es herausfinden.“ Zurück in Berlin beginnt Stefanie ihren nächsten Kampf: Obwohl sie in mehrfacher Hinsicht nicht dem entspricht, was als „normal“ gilt, stellt sich das intelligente Mädchen allen Vorurteilen und lernt, sich zu behaupten.“

Über die Autorin:
Stefanie-Lahya Aukongo ist eine Autorin, Poetin, Fotografin, Aktivistin und Sängerin. Zu viel für ein kurzes Leben. Ganz klar: nein. Sie arbeitet als Freiberuflerin in den Bereichen NGO-Beratung und interkulturelle Kompetenz. 2009 erschien ihr autobiografisches Buch: Kalungas Kind, erschienen im Rowohlt Verlag. Sie engagiert sich für den Panafrikanismus, in dem sie schreibt, fotografiert, singt und diskutiert über das, was sie bewegt, empört und inspiriert. Während ihrer Afrikareisen hat sie sich dem afrikanischen Leben angenommen, lernte ihre leiblichen Eltern kennen und folgte ihren Spuren als Owambo.

Internationale anarchafeministische Konferenz in London

[English]

- einige von uns und Freund_innen fahren hin.

Wir sind sehr gespannt, was uns erwartet. Gerade auch, da sich im Internet nicht so viel herausfinden lässt.
Als wir die Themenblöcke sahen, hatten wir den Eindruck, dass einiges fehlte, das wir für grundlegend halten. Daraus entstand die Idee, dort noch eine Veranstaltung anzubieten. Uns wurde von den Organisator_innen kurzfristig noch extra Platz im Zeitplan verschafft für etwas, das nicht sehr bescheiden „gender and capitalism“ heißt. Wir werden in zwei Stunden versuchen, Geschlecht heute, also in der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft, ansatzweise zu verstehen. Was ist das überhaupt, wie hängt es mit ökonomischen, wie mit kulturellen oder anderen ideologischen Entwicklungen zusammen? Vielleicht kommen wir auch noch dahin: Was folgt daraus für feministische Praxen? Wir werden einen kurzen Input ‘aus deutscher Sicht’ geben und dann in die Diskussion übergehen.
Vielleicht geraten wir so in den Verdacht, ‘böse Marxist_innen’ oder Kommunist_innen zu sein, von denen sich Anarchist_innen (nicht nur in Deutschland) ja oft vehement abgrenzen. Aber wir werden sehen.
Schon allein das mit den Worten wird schwierig.. das geht bereits los, wenn man zentrale Begriffe wie ‚Herrschaft(sverhältnis)‘ ins Englische übertragen will: nein, es ist weder „power“ noch „domination“. ‚Geschlecht‘ gibt’s im Deutschen nur einmal, im Englischen hat man direkt die Problematik von „sex“ und „gender“. Oder – welche Diskussionen wohl in unterschiedlichen Ländern oder Sprachen um’s ‚Patriarchat‘ geführt werden?
Naja. Hinterher gibt’s einen Bericht.

fff

cafém – feminismus zum kennen_lernen

Am 26.10.14 findet das nächste cafém statt.
Von 14 – 20Uhr gibt es die Möglichkeit die kosmoqtique selbst zu gestalten.
Plena, Lesekreise, Musik, Spiele spielen, diskutieren, essen, trinken..

Um 17Uhr wird es dann den monatlichen Input in Form eines Films geben.
Wir schauen gemeinsam „Laurence Anyways“

September 1989: Laurence Alia arbeitet als Lehrer für Literatur und lebt seit zwei Jahren in einer festen Beziehung mit Frédérique Belair, genannt Fred. Fred arbeitet beim Film, Laurence wiederum schreibt neben seiner Arbeit Gedichte und Kurzgeschichten und wurde gerade mit einem kleineren Literaturpreis ausgezeichnet. Einen Monat später ist Laurences 35. Geburtstag. Fred schenkt ihm einen Kurztrip nach New York City und redet im Auto betrunken auf ihn ein, bis er sie anschreit, dass sie schweigen solle und er sterben werde, wenn „[er] es nicht ausspreche“. Er eröffnet ihr, dass er im falschen Körper lebe und nun beschlossen habe, endlich als Frau zu leben. Für Fred bricht eine Welt zusammen. Fragend tastet sie sich heran – ob sie, Laurence, sich in den letzten Monaten jemals als Frau gekleidet habe, ob sie ihre Unterwäsche angezogen habe, ob sie homosexuell sei. Später weint sie sich bei ihrer Mutter und ihrer Schwester Stef aus. Beide raten ihr, Laurence zu verlassen. Diese wiederum sucht im November ihre Eltern auf. Das Verhältnis zum Vater ist schwer gestört, die Mutter hat sie nie als Sohn angesehen. Sie eröffnet ihrer Mutter, dass sie als Frau leben wird, doch ihre Mutter reagiert nicht überrascht. Sie meint, sie solle ihre Probleme selbst klären. Fred wiederum entscheidet sich gegen den Rat ihrer Familie: Sie will die schwierige Zeit mit Laurence zusammen durchstehen…

Block Fundis! Solidarität mit feministischem Protest gegen den christlich-fundamentalistischen “Marsch für das Leben” in Berlin

Hier kommt der Audiomitschnitt von der Infoveranstaltung gegen den “Marsch für das Leben” am 20.09. in Berlin, die am 10.09. im AZ Conni stattfand. Zu Gast war ein*e Vertreter*ìn des Berliner Bündnisses „What the fuck!“, die über Hintergründe und die geplanten Proteste berichtete. Leider fehlen im Mitschnitt die ersten paar Minuten, weshalb das Fehlende hier kurz wiedergegeben wird:

Gleich zu Beginn wurde auf Folgendes hingewiesen: Nicht alle Menschen, die sich als Frauen* definieren, können Kinder kriegen und nicht alle Menschen, die Kinder kriegen können, definieren sich als Frauen*. Deshalb spreche sie von “schwangeren Personen” oder flit* (Frauen_Lesben_Inter*_Trans*).
Dann begann der Vortrag mit einem kurzen Abriss der Geschichte des § 218 StGB, der inzwischen seit Jahrzehnten Gegenstand feministischer Kritik ist. 1871 v.a. zur Steigerung des Bevölkerungswachstums eingeführt, stand auf Abtreibung Zuchthaus bzw. unter ‘mildernden Umständen’ eine Gefängnisstrafe. In den 1960ern und 70ern gab es in der BRD eine Bewegung zur Liberalisierung – die zentrale Parole war “Mein Bauch gehört mir”. In der Zeitschrift “Stern” bekannten sich im Jahr 1971 unter dem Titel “Wir haben abgetrieben!” 374 Frauen, darunter auch Prominente, öffentlich zu einer Abtreibung. Im Laufe der Jahre gab es, auch aufgrund feministischer Kämpfe, verschiedene Gesetzesänderungen (zu beachten: Unterschiede BRD/DDR), von denen im Vortrag einige ausgeführt wurden, die ihr aber an anderer Stelle ausführlicher findet, wenn euch das interessiert. Dass dieser Paragraph auch heute im deutschen Strafgesetzbuch steht, macht klar: Abtreibung ist in Deutschland immer noch grundsätzlich eine Straftat. Unter bestimmten, im StGB aufgeführten Bedingungen wird allerdings von einer Bestrafung abgesehen. Das sind:
- Schwangerschaftsabbruch in den ersten 12 Wochen nach Befruchtung (rechtswidrig, aber straffrei), mit Pfilchtberatung und Wartezeit (‘Fristenregelung’)
- Gefahr für körperliche oder psychische Gesundheit der Schwangeren
- Diagnose einer schwerwiegenden Behinderung des werdenden Kindes
- drohende soziale Notlage
- Schwangerschaft aufgrund einer Vergewaltigung oder sexuellen Missbrauchs
Ärzt_innen, die Schwangerschaftsabbrüche abseits dieser ‘Indikationen’ durchführen, werden mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren, in schweren Fällen bis zu fünf Jahren oder Geldbuße bestraft; Frauen, die selbst abtreiben, mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldbuße.
Nun ging es um Probleme in der Beratungs-Praxis. Es gibt einen Zwang, sich vor einem Schwangerschaftsabbruch beraten zu lassen – und das impliziert, dass…Audiomitschnitt setzt ein..

Zu den Protesten gegen den “Marsch für das Leben” in Berlin: Wer mit anderen gemeinsam hinfahren möchte, möge sich bitte am kommenden Samstag (mit oder ohne Auto) 8:45 Uhr am Bahnhof Neustadt/Schlesischer Platz (bei der Europcar-Auffahrt) einfinden – 9 Uhr ist Abfahrt. Wenn ihr noch Fragen habt, fragt :) Bis dahin!

Geschlecht und Kapitalismus – eine Lovestory..

Im Rahmen der „Start ins Wochenende“ – Veranstaltung im AZ Conni findet am 24.09.14 folgender Vortrag statt:

Wie in jeder guten Te­le­no­ve­la ist auch die Be­zie­hung zwi­schen pa­tri­ar­cha­len Struk­tu­ren und bür­ger­li­cher Wirt­schafts­wei­se eine fa­cet­ten­rei­che und durch­aus wech­sel­haf­te Ge­schich­te. Trotz ihres gro­ßen Al­ters­un­ter­schie­des ar­ran­gier­ten sie sich mit­ein­an­der, teil­ten Ar­beit und Haus­halt, wuch­sen an­ein­an­der – und ge­ra­de auch an ihren Dif­fe­ren­zen.
Wir wer­den ei­ni­ge Epi­so­den an­schau­en und einen Blick auf ihren ak­tu­el­len Be­zie­hungs­sta­tus wer­fen. Mut­ma­ßen wir doch zu­sam­men: Wie geht es mit den bei­den wei­ter? Wer­den fe­mi­nis­ti­sche Be­we­gun­gen sie ent­zwei­en oder meis­tern sie zu­sam­men jede Krise? Gehen sie ihren ge­mein­sa­men Weg, bis dass der Tod sie schei­det oder ist es doch ein­fach eine vor­über­ge­hen­de Af­fä­re? Lasst uns die Story ein wenig wei­ter­spin­nen: Wie sähe ein Happy End aus – und in­wie­fern haben wir über­haupt Ein­fluss auf das Script?

Wann: 24.09. // 19Uhr
Wo: AZ Conni (Rudolf – Leohnard – Str. 39)
@FB

Audiomitschnitt: Kritische Theorie und Rassismus

Der Rassismusbegriff scheint, nicht zuletzt aufgrund seines inflationären Gebrauchs, zunehmend an Erklärungskraft einzubüßen. Unter dem Label „Rassismus“ firmieren die verschiedensten Assoziationen, welche alles andere als eine klare Übereinstimmung der Erkenntnis mit ihrem Gegenstand darbieten. Ist Rassismus eine Erscheinungsform von Fremdenfeindlichkeit – oder umgekehrt? Im Vortrag soll versucht werden, eine differenzierte Reflexion auf den Begriff – gerade in Abgrenzung zu unzureichenden Erklärungsversuchen – zu forcieren.

Der Mitschnitt ist hier zu finden.

Gutes Leben ohne Sorgen! (Diskussionsanregungen zur Care Revolution)

Rückblick auf die Veranstaltung am 16.01. in der EHS

Vom 14.-16. März 2014 findet in Berlin die „Aktionskonferenz Care Revolution. Her mit dem guten Leben – für alle weltweit!“ statt.
Vor vier Wochen, am 16.01., gab es an der EHS Dresden (Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit) eine Infoveranstaltung dazu. Jeweils kurze Inputs brachten eine Vertreterin des AK Reproduktion bzw. der Konferenz und Vertreter_innen von uns sowie vom Allgemeinen Syndikat Dresden/FAU Dresden. Danach gab es eine Diskussion, in der weniger diskutiert als vielmehr diverse Themen auf den Tisch gebracht und Standpunkte in den Raum geworfen wurden. Aber immerhin – schließlich gab es eine derartige Veranstaltung in Dresden noch nicht. Vielleicht war dies ein Auftakt für das so notwendige kontinuierliche ‚Dranbleiben‘ am Thema.
Die Veranstaltung wurde zum Nachhören aufgenommen. Denkwürdig ist’s, wie Getrommel und Gejubel mutmaßlicher EHS-Studierender von der gleichzeitig dort stattfindenden ‚Medienkunstnacht‘ hinaufdringen und das Verstehen erschweren ;-) Viel Spaß damit: Audiomitschnitt

Unser Input während der Infoveranstaltung ging zunächst kurz um die Frage, warum sich Feminist_innen eigentlich mit Sorgetätigkeiten beschäftigen. Also: Wie hängen Care-Tätigkeiten und deren gesellschaftliche Abwertung mit Geschlecht zusammen? Dieser konstitutive Zusammenhang fehlte uns im Aufruftext, der die Frage, warum man eigentlich weniger Geld bekommt, offenlässt. Danach nannten wir einige Punkte, die uns einerseits oft bei Protesten zum Thema, andererseits bei der Konferenz zu kurz kommen oder problematisch scheinen. Diese kommen hiermit nochmal schriftlich und etwas ausformulierter, um damit Diskussionen auf der Konferenz bzw. um sie herum anzuregen.

Probleme und Diskussionsfragen

Immer wieder mal gibt es Proteste im bezahlten Sozial- oder Pflegebereich, bei denen einige Ansätze, Aussagen oder Schild-Aufschriften echt problematisch sind. Da gibt es Demos gegen Sozialabbau („Wir sind mehr wert!“) oder gegen Krankenhausprivatisierungen, „Pflege am Boden“-Flashmobs etc.
Die Konferenz reiht sich in diese insofern mit ein, dass sie solche Proteste vernetzen und bündeln will. ‚Anders‘ ist an der Konferenz, dass im Programm Geschlecht thematisiert wird, was bei Protesten zum Thema oft nicht ‚auf dem Schirm‘ ist – da besteht noch Interventionsbedarf. Außerdem stellt der Konferenzaufruf klar, dass es im Kapitalismus eben nicht um menschliche Bedürfnisse geht (man sich darüber also nicht zu wundern braucht) und deshalb eine grundlegende Veränderung stattfinden muss. Aus diesen und anderen Gründen unterstützen wir den Konferenzaufruf, auch wenn uns einiges fehlt, zu kurz kommt oder ähnlich problematisch gesagt wird wie in o.g. Beispielen.

Zuweilen werden einige Tätigkeiten als besonders ‚menschliche‘ moralisch geadelt. Als wenn sie irgendwie mehr als andere den menschlichen Bedürfnissen dienen würden. Aber Hegen und Pflegen und Sorgen und Kümmern sollten nicht glorifiziert werden.

Kein Bereich innerhalb des Kapitalismus dient menschlichen Bedürfnissen. Bedürfnisse werden zwar befriedigt, aber dies ist eher Nebenprodukt – darum geht es nicht. Das ist auch bei Sozialarbeit o.ä. nicht anders. Ob die engagiert arbeitenden Individuen das so wollen oder nicht. Die Tätigkeit der Pflegerin hat mit der der Bankangestellten ihre Lohnarbeitsförmigkeit gemeinsam, wenn sich auch vermutlich der Lohn unterscheidet. Aber inwiefern geht es im Pflege- oder Bildungssektor mehr um menschliche Bedürfnisse als im Immobilien- oder Aktiengeschäft? Wer sagt eigentlich, welches wirklich echt menschliche Bedürfnisse sind? Gepflegt werden und zur Schule gehen schon, einkaufen oder Auto fahren nicht? Alle Bedürfnisse sind gesellschaftlich vermittelt; es ist unmöglich, unmittelbar ‚menschliche‘ zu finden. Die Tischlerin und Designerin macht Öko-Möbel für glückliche Menschen, der Politiker im Bundestag kümmert sich um Menschen, die Versicherungsberaterin kümmert sich um Menschen, sie alle sind ganz menschlich und besorgt. Unterschiede bestehen bei diesen Berufen, die alle „was mit Menschen“ machen, sicher im Grad der gesellschaftlichen Vermittlung. Aber auch in Berufs- und Selbstbildern der dort jeweils Tätigen.

Gerade der Berufsethos im Sozialbereich „Ich helfe aufopferungsvoll (ggf.: und liebe es), das macht mich zur Heldin“ ist ideologische Verschleierung, die an Erkenntnis, Problembewusstsein und schließlich Arbeitskämpfen hindert. Es ist also fraglich, ob es eine gute Strategie ist, politisch genau auf dieses (Selbst-)Bild zu setzen, um Verbesserungen der Bedingungen einzuklagen.

Die Schwierigkeit, in diesem Sektor zu streiken, wenn es nicht auf die Kosten von z.B. pflegebedürftigen Menschen gehen soll, liegt klar zutage. Also: Was können Druckmittel von ‚Care‘-Protesten sein? Um überhaupt an diesen Punkt zu kommen, muss klar gesagt werden, dass es sich hierbei nicht um nette menschliche Gesten, sondern um Lohnarbeit handelt, die immer Ausbeutung ist. Das kann man sagen, auch wenn man ‚das eigentlich gern macht‘ usw. Das ist ja gerade das Absurde: Hier können besonders gut Löhne gedrückt werden, weil es wirklich unmenschlich wäre, diesen Menschen nicht zu pflegen. Aber es so zu tun, ist noch lange nicht ‚menschlich‘. Denn die Formen der Tätigkeiten im Kapitalismus verhindern, dass man sie wirklich gut machen kann.

Das betrifft nicht nur die Lohnarbeitsform, sondern auch die häuslichen, familiären, unbezahlten Tätigkeiten, die zumeist Frauen* überlassen bleiben – ob diese nun zusätzlich lohnarbeiten oder nicht. Diese Tätigkeiten sind auch nicht reiner oder echter oder menschlicher oder vom ‚bösen Außen‘ verschont. Das Private ist heute (im schlechten Sinne) politisch, nämlich gesellschaftlich durchdrungen. Es ist nicht ‚verschont‘, sondern ausgeschlossen, beschränkt und unsichtbar.

Beide Bereiche gehören, in ihrer Abhängigkeit voneinander, gemeinsam überwunden.
Es ginge um die allgemeine Befreiung von Mühsal und Plackerei.

Wir können nur erahnen, wie Tätigkeiten in einer befreiten Gesellschaft aussehen würden, die menschlichen Bedürfnissen dienten – welche auch immer das dann wären. Vielleicht müssten viele Arbeiten nicht mehr unter solch unzumutbaren Bedingungen oder gar nicht mehr gemacht werden. Vielleicht würden neue Tätigkeitsbereiche entstehen. Klar ist nur: Sie wären weder lohnarbeitsförmig organisiert noch der Privatsphäre oder einer gesellschaftlich abgewerteten Gruppe zugewiesen.

Wenn es also um die Überwindung von Lohnarbeit und ihrer Care-Seite inklusive häuslicher Sphäre geht, was bringt dann die spezielle Aufwertung bestimmter Tätigkeiten?
Inwiefern derartige Forderungen realpolitisch sinnvoll sein können, ist zu diskutieren. Jedoch muss darüber hinausgeblickt werden, soll die Realpolitik nicht richtungslos bleiben oder in eine falsche Richtung laufen.
Protestierende mit Slogans wie „Wir sind mehr wert“ können nicht sehen, dass sie im Kapitalismus eben nicht „mehr wert“ sind (auch nicht nach ausführlicher Wert-Schätzung). Erst recht nicht, dass Wert und Mehrwert eigentlich ihr Problem sind. Und: Mit Aussagen wie „Gutes Leben braucht Sorge“ (Titel der Veranstaltung in der EHS) wird ein „Gutes Leben ohne Sorgen“ undenkbar.
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Eine weitere Frage, die doch wichtig wäre zu klären: Wie verhält sich die heutige Forderung nach Aufwertung von Sorgetätigkeiten zu der propagandistischen Aufwertung von ‚einfacher Arbeit‘ und ‚Mutterschaft‘ im NS? Auch wenn man am Ende zu der Antwort gelangt, dass das doch absolut nichts miteinander zu tun hat: Die Frage sollte man sich stellen. Und dann dafür sorgen, dass es nichts damit zu tun hat.

Im Nationalsozialismus waren Frauen* insofern den Männern* gleichgestellt, als dass sie sich gegen den gemeinsamen ‚Feind‘, die Juden_Jüdinnen zusammenschlossen. Sie waren nicht bloße ‚Gebärmaschinen‘. Ihre Mutterschaft wurde hochgelobt, ihre Tätigkeiten im Haushalt oder bei der Erziehung der Kinder immer mehr anerkannt. Das 1938 von Hitler gestiftete Mutterkreuz unterstreicht die Bemühungen der NSDAP, diese „Frauenaufgabe“ aufzuwerten. Im eigenem Heim wurde selbstbewusst „in kleinstem Rahmen der Kampf gegen den inneren Feind, den undeutschen Geist, ausgetragen“ (Frauenführerin Irene Seydel, zit. nach L. Radonic).

Weibliche Erwerbsarbeit nahm ab 1933 stetig zu. Einerseits aufgrund des Ausfalls männlicher Soldaten als Arbeitskraft, aber auch durch Professionalisierung vorheriger Hausarbeit. Die Anerkennung lief darüber, dass ja jedes Glied der ‚arischen Volksgemeinschaft‘ wichtige Arbeit für deren Weiterbestand und Optimierung leiste. (Artikel dazu: Radonic und Walterspiel)

Damit im Hinterkopf ist es interessant, sich Argumentationen von z.B. Gewerkschaften oder Protestaufrufen heute anzugucken..
Die letzte großangelegte Kampagne zur Aufwertung einer Berufsgruppe waren wohl die vor Nationalstolz strotzenden Plakate von „Das Handwerk“. „Ich bin nicht nur Handwerker. Ich bin der Motor, der Deutschland antreibt.“
Hoffentlich schreiben sich das nicht bald irgendwelche Mütter auf die Fahnen. Denkbar wäre auch: „Ich bin keine Hausfrau. Ich bin das Notstromaggregat, das die Produktion am Laufen hält.“ Oder „Ich bin kein Altenpfleger. Ich pflege deutsche Tradition.“
Hoffentlich bleibt uns das erspart. 1

Die Frage wird sein, ob etwas eingefordert wird und was, von wem und mit welcher Begründung. Wenn man z.B. von einer staatlichen Institution irgendwas fordert (mehr Geld oder so) und dann anfängt, seinen Anspruch darauf zu rechtfertigen, muss man sich auf etwas berufen, das allgemein wichtig gefunden wird. Wir leisten was für die deutsche Wirtschaft.2
Der absurde Versuch müsste sein, sich von derartigem Populismus abzugrenzen, ohne komplett unbeachtet zu bleiben.

Die Organisator_innen der Konferenz scheinen jedenfalls mögliche problematische Lesarten oder Abwandlungen ihrer Kritik bzw. ihrer Forderungen nicht zu befürchten. Auch nicht in Richtung einer personalisierten Kapitalismus‘kritik‘ – was angesichts der Bandbreite der beteiligten Gruppen nicht abwegig ist. Naja, Revolutionen schlagen einfach nicht fehl.
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Eine ganz wichtige Frage, die lediglich in einem angekündigten Workshop 3 kurz gestellt wird, ist:
Welche Rolle nehmen wir mit Kritik an Zuständen und dem Bestreben nach einer anderen Organisation von Sorgearbeiten ein?
Krisen erfüllen im Kapitalismus zwar die Funktion eines ‚heilsamen Gewitters‘, aber wenn zu viele Leute durchs soziale Netz fallen, laufen Produzieren und Konsumieren auch nicht mehr so gut.4
Der Kapitalismus ist darauf angewiesen, Arbeit ständig neu zu organisieren, Arbeitsteilung zu optimieren usw.. Angewiesen auch auf unsere Kreativität ‚von unten, wie jetzt mit den existierenden Problemen umgegangen werden kann. Man kann das als Chance sehen, was aber eine Tendenz zur Beschönigung von Elend hat.

Tragen unsere Überlegungen und pragmatische Verbesserungsvorschläge also einfach nur zur Optimierung des Kapitalismus bei, zum Abfedern von Symptomen? Dass sie dazu beitragen, ist klar – und auch wichtig, weil irgendwer die Verrohung in Grenzen halten muss. Aber die Frage ist: bleibt es dabei?
Wie können wir mehr machen als nur zu reproduzieren – oder weniger? Wie überschreiten wir dieses einzelne Verschieben, das gesellschaftliche Verhältnisse unangetastet lässt?

Vielleicht ist ein Ansatz, mehr zu sein als das: sich mit eben dieser Rolle auseinanderzusetzen, sie zu reflektieren, sie (auch öffentlich) abzulehnen und diese Ablehnung als Ausgangspunkt zu nehmen.
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Wir finden wichtig, dass diese Punkte/Fragen diskutiert werden. Ob das auf der Konferenz passiert (wenn sie es auch nicht unbedingt herausfordert), hängt an allen Anwesenden. Ansonsten gibt es ja noch viele andere Orte – zu Hause, am Arbeitsplatz, in der Politgruppe oder ganz woanders.

So, Aufbruchstimmung vermiest?

  1. „Ich baue keine Stadien. Ich gebe 80.000 Menschen ein Zuhause.“ oder „Ich repariere keine Motoren. Ich lasse Herzen wieder schlagen.“ zeigen wieder mal, dass das mit der Rede von ‚menschlichen‘ Bedürfnissen ’ne schwierige Angelegenheit ist. [zurück]
  2. Aber: Im Sozialbereich geht es bei Förderanträgen allerdings meist um „Europa“ oder „benachteiligte Gruppen“ – entkräftet das die Argumentation? [zurück]
  3. „B1. Funktionialisierung von Moral“: „(…)Auf einmal lastet gesellschaftliche Verantwortung auf uns, auf den einzelnen Personen und wir sollen ausbügeln, was strukturell nicht funktioniert und wo politische Entscheidungen die Bedingungen verschlechtern.(…)“ http://care-revolution.site36.net/ablauf/workshops/#b1 [zurück]
  4. Wie viele Leute das sind, und wie viele als ‚Überflüssige‘ gelten, auf deren Reproduktion das Kapital nicht mehr angewiesen ist, hängt auch von sozialen Kämpfen ab. Wenn immer mehr ‚überflüssig‘ sind – woran können oder wollen wir dann überhaupt noch appellieren? [zurück]

cafém – feminismus zum kennen_lernen #7

audre lorde

[English]

Im März-cafém werden wir weiterhin Schwarzen Feminismus und Schwarze feministische Bewegung_en in Deutschland thematisieren.

Wie immer wird es vorne im Barbereich Brunch, Spielecke, Bücherstand, Zines dazu Tee und Kaffee geben. Im hinteren Bereich gibt es in verschiedenen Ecken Möglichkeiten sich auf unterschiedliche Art und Weise mit ausgewählten Texten, Gedichten und Audiobeiträgen zur Thematik zu beschäftigen.

Um 17 Uhr wollen wir gemeinsam den Film „Audre Lorde – Die Berliner Jahre 1984 bis 1992“ sehen. Der Dokumentarfilm vermittelt Audre Lordes Beiträge zu dem deutschen Diskurs über Rassismus, Xenophobie, Antisemitismus, Klassenunterdrückung, und Homophobie. Er legt einen Schwerpunkt auf Audre Lordes Beziehung zur deutschen Schwarzen Diaspora und auf ihren literarischen und politischen Einfluss. Es werden die Entstehung einer afro-deutschen Bewegung und die Ursprünge der antirassistischen Bewegung vor und nach der deutschen Wiedervereinigung beleuchtet. Die Anfänge der politischen Debatten werden festgehalten und ermöglichen so eine historische Analyse und ein Verstehen gegenwärtiger Debatten zum Thema Identität und Rassismus in Deutschland.

Wo? Im kosmotique, Martin-Luther-Str. 13, DD
Wann? Am Sonntag den 16.03.14 von 14-20 Uhr
Genaue Zeiten:
14 – 17 Uhr Lesen&Diskutieren von Texten und hören der Audiobeiträge
17 Uhr Film mehr Infos