Tag-Archiv für 'feminism'

Neue Homepage

Wir haben uns endlich eine eigene Domain zugelegt und ziehen nun virtuell um. Ab jetzt werden alle Neuigkeiten auf dieser Seite zu finden sein. Dieser Blog wird weiterhin als Archiv für alles dienen, was vor dem Start der neuen Seite stattgefunden hat.

Falls ihr uns auf euren Websiten, Blogs, Plakaten etc. verlinkt habt würden wir uns freuen, wenn ihr den Link entsprechend aktualisiert.

Feminism!

Gegen den Schweigemarsch der „CDL“ in Annaberg-Buchholz.

Refugee Frauen* Treffen

[English and Tigrinya]

Liebe Refugee Frauen*,
liebe Unterstützerinnen,

Seid eingeladen!
Seit ein paar Wochen treffen wir uns, essen Kuchen, tanzen, tauschen uns aus und lernen uns kennen.

Wir möchten euch, den Geflüchteten, einen Ort zur Verfügung stellen an dem ihr reden und euch selbst organisieren könnt.
Wir möchten wissen was ihr braucht.
Wir möchten euch unterstützen.

Wir treffen uns jeden zweiten Mittwoch um 18 Uhr in der kosmotique, Martin-Luther-Straße 13.
(Tram 11,6, 13. Haltestelle “Bautzener – Rotenburger Straße”)

Wir sprechen Englisch, Spanisch, Portugiesisch, Hebräisch, Französisch und Deutsch. Manchmal sind Frauen da, die Tigrinya und Arabisch übersetzen können.
Wenn mal keine gemeinsame Sprache gefunden werden sollte, haben wir immer noch Hände und Füße.

Ladet eure Freundinnen ein. Bringt eure Kinder mit wenn ihr möchtet.

Sächsischer SPD Frauenpreis 2015

Wer hätte das gedacht, dass die Linke (Clara Zetkin Preis) uns nicht mal nominiert, aber die sächsische SPD uns den dritten Platz ihres 18. Frauenpreises überlässt.

Am Montag den 16.03.15 haben wir, im Rahmen eines kleinen Festakts (mit sexistischer, musikalischer Untermalung – liebe SPD das geht doch besser), 200€, ein gläsernes Wurfgeschoss, einen Blumenstrauß und eine Urkunde überreicht bekommen. Das Wurfgeschoss wird monatlich beim cafém ausgestellt werden – falls wer interesse hat es einmal selbst in die Hand zu nehmen.

Natürlich haben wir uns es nicht nehmen lassen uns zu freuen und zu kritisieren. Hier ein Zusammenfassungsversuch des von uns Gesagtem, bzw. dem was wir sagen wollten:

“Vielen Dank. Vielen Dank auch an die ASF-Frauen die unsere Bewerbung unterstützt haben. Wir freuen uns darüber und wir freuen uns das sie nun auch begonnen haben sich kritisch mit dem Trümmerfrauenmythos auseinanderzusetzen. Noch mehr würden wir uns freuen wenn die sächsische SPD sich kritisch(er) mit ihrem Koalitionspartner, der CDU, auseinandersetzen würde und ebenso kritisch wie aktiv gegen die derzeitige Asylpolitik Sachsens vorgehen würde.
Um mit etwas Aktivistischen zu schliessen und weil wir gehört haben das mindesten eine Person aus dem Erzgebirge im Raum ist, möchten wir hier dazu aufrufen gemeinsam mit uns, am 01.06.2015 dem “Schweigemarsch für das Leben”, ausgerichtet von christlich fundamentalistischen Kräften, in Annaberg-Buchholz entschlossen entgegenzutreten und eben diesen Marsch zu einem Desaster zu machen.“

Raise your voice! Your body, Your choice – Feministische Inhalte auf die Straße tragen!

All-Gender-Demo in Münster mit FLTI-Block
Demo am 21. März in Münster. 11 Uhr Windthorststraße (gegenüber Hauptbahnhof)

1000-Kreuze – Nicht schon wieder!

Auch im März 2015 werden wieder fundamentalistische Christ*innen1 mit weißen Holzkreuzen bewaffnet durch Münster ziehen, um betend, singend und schweigend ihre Verachtung gegenüber allem auszudrücken, was nicht ihren Normen entspricht. Der von „EuroProLife“ organisierte ‚Gebetszug‘ richtet sich in erster Linie gegen Schwangerschaftsabbrüche und damit gegen das Selbstbestimmungsrecht von schwangeren Personen. In der Kritik stehen aber unter anderem auch Verhütung, Sex vor der Ehe, Homosexualität und queere Geschlechtsidentitäten. Der Kampf um reproduktive Rechte dient als Kristallisationspunkt für eine umfassende konservative Kulturkritik an der Gesellschaft. Durch das Aufgreifen von Themen der Familienpolitik und Sexualmoral und das Schüren von Angst vor dem Aussterben des weißen2 ‚deutschen Volkes‘ werden außerdem konservative bis extrem rechte völkische Gesellschaftsbilder produziert und bedient. (mehr…)

Frauen*kämpfe Weltweit

Input;
Kämpfe in der kurdischen Freiheitsbewegung, im Iran und Brasilien.
Diskussion:
Einleitung von e*vibes

Ort: Kurdisches Kulturzentrum Dresden (Oschatzerstr. 27)
Zeit: 15.30
Datum: 08.03.2015

Refugee Frauen Treffen #2

[English, Francais, Tigrinya]

Liebe Refugee Frauen,

wir möchten euch am Mittwoch (28.01.2015) zu einem zweiten Treffen einladen und freuen uns weiterhin das so viele von euch am letzten Mittwoch gekommen sind.

Wir möchten euch treffen und kennenlernen
Wir möchten euch einen Ort zur Verfügung stellen an dem ihr reden und euch selbst organisieren könnt.
Wir möchten wissen was ihr braucht.
Wir wollen euch unterstützen.
Wir wollen gemeinsam Spaß haben.

Lasst uns am Mittwoch, am Albertplatz (Jorge – Gommondai – Platz), um 16Uhr treffen.
Gemeinsam gehen wir dann zu einem anderen Ort.

Ihr könnt den Albertplatz mit der 3,4,6,7,8 und 11 erreichen.
Die Haltestelle heißt auch Albertplatz.

Wir sprechen nur Englisch, Französisch und Deutsch.
Kann eine Fraun von euch von in Tigrinya oder Arabisch übersetzen?
Sonst reden wir einfach mit unseren Händen :)

Ladet eure Freundinnen ein.

cafém – feminismus zum kennen_lernen

Das cafém startet mit einem Rap – Workshop ins neue Jahr:

Not normative but RAP mit Ro
(offen für alle / open to all gender)

Rap, Sprechgesang, Worte im Takt-
Bilder komm’ nach außen, in Sprache verpackt.
Finde den Flow und fließe im Beat,
lass dich überraschen von dem was geschieht!

Rap wird oft verknüpft mit patriarchaler Hip Hop-Tradition. Der männlich dominierte Rap-Musik-Kosmos ist aber nur 1 Ausprägung von dem was möglich ist. Leute*, ergreift das Mic, erhebt die Stimme & drückt aus was euch beschäftigt! Ob ernst oder humorvoll, direkt oder verschachtelt, energisch oder schüchtern: in diesem Workshop ist Platz für eure Ideen, aber kein Platz für Platzhirsche & Besserwisser*innen. Skillsharing, Handarbeit & konstruktives Feedback sollen die Praxis bestimmen,
während ihr an euren eigenen Texten schreibt. Wer braucht Normativität, wenn wir Phantasie haben?!

Mitbringen: Zettel & Stift
Sprache: deutsch, Englischübersetzung bei Bedarf.
Geübte & ungeübte Texter*innen & Musiker*innen willkommen.
In dem Workshop wird Wert auf respektvollen Umgang gelegt.

-> Und da es wieder eine begrenzte Teilnehmer_innenzahl gibt möchten bitte wir euch um eine „Anmeldenachricht“.

Workshop: 15 – 18Uhr
cafém: 14 – 20 Uhr

spoken word@cafém

Dieses cafém bieten nicht nur Altbekanntes, sondern auch einen Spoken Word Workshop:

„Wolltest du schon immer mal deine Geschichten, Liedtexte, Gedichte oder andere Wortsammlungen auf Papier bringen?

In diesem Spoken-Word-Workshop hast du genau dazu die Möglichkeit, mit Worten zu spielen und deine eigenen Geschichten zu finden. Anhand einer Vielzahl kreativer Methoden und Techniken wirst du zum Schreiben ermutigt und inspiriert. Auch wenn du noch nie etwas geschrieben hast – die Lust auf die Worte zählt.

Weil Spoken Word eine Verschmelzung von Poesie und Performance ist, wird es auch Raum geben, Performance-Methoden zu lernen um die Wirkung deiner Stücke nicht nur auf dem Papier, sondern auch auf der Bühne zu erleben. Wir werden mit Körper und Stimme arbeiten, mit Improvisation und Mikrophon, dabei geht es um’s ausprobieren und natürlich auch um’s Spaß haben.

Der Workshop vermittelt Einblicke in die Kunstform
des Spoken Word:

Spoken Word ist in schlichten Worten das „gesprochene Wort“. Es ist eine Verschmelzung von Poesie und Performance, von Schreiben und Vortragen. Es kann spontan, unakademisch, sofort und leicht zugänglich sein. In Deutschland ist Slam Poetry die bekannteste Form des Spoken- Word, aber es gibt in unserem Fall keinen Wettbewerb.“

Workshopleiterin: Katinka Kraft (www.katinkakraft.com)

Cafém: 14 – 20Uhr
Workshop: 15 – 19Uhr

Die Veranstaltung wird unterstützt von DOMINO – Jugend gestaltet.

* Bitte meldet euch im Vorfeld für den Workshop per Mail oder PM an. Es gibt nur eine begrenzte Anzahl an Teilnehmer_innenplätzen

Wir arbeiten nicht mit „Definitionsmacht“.

Ein Text der Interessiertengruppe e*space

Wir arbeiten nicht mit „Definitionsmacht“. 1

Dafür gibt es verschiedene Gründe, die wir im Folgenden kompakt darlegen wollen. Nachfragen beantworten wir gerne. Wir hoffen, dass uns auch Feminist_innen zuhören, die „Definitionsmacht“ vertreten. Leider wurden und werden auch ernstzunehmende Kritikpunkte oft als ‚antifeministisch‘ abgeschmettert. Vielleicht hilft uns das Label „feministische Gruppe“. Wir möchten nun allerdings nicht zig alte Argumente auflisten, sondern mit einem neuen Diskussionsbeitrag dazu beitragen, weiter zu kommen.

Allgemein ist festzustellen, dass schon seit Längerem eine problematische Ineinssetzung von „Definitionsmacht“ und jeglichen Ansätzen der Parteilichkeit mit und Unterstützung von Betroffenen von Diskriminierung und Gewalt stattgefunden hat. Einige von uns sind selbst über lange Zeit dieser Ineinssetzung erlegen: Wer was gegen DefMa hat, hat auch was gegen Empowerment von Frauen* oder feministische Praxis. Deshalb sind die Auseinandersetzungen so emotional aufgeladen. Das kommt nicht von ungefähr, weil es diese Leute ja auch zuhauf gibt, sowohl gesamtgesellschaftlich als auch in der Linken. Aber diese Leute können nicht gleichgesetzt werden mit allen, die eine bestimmte Herangehensweise kritisieren.
Lassen wir das doch endlich. Statt so weiterhin überfällige Diskussionen zu verweigern, wollen wir an dieser Stelle aufzeigen, in welche Richtung die Auseinandersetzung unseres Erachtens gehen müsste:

Die Diskussion wird dadurch erschwert, dass niemand weiß, wie „Definitionsmacht“ eigentlich zu definieren wäre, bzw. alle Interessierten sich eine eigene Definition zusammenzimmern. Was man aber beobachten kann, sind die Praxen, die bisher unter Bezugnahme auf den Ansatz umgesetzt wurden.

- Wenn Menschen von Veranstaltungen oder Camps fliegen, weil sie einen unterschiedlichen Wissens- und Erfahrungsschatz haben, Szenecodes nicht kennen oder Pfui-Wörter benutzen,
- Wenn Menschen (bundesweit) aus allen Szenenzusammenhängen ausgeschlossen werden,
- Wenn Menschen keine Möglichkeit haben, sich zu erklären,
- Wenn Menschen, die mit Aggressor_innen2 arbeiten, automatisch zu „Täterschützern“ werden,
- Wenn Menschen Angst haben, sich in Diskussionen einzubringen, weil sie einer hegemonialen Gruppe zugeordnet werden,
- Wenn Menschen persönliche Entwicklungspotentiale abgesprochen werden,
- Wenn Menschen mit Samthandschuhen gezwungen werden, sich hegemonialen Gegendiskursen anzugleichen,
- Wenn politische Differenzen auf dem Rücken von Betroffenen ausgetragen werden – oder gar nicht,

..dann fragen wir uns: Wie konnte das geschehen? Wir sind der Meinung: Wenn das alles aus „Definitionsmacht“ gemacht wurde bzw. gemacht werden konnte, dann lässt es sich nicht mit der Aussage retten, einige würden das eben eigenartig oder falsch umsetzen – sondern dann muss es irgendetwas mit dem Wesen des „Konzepts“ zu tun haben.

Um überhaupt über „Definitionsmacht“ und mit ihr verknüpfte Praxen diskutieren zu können, lautet unsere Arbeitsdefinition: „Definitionsmacht heißt, dass die Tat-Definition der Betroffenen allgemein anerkannt wird. Dies soll erreicht werden durch parteiliche Verbündete, die diese Definition vertreten. Es schließt nicht unbedingt die Macht über Konsequenzen bzw. Sanktionsmacht mit ein.“ In letzterem Punkt gibt es nämlich sehr unterschiedliche Ansichten. Nicht zu umgehen ist allerdings der erste Punkt: Es geht bei Definitionsmacht nicht nur um die Verteidigung der simplen – wenn auch häufig leider nicht selbstverständlichen – Tatsache, dass jede Person subjektiv wahrnimmt und empfindet. Niemand anders kann mir beispielsweise sagen, wie intensiv oder nicht ich etwas erlebt haben soll.

Bei „DefMa“ aber geht es (wie der Begriff verrät) um eine Definition, also eine allgemeine Bestimmung. Es geht darum, das subjektiv Besondere zum Allgemeinen zu machen. Wenn ich das Erlebte als XYZ begreife, dann WAR ES (objektiv) XYZ.

Der Kampf um Definitionen ergibt dort Sinn, wo der Ansatz entstanden ist – nämlich im juristischen Kontext und in Bezug auf sexualisierte Gewalt. Vor Gericht sind Definitionen von Taten wichtig, da an diese das jeweilige Strafmaß geknüpft ist. Zudem geht es dort um Beweise, die z.B. bei einer Vergewaltigung meist schwer zu erbringen sind – mal ganz abgesehen von dem Spießrutenlauf durch Polizeiverhöre u.ä. für Betroffene im Vorhinein. Bei Schuldzuschreibungen an (meist weibliche) Betroffene und ständigen Zweifeln an deren Glaubwürdigkeit war und ist ein solcher Ansatz wichtig. Die Macht, die Tat bspw. als Vergewaltigung zu definieren, muss hin zu den Betroffenen verschoben werden. Das muss nicht bedeuten, die Errungenschaften des hiesigen bürgerlichen Rechtssystems wie Verteidigungsrecht und Unschuldsvermutung auszuhebeln. Allerdings sind die Bedingungen für eine tatsächliche Gleichberechtigung nicht gegeben. Eventuellen Stigmatisierungen, Ohnmachtserfahrungen, Traumata und der schwierigen Beweisbarkeit u.a. in Fragen der Glaubwürdigkeit muss Rechnung getragen werden.
Der juristische Umgang mit von sexualisierter Gewalt Betroffenen ist weiterhin zu skandalisieren und anzugreifen. Die vergangenen Kämpfe in diesem Bereich waren genauso wichtig, wie auch die aktuellen darum, nicht einvernehmliche sexuelle Handlungen ahnden zu können, die vom Strafrecht bisher nicht abgedeckt sind.3

Will man aber, wie wir, selbst nicht auf einen Katalog von Sanktionen (wenn das, dann das) hinaus, so braucht man nicht unbedingt eine Definition. Eine allgemein akzeptierte Übereinkunft darüber, wie das Geschehene benannt wird, verliert an Relevanz gegenüber dem, was Betroffene brauchen, um wieder handlungsfähig zu werden und Selbstbestimmung (zurück) zu erlangen. Auch für den Umgang mit dem_der Aggressor_in ist nicht die Tatdefinition entscheidend, sondern vor allem dessen_deren Zugänglichkeit, wie auch die je individuellen Bedürfnisse, Wünsche, Wissensstände, Situationen und Forderungen im Kontext gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse.

Darüber hinaus können bestimmte, im Kontext von Definitionsmacht aufgekommene Praxen hinderlich sein für eine gute Unterstützungsarbeit. Beispielsweise sind sich Betroffene sowohl in ihrer Situationswahrnehmung als auch ihren Bedürfnissen häufig unsicher. Der Prozess einer – parteilichen – Auseinandersetzung hierüber hilft beim Sortieren und Aufarbeiten.4 Statt einer festen Definition der betroffenen Person braucht es folglich Unterstützer_innen, die mit einer „jazzy method“ im Sinne CARAs verschiedene Handlungsmöglichkeiten haben, die sie je nach Bedürfnis und Situation anbieten können.5

Die Gleichsetzung von Nachfragen mit einem generellen Anzweifeln verhindert eine sinnvolle Unterstützung, die auch den Abgleich von Wahrnehmungen beinhalten können muss, um den Prozess der Bearbeitung des Erlebten begleiten zu können. Eine Benennung ist dabei wichtig, sie muss allerdings ein Teil des Prozesses sein und es gibt keinen Grund, sie zum Dreh- und Angelpunkt von Unterstützung zu machen.

Auch in der Arbeit mit gewaltausübenden Personen kann das Festhalten an Definitionsmacht hinderlich sein. Hier wird nämlich eine Auseinandersetzung davon abhängig gemacht, ob der_die Aggressor_in die Definition der betroffenen Person_en übernimmt. Gerade wenn es nicht um sexualisierte Gewalt geht, kann durchaus auch diese_r die Situation anders wahrgenommen haben. Dann ist es wenig hilfreich, die Übernahme der Definition der betroffenen Person zu fordern, sondern es sollte zuerst um eine Anerkennung von deren Wahrnehmung – also ein Problembewusstsein – gehen. Ziel der Arbeit wäre eine Beendigung von diskriminierendem und/oder gewaltvollem Verhalten.

Zudem darf in der Auseinandersetzung mit gewaltausübenden Personen hinter den Schutz der körperlichen Unversehrtheit vor Willkür oder Rache nicht zurückgegangen werden. Ebenso nicht hinter die Möglichkeit, als ‚Beschuldigte_r‘ gehört zu werden und sich gegebenenfalls auch zu verteidigen. Das heißt natürlich nicht, dass dies öffentlich geschehen muss, dass in einem solchen Gespräch die Parteilichkeit mit der betroffenen Person über Bord geworfen werden müsste oder dass es dabei um eine ‚Beweisaufnahme‘ ginge.
Auch der Frage, was eine gewaltausübende Personen für ihre soziale Rehabilitierung leisten müsste, muss sich gestellt werden. Denn es kann ja nicht darum gehen, dass einfach (!) immer jemand aus politischen Zusammenhängen „entfernt“ wird.

Die genannten Schwierigkeiten verschärfen sich noch, wenn eine Situation uneindeutig ist, sich im Licht späterer Informationen anders darstellt, oder sich herausstellt, dass auf beiden Seiten Gewalt oder Diskrimierung ausgeübt wurde.

Womit wir zum nächsten Problemkomplex kommen.
Der „Definitionsmacht“-Ansatz hat sich in den letzten Jahrzehnten immens ausgeweitet: Er verbreitete sich in (queer-)feministischen Szenen sowie in der linken Szene allgemein. Es ging um immer mehr Diskriminierungsformen, es konnte sich nun auch auf sprachliche Äußerungen bezogen werden. Der Ansatz wurde zum ‚Konzept‘, häufig inklusive der Bestimmung von Betroffenen über Konsequenzen. Stichwort Rauswurf.
Wird ein Ansatz, der Personen soviel Macht in die Hand geben soll, jedoch auf so weite Bereiche ausgeweitet, wird es letztlich vollends autoritär.

Vor dem Hintergrund der dargestellten Probleme braucht es Diskussionen, die über „Definitionsmacht“ hinausgehen. Grundlage jeder Diskussion wäre für uns Folgendes:

- Die Anerkennung dessen, dass jeder (!) Mensch Situationen subjektiv wahrnimmt.
- Parteilichkeit mit Menschen in gesellschaftlich(!) benachteiligter, also diskriminierter Position statt pseudo-Unparteilichkeit.
- empowernde Unterstützungsarbeit mit Betroffenen von (sexualisierter) Gewalt und/oder Diskriminierung
- Arbeit mit diskriminierenden und/oder gewaltausübenden Personen, mit dem Ziel der Verhaltensveränderung
- politische Arbeit, die auf eine Veränderung der Strukturen zielt

Dabei sind die englischsprachigen Diskussionen um „Community Accountability“, „Transfor-mative Justice“ und „Accountability Processes“ allgemein spannend.6 Hier wird das Blickfeld erweitert: Die gewaltausübende Person ist zwar verantwortlich für ihr Verhalten, aber natürlich nicht allein. Welche Strukturen haben dieses Verhalten begünstigt, legitimiert oder attraktiv gemacht? Es wird versucht, abseits von Strafe eine Verantwortungsübernahme aller zu befördern. Hiermit ließen sich nicht nur Herrschaftsverhältnisse und Kontexte komplexer einbeziehen, sondern auch mit Situationen umgehen, in denen es nicht nur „den Täter und das Opfer“ gibt.

Weitere Aspekte, die aus unserer Sicht wichtig sind, bzw. diskutiert werden müssen:
- Informieren/Bewusstwerden über diverse vorhandene, professionelle Institutionen, die Arbeit mit Betroffenen und Ausübenden (und vieles mehr) anbieten. Verhältnis zu diesen und Unterschiede, Ressourcen, Vor- und Nachteile im Vergleich zu selbstorganisierten Gruppen klären.
- Wer hat die Legitimation, einen Plan für Konsequenzen zu machen vs. Verantwortlichkeit aller
- Stellenwert des Anspruchs auf grundlegende Veränderung von gesellschaftlichen Struk-turen.
- Verbesserung des Vorhandenen (juristischer Rahmen) vs. längerfristiges Ziel (staatsun-abhängige Strukturen)
- Was kann Aufklärung (nicht) leisten?
- Leid von Betroffenen öffentlich machen und anprangern (Hollaback, #hashtags, ..)
- Reflektieren der eigenen gesellschaftlichen Funktionen (Elendsverwaltung)
- genereller Sinn von Awareness- und Unterstützungsgruppen
- wichtig: wenn konkrete Hilfe, dann mit politischer Arbeit verbinden (Voraussetzungen und Umstände anprangern), nur dann könnte es mehr sein als nur unbezahltes Lücken stopfen
- Einordnung feministischer Praxen in Beziehung zu allgemein gesellschaftlichen Tenden-zen
- Wie verhält sich der Focus auf Veränderung individuellen Verhaltens zu neoliberalen Anforderungen an Arbeitskräfte?
- Wo sind die durch Herrschaftsverhältnisse gesetzten Grenzen der Verhaltensänderung und wie viel Raum soll das in feministischer Praxis einnehmen?
- Wie kann der Kapitalismus mitsamt allen mit ihm verbundenen Herrschaftsverhältnissen überwunden werden?

Über alle genannten Punkte laden wir herzlich zur Diskussion ein.

e*space
e_space@riseup.net

* Obwohl wir Geschlechterkategorien als Konstruktion erkennen, ist die Zweigeschlechlichkeit mitsamt ihren „natürlichen“ Zuschreibungen eine gesellschaftliche Realität, mit der wir immer wieder konfrontiert sind. Aus diesem Grund verwenden wir zwar die Bezeichnung „Frauen“, markieren diese aber mit einem Stern.

  1. Wir beziehen uns hier auf den Definitionsmachtsbegriff, wie er innerhalb der (akademisierten) feministischen radikalen Linken in Bezug auf den Umgang mit sexualisierter Gewalt verwendet wird. ‚Definitionsmacht‘ setzen wir in Anführungszeichen, um zu verdeutlichen, dass es den einen Definitionsmachtsansatz nicht gibt, s.u. [zurück]
  2. Wir sind uns durchaus bewusst, dass in der übergroßen Mehrzahl der Fälle Menschen, die sexualisierte Gewalt ausüben, Männer* sind und betroffene Personen Frauen*. Um jedoch die Betroffenen im umgekehrten Fall nicht noch weiter zu marginalisieren, werden wir in diesem Text beide Gruppen gendern. [zurück]
  3. Vgl. bspw. Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe in Deutschland: Vergewaltigung verurteilen – Für eine Reformierung des §177 StGB.https://www.frauen-gegen-gewalt.de/vergewaltigung-verurteilen.html [zurück]
  4. Vgl. No Lager Bremen (2014): Definitionsmacht neu ausbuchstabiert. Stichworte zum kollektiven Umgang mit sexualisierter, rassistischer und anderer Gewalt in sozialen Bewegungen, S.11f. In: Transact 6: Wie ist meine Freiheit mit deiner verbunden? Stichworte zu gemischter Organisierung, Definitionsmacht und Critical Whiteness, S. 11-15. [zurück]
  5. Vgl. Communities against Rape and Abuse (CARA) (2010): Taking risks: Implementing grassroots community accountability strategies. In: The revolution starts at home. Confronting Partner Abuse in Activist Communities, S. 64-79. www.transformativejustice.eu/wp-content… .
    Zum Thema Glaubwürdigkeit und Aufarbeitung: s. S.76f. [zurück]
  6. Ähnlich interessant sind auch Diskussionen um „Safer Spaces“, bei denen es grundsätzlicher um Fragen von (persönlicher) Sicherheit geht. [zurück]