Tag-Archiv für 'kapitalismus'

Geschlecht und Kapitalismus – eine Lovestory… in Rostock

Wie in jeder guten Telenovela ist auch die Beziehung zwischen patriarchalen Strukturen und bürgerlicher Wirtschaftsweise eine facettenreiche und durchaus wechselhafte Geschichte. Trotz ihres großen Altersunterschiedes arrangierten sie sich miteinander, teilten Arbeit und Haushalt, wuchsen aneinander – und gerade auch an ihren Differenzen.
Wir werden einige Episoden anschauen und einen Blick auf ihren aktuellen Beziehungsstatus werfen. Mutmaßen wir doch zusammen: Wie geht es mit den beiden weiter? Werden feministische Bewegungen sie entzweien oder meistern sie zusammen jede Krise? Gehen sie ihren gemeinsamen Weg, bis dass der Tod sie scheidet oder ist es doch einfach eine vorübergehende Affäre? Lasst uns die Story ein wenig weiterspinnen: Wie sähe ein Happy End aus – und inwiefern haben wir überhaupt Einfluss auf das Script? – Interessiertengruppe e*skunks

22.04.2015
20h Café Median in Rostock

Vortrag: „Geschlecht und Kapitalismus – eine Lovestory…“

Vortrag: „Geschlecht und Kapitalismus – eine Lovestory…“
Am 11.03. um 20:00 Uhr in der Kosmotique. Ein Vortrag der e*skunks im
Rahmen der Mobilisierung gegen die Eröffnung der EZB am 18.03.

Wie in jeder guten Telenovela ist auch die Beziehung zwischen patriarchalen Strukturen und bürgerlicher Wirtschaftsweise eine facettenreiche und durchaus wechselhafte Geschichte. Trotz ihres großen Altersunterschiedes arrangierten sie sich miteinander, teilten Arbeit und Haushalt, wuchsen aneinander – und gerade auch an ihren Differenzen. Wir werden einige Episoden anschauen und einen Blick auf ihren aktuellen Beziehungsstatus werfen. Mutmaßen wir doch zusammen: Wie geht es mit den beiden weiter? Werden feministische Bewegungen sie entzweien oder meistern sie zusammen jede Krise? Gehen sie ihren gemeinsamen Weg, bis dass der Tod sie scheidet oder ist es doch einfach eine vorübergehende Affäre? Lasst uns die Story ein wenig weiterspinnen: Wie sähe ein Happy End aus – und inwiefern haben wir überhaupt Einfluss auf das Script?“

Der Vortrag lässt Platz für Nachfragen, wir können den Abend auch im Gespräch an der Kosmopolitischen Bar ausklingen lassen.

Geschlecht und Kapitalismus – eine Lovestory..

Wie in jeder guten Telenovela ist auch die Beziehung zwischen patriarchalen Strukturen und bürgerlicher Wirtschaftsweise eine facettenreiche und durchaus wechselhafte Geschichte. Trotz ihres großen Altersunterschiedes arrangierten sie sich miteinander, teilten Arbeit und Haushalt, wuchsen aneinander – und gerade auch an ihren Differenzen.
Wir werden einige Episoden anschauen und einen Blick auf ihren aktuellen Beziehungsstatus werfen. Mutmaßen wir doch zusammen: Wie geht es mit den beiden weiter? Werden feministische Bewegungen sie entzweien oder meistern sie zusammen jede Krise? Gehen sie ihren gemeinsamen Weg, bis dass der Tod sie scheidet oder ist es doch einfach eine vorübergehende Affäre? Lasst uns die Story ein wenig weiterspinnen: Wie sähe ein Happy End aus – und inwiefern haben wir überhaupt Einfluss auf das Script?

Görlitz (Details folgen im Laufe der nächsten Tage)

@FB

Audioaufnahme unserer Veranstaltung in London: Input und Diskussion ‚gender and capitalism‘ @AFem2014

English

Aus unserer (nicht nur e*vibes-)London-Reisegruppe heraus gab es die Initiative eines inhaltlichen Beitrages zur Internationalen Anarchafeministischen Konferenz in London. Vorbereitet wurde dieser von Leuten, die so zuvor noch gar nicht zusammengearbeitet hatten, zudem sehr kurzfristig, mit eher rudimentären Englischkenntnissen und ohne zu wissen, auf welche Voraussetzungen, Diskussionszusammenhänge usw. wir dort treffen. Wir haben entschieden, nicht lange zu reden. Dazu war es nötig, wenige Hauptaussagen herauszufiltern (über die man sich echt zwischendurch mal klar werden sollte). Uns interessierte ja vor allem, was die anderen zu sagen haben bzw. was bei ihnen diskutiert wird. Und dann bestand die Aufgabe nicht zuletzt darin, eine Diskussion zu ‚leiten‘, die man zur Hälfte nicht versteht ;) Nun jedenfalls sind wir stolz, das gemacht und irgendwie geschafft zu haben.
Hier gibt’s den kurzen Input und die Diskussion – inklusive Denglish, lustigen Missverständnissen und krasser Aufregung – zum Anhören:
Input, Diskussion

Geschlecht und Kapitalismus – eine Lovestory..

Im Rahmen der „Start ins Wochenende“ – Veranstaltung im AZ Conni findet am 24.09.14 folgender Vortrag statt:

Wie in jeder guten Te­le­no­ve­la ist auch die Be­zie­hung zwi­schen pa­tri­ar­cha­len Struk­tu­ren und bür­ger­li­cher Wirt­schafts­wei­se eine fa­cet­ten­rei­che und durch­aus wech­sel­haf­te Ge­schich­te. Trotz ihres gro­ßen Al­ters­un­ter­schie­des ar­ran­gier­ten sie sich mit­ein­an­der, teil­ten Ar­beit und Haus­halt, wuch­sen an­ein­an­der – und ge­ra­de auch an ihren Dif­fe­ren­zen.
Wir wer­den ei­ni­ge Epi­so­den an­schau­en und einen Blick auf ihren ak­tu­el­len Be­zie­hungs­sta­tus wer­fen. Mut­ma­ßen wir doch zu­sam­men: Wie geht es mit den bei­den wei­ter? Wer­den fe­mi­nis­ti­sche Be­we­gun­gen sie ent­zwei­en oder meis­tern sie zu­sam­men jede Krise? Gehen sie ihren ge­mein­sa­men Weg, bis dass der Tod sie schei­det oder ist es doch ein­fach eine vor­über­ge­hen­de Af­fä­re? Lasst uns die Story ein wenig wei­ter­spin­nen: Wie sähe ein Happy End aus – und in­wie­fern haben wir über­haupt Ein­fluss auf das Script?

Wann: 24.09. // 19Uhr
Wo: AZ Conni (Rudolf – Leohnard – Str. 39)
@FB

Veranstaltungen rund um den 1. Mai

Libertärer 1.Mai

25.04.2014

FAU-Solikneipe mit Film „Made in Dagenham“ sowie Kurz-Input (e*vibes) und Diskussion zu Gender Pay Gap, Patriarchat und Kapitalismus
ab 20:30h im WUMS (Columbusstraße 2)

01.05.2014

Libertäre Demonstration zum 1.Mai „Gewerkschaftsfreiheit verteidigen! – Entschlossen – solidarisch – jeden Tag!“ (Aufruf)
Kundgebung ab 12h am Theaterplatz, Demonstration 13:30h ab Theaterplatz

02.05.2014

GeschirrSpülen, OmaPflegen, KloPutzen, StaubWischen,
Einkaufen, Diskutieren, SichBewerben, SichBilden,
Ruinieren, Stagnieren, Revolutionieren,
ChipsEssen, ProtokollAbtippen, EinEuroJobben.
Aber: ich mein‘… was soll der Scheiß?

couch potato

Sofas und Chips
zum Tag der Arbeitslosen.

…………………………………………………………………
Herzlich willkommen!
Setzen Sie sich oder bleiben Sie stehen. Genießen Sie Kartoffelchips. Sie sind eingeladen, sich anlässlich des heutigen 2.Mai, dem Tag der Arbeitlosen, grundsätzliche Gedanken zum Thema Arbeit zu machen.

* Warum, meinen Sie, muss man arbeiten?
* Warum wollen viele einer Lohnarbeit nachgehen?
* Warum ist es für die meisten unangenehm, „arbeitslos“ zu sein?
* Warum ist es für manche angenehm?
* Was würde geschehen, wenn Sie morgen nicht arbeiten würden?
* Ist Hausarbeit oder Beziehungsarbeit auch Arbeit – und was ist anders?
* Sollte so etwas bezahlt werden?
* Sind Sie ein produktives Mitglied der Gesellschaft – und wodurch?
* Was genau bedeutet Faulheit?
* Welche Tätigkeiten begeistern Sie?
* Bedeutet Lohnarbeit immer Ausbeutung?
* War es früher besser? Wirklich?
* Sollte das Überleben von Leistung abhängen?
* Kochen/wickeln/pflegen/putzen/schlichten Frauen lieber als Männer?
* Sind manche Tätigkeiten mehr wert als andere?
* Was würden Sie tun, wenn Sie nicht arbeiten „müssten“?
* Was genau hindert Sie daran?
* Und was würden all die anderen tun? Was macht Sie da so sicher?
* Was wäre, wenn Menschen ohne Zwang tätig oder untätig sein könnten?
* Könnten notwendige Tätigkeiten gleichberechtigt verteilt sein?
* Können Sie sich eine Gesellschaft ohne Lohnarbeit vorstellen?
* Warum nicht?
* Was würden Sie jetzt gern tun?

15-18 Uhr
am Artesischen Brunnen am Albertplatz
facebook event

[eine Kooperation von Leuten aus dem Allgemeinen Syndikat Dresden/FAU und aus der Gruppe e*vibes – für eine emanzipatorische praxis]

Dokumentation der Veranstaltung zur Männer*-Fußball-WM in Brasilien

Am 14.04. fand die Veranstaltung zur diesjährigen WM in Brasilien statt, die hiermit dokumentiert wird: [Audiomitschnitt]
Im Audiomitschnitt findet ihr lediglich Fragmente der verwendeten Videos. Komplett könnt ihr sie hier nachschauen:
das erste video
das zweite video
das dritte video
das vierte video
Falls ihr irgendetwas zu diesem Thema plant, dann schreibt uns gern an, falls wir mit Informations-Weiterleitung helfen können.

Gutes Leben ohne Sorgen! (Diskussionsanregungen zur Care Revolution)

Rückblick auf die Veranstaltung am 16.01. in der EHS

Vom 14.-16. März 2014 findet in Berlin die „Aktionskonferenz Care Revolution. Her mit dem guten Leben – für alle weltweit!“ statt.
Vor vier Wochen, am 16.01., gab es an der EHS Dresden (Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit) eine Infoveranstaltung dazu. Jeweils kurze Inputs brachten eine Vertreterin des AK Reproduktion bzw. der Konferenz und Vertreter_innen von uns sowie vom Allgemeinen Syndikat Dresden/FAU Dresden. Danach gab es eine Diskussion, in der weniger diskutiert als vielmehr diverse Themen auf den Tisch gebracht und Standpunkte in den Raum geworfen wurden. Aber immerhin – schließlich gab es eine derartige Veranstaltung in Dresden noch nicht. Vielleicht war dies ein Auftakt für das so notwendige kontinuierliche ‚Dranbleiben‘ am Thema.
Die Veranstaltung wurde zum Nachhören aufgenommen. Denkwürdig ist’s, wie Getrommel und Gejubel mutmaßlicher EHS-Studierender von der gleichzeitig dort stattfindenden ‚Medienkunstnacht‘ hinaufdringen und das Verstehen erschweren ;-) Viel Spaß damit: Audiomitschnitt

Unser Input während der Infoveranstaltung ging zunächst kurz um die Frage, warum sich Feminist_innen eigentlich mit Sorgetätigkeiten beschäftigen. Also: Wie hängen Care-Tätigkeiten und deren gesellschaftliche Abwertung mit Geschlecht zusammen? Dieser konstitutive Zusammenhang fehlte uns im Aufruftext, der die Frage, warum man eigentlich weniger Geld bekommt, offenlässt. Danach nannten wir einige Punkte, die uns einerseits oft bei Protesten zum Thema, andererseits bei der Konferenz zu kurz kommen oder problematisch scheinen. Diese kommen hiermit nochmal schriftlich und etwas ausformulierter, um damit Diskussionen auf der Konferenz bzw. um sie herum anzuregen.

Probleme und Diskussionsfragen

Immer wieder mal gibt es Proteste im bezahlten Sozial- oder Pflegebereich, bei denen einige Ansätze, Aussagen oder Schild-Aufschriften echt problematisch sind. Da gibt es Demos gegen Sozialabbau („Wir sind mehr wert!“) oder gegen Krankenhausprivatisierungen, „Pflege am Boden“-Flashmobs etc.
Die Konferenz reiht sich in diese insofern mit ein, dass sie solche Proteste vernetzen und bündeln will. ‚Anders‘ ist an der Konferenz, dass im Programm Geschlecht thematisiert wird, was bei Protesten zum Thema oft nicht ‚auf dem Schirm‘ ist – da besteht noch Interventionsbedarf. Außerdem stellt der Konferenzaufruf klar, dass es im Kapitalismus eben nicht um menschliche Bedürfnisse geht (man sich darüber also nicht zu wundern braucht) und deshalb eine grundlegende Veränderung stattfinden muss. Aus diesen und anderen Gründen unterstützen wir den Konferenzaufruf, auch wenn uns einiges fehlt, zu kurz kommt oder ähnlich problematisch gesagt wird wie in o.g. Beispielen.

Zuweilen werden einige Tätigkeiten als besonders ‚menschliche‘ moralisch geadelt. Als wenn sie irgendwie mehr als andere den menschlichen Bedürfnissen dienen würden. Aber Hegen und Pflegen und Sorgen und Kümmern sollten nicht glorifiziert werden.

Kein Bereich innerhalb des Kapitalismus dient menschlichen Bedürfnissen. Bedürfnisse werden zwar befriedigt, aber dies ist eher Nebenprodukt – darum geht es nicht. Das ist auch bei Sozialarbeit o.ä. nicht anders. Ob die engagiert arbeitenden Individuen das so wollen oder nicht. Die Tätigkeit der Pflegerin hat mit der der Bankangestellten ihre Lohnarbeitsförmigkeit gemeinsam, wenn sich auch vermutlich der Lohn unterscheidet. Aber inwiefern geht es im Pflege- oder Bildungssektor mehr um menschliche Bedürfnisse als im Immobilien- oder Aktiengeschäft? Wer sagt eigentlich, welches wirklich echt menschliche Bedürfnisse sind? Gepflegt werden und zur Schule gehen schon, einkaufen oder Auto fahren nicht? Alle Bedürfnisse sind gesellschaftlich vermittelt; es ist unmöglich, unmittelbar ‚menschliche‘ zu finden. Die Tischlerin und Designerin macht Öko-Möbel für glückliche Menschen, der Politiker im Bundestag kümmert sich um Menschen, die Versicherungsberaterin kümmert sich um Menschen, sie alle sind ganz menschlich und besorgt. Unterschiede bestehen bei diesen Berufen, die alle „was mit Menschen“ machen, sicher im Grad der gesellschaftlichen Vermittlung. Aber auch in Berufs- und Selbstbildern der dort jeweils Tätigen.

Gerade der Berufsethos im Sozialbereich „Ich helfe aufopferungsvoll (ggf.: und liebe es), das macht mich zur Heldin“ ist ideologische Verschleierung, die an Erkenntnis, Problembewusstsein und schließlich Arbeitskämpfen hindert. Es ist also fraglich, ob es eine gute Strategie ist, politisch genau auf dieses (Selbst-)Bild zu setzen, um Verbesserungen der Bedingungen einzuklagen.

Die Schwierigkeit, in diesem Sektor zu streiken, wenn es nicht auf die Kosten von z.B. pflegebedürftigen Menschen gehen soll, liegt klar zutage. Also: Was können Druckmittel von ‚Care‘-Protesten sein? Um überhaupt an diesen Punkt zu kommen, muss klar gesagt werden, dass es sich hierbei nicht um nette menschliche Gesten, sondern um Lohnarbeit handelt, die immer Ausbeutung ist. Das kann man sagen, auch wenn man ‚das eigentlich gern macht‘ usw. Das ist ja gerade das Absurde: Hier können besonders gut Löhne gedrückt werden, weil es wirklich unmenschlich wäre, diesen Menschen nicht zu pflegen. Aber es so zu tun, ist noch lange nicht ‚menschlich‘. Denn die Formen der Tätigkeiten im Kapitalismus verhindern, dass man sie wirklich gut machen kann.

Das betrifft nicht nur die Lohnarbeitsform, sondern auch die häuslichen, familiären, unbezahlten Tätigkeiten, die zumeist Frauen* überlassen bleiben – ob diese nun zusätzlich lohnarbeiten oder nicht. Diese Tätigkeiten sind auch nicht reiner oder echter oder menschlicher oder vom ‚bösen Außen‘ verschont. Das Private ist heute (im schlechten Sinne) politisch, nämlich gesellschaftlich durchdrungen. Es ist nicht ‚verschont‘, sondern ausgeschlossen, beschränkt und unsichtbar.

Beide Bereiche gehören, in ihrer Abhängigkeit voneinander, gemeinsam überwunden.
Es ginge um die allgemeine Befreiung von Mühsal und Plackerei.

Wir können nur erahnen, wie Tätigkeiten in einer befreiten Gesellschaft aussehen würden, die menschlichen Bedürfnissen dienten – welche auch immer das dann wären. Vielleicht müssten viele Arbeiten nicht mehr unter solch unzumutbaren Bedingungen oder gar nicht mehr gemacht werden. Vielleicht würden neue Tätigkeitsbereiche entstehen. Klar ist nur: Sie wären weder lohnarbeitsförmig organisiert noch der Privatsphäre oder einer gesellschaftlich abgewerteten Gruppe zugewiesen.

Wenn es also um die Überwindung von Lohnarbeit und ihrer Care-Seite inklusive häuslicher Sphäre geht, was bringt dann die spezielle Aufwertung bestimmter Tätigkeiten?
Inwiefern derartige Forderungen realpolitisch sinnvoll sein können, ist zu diskutieren. Jedoch muss darüber hinausgeblickt werden, soll die Realpolitik nicht richtungslos bleiben oder in eine falsche Richtung laufen.
Protestierende mit Slogans wie „Wir sind mehr wert“ können nicht sehen, dass sie im Kapitalismus eben nicht „mehr wert“ sind (auch nicht nach ausführlicher Wert-Schätzung). Erst recht nicht, dass Wert und Mehrwert eigentlich ihr Problem sind. Und: Mit Aussagen wie „Gutes Leben braucht Sorge“ (Titel der Veranstaltung in der EHS) wird ein „Gutes Leben ohne Sorgen“ undenkbar.
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Eine weitere Frage, die doch wichtig wäre zu klären: Wie verhält sich die heutige Forderung nach Aufwertung von Sorgetätigkeiten zu der propagandistischen Aufwertung von ‚einfacher Arbeit‘ und ‚Mutterschaft‘ im NS? Auch wenn man am Ende zu der Antwort gelangt, dass das doch absolut nichts miteinander zu tun hat: Die Frage sollte man sich stellen. Und dann dafür sorgen, dass es nichts damit zu tun hat.

Im Nationalsozialismus waren Frauen* insofern den Männern* gleichgestellt, als dass sie sich gegen den gemeinsamen ‚Feind‘, die Juden_Jüdinnen zusammenschlossen. Sie waren nicht bloße ‚Gebärmaschinen‘. Ihre Mutterschaft wurde hochgelobt, ihre Tätigkeiten im Haushalt oder bei der Erziehung der Kinder immer mehr anerkannt. Das 1938 von Hitler gestiftete Mutterkreuz unterstreicht die Bemühungen der NSDAP, diese „Frauenaufgabe“ aufzuwerten. Im eigenem Heim wurde selbstbewusst „in kleinstem Rahmen der Kampf gegen den inneren Feind, den undeutschen Geist, ausgetragen“ (Frauenführerin Irene Seydel, zit. nach L. Radonic).

Weibliche Erwerbsarbeit nahm ab 1933 stetig zu. Einerseits aufgrund des Ausfalls männlicher Soldaten als Arbeitskraft, aber auch durch Professionalisierung vorheriger Hausarbeit. Die Anerkennung lief darüber, dass ja jedes Glied der ‚arischen Volksgemeinschaft‘ wichtige Arbeit für deren Weiterbestand und Optimierung leiste. (Artikel dazu: Radonic und Walterspiel)

Damit im Hinterkopf ist es interessant, sich Argumentationen von z.B. Gewerkschaften oder Protestaufrufen heute anzugucken..
Die letzte großangelegte Kampagne zur Aufwertung einer Berufsgruppe waren wohl die vor Nationalstolz strotzenden Plakate von „Das Handwerk“. „Ich bin nicht nur Handwerker. Ich bin der Motor, der Deutschland antreibt.“
Hoffentlich schreiben sich das nicht bald irgendwelche Mütter auf die Fahnen. Denkbar wäre auch: „Ich bin keine Hausfrau. Ich bin das Notstromaggregat, das die Produktion am Laufen hält.“ Oder „Ich bin kein Altenpfleger. Ich pflege deutsche Tradition.“
Hoffentlich bleibt uns das erspart. 1

Die Frage wird sein, ob etwas eingefordert wird und was, von wem und mit welcher Begründung. Wenn man z.B. von einer staatlichen Institution irgendwas fordert (mehr Geld oder so) und dann anfängt, seinen Anspruch darauf zu rechtfertigen, muss man sich auf etwas berufen, das allgemein wichtig gefunden wird. Wir leisten was für die deutsche Wirtschaft.2
Der absurde Versuch müsste sein, sich von derartigem Populismus abzugrenzen, ohne komplett unbeachtet zu bleiben.

Die Organisator_innen der Konferenz scheinen jedenfalls mögliche problematische Lesarten oder Abwandlungen ihrer Kritik bzw. ihrer Forderungen nicht zu befürchten. Auch nicht in Richtung einer personalisierten Kapitalismus‘kritik‘ – was angesichts der Bandbreite der beteiligten Gruppen nicht abwegig ist. Naja, Revolutionen schlagen einfach nicht fehl.
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Eine ganz wichtige Frage, die lediglich in einem angekündigten Workshop 3 kurz gestellt wird, ist:
Welche Rolle nehmen wir mit Kritik an Zuständen und dem Bestreben nach einer anderen Organisation von Sorgearbeiten ein?
Krisen erfüllen im Kapitalismus zwar die Funktion eines ‚heilsamen Gewitters‘, aber wenn zu viele Leute durchs soziale Netz fallen, laufen Produzieren und Konsumieren auch nicht mehr so gut.4
Der Kapitalismus ist darauf angewiesen, Arbeit ständig neu zu organisieren, Arbeitsteilung zu optimieren usw.. Angewiesen auch auf unsere Kreativität ‚von unten, wie jetzt mit den existierenden Problemen umgegangen werden kann. Man kann das als Chance sehen, was aber eine Tendenz zur Beschönigung von Elend hat.

Tragen unsere Überlegungen und pragmatische Verbesserungsvorschläge also einfach nur zur Optimierung des Kapitalismus bei, zum Abfedern von Symptomen? Dass sie dazu beitragen, ist klar – und auch wichtig, weil irgendwer die Verrohung in Grenzen halten muss. Aber die Frage ist: bleibt es dabei?
Wie können wir mehr machen als nur zu reproduzieren – oder weniger? Wie überschreiten wir dieses einzelne Verschieben, das gesellschaftliche Verhältnisse unangetastet lässt?

Vielleicht ist ein Ansatz, mehr zu sein als das: sich mit eben dieser Rolle auseinanderzusetzen, sie zu reflektieren, sie (auch öffentlich) abzulehnen und diese Ablehnung als Ausgangspunkt zu nehmen.
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Wir finden wichtig, dass diese Punkte/Fragen diskutiert werden. Ob das auf der Konferenz passiert (wenn sie es auch nicht unbedingt herausfordert), hängt an allen Anwesenden. Ansonsten gibt es ja noch viele andere Orte – zu Hause, am Arbeitsplatz, in der Politgruppe oder ganz woanders.

So, Aufbruchstimmung vermiest?

  1. „Ich baue keine Stadien. Ich gebe 80.000 Menschen ein Zuhause.“ oder „Ich repariere keine Motoren. Ich lasse Herzen wieder schlagen.“ zeigen wieder mal, dass das mit der Rede von ‚menschlichen‘ Bedürfnissen ’ne schwierige Angelegenheit ist. [zurück]
  2. Aber: Im Sozialbereich geht es bei Förderanträgen allerdings meist um „Europa“ oder „benachteiligte Gruppen“ – entkräftet das die Argumentation? [zurück]
  3. „B1. Funktionialisierung von Moral“: „(…)Auf einmal lastet gesellschaftliche Verantwortung auf uns, auf den einzelnen Personen und wir sollen ausbügeln, was strukturell nicht funktioniert und wo politische Entscheidungen die Bedingungen verschlechtern.(…)“ http://care-revolution.site36.net/ablauf/workshops/#b1 [zurück]
  4. Wie viele Leute das sind, und wie viele als ‚Überflüssige‘ gelten, auf deren Reproduktion das Kapital nicht mehr angewiesen ist, hängt auch von sozialen Kämpfen ab. Wenn immer mehr ‚überflüssig‘ sind – woran können oder wollen wir dann überhaupt noch appellieren? [zurück]

Gutes Leben braucht Sorge – darum: Care Revolution

Veranstaltung am 16.01.2014 um 19 Uhr in der EHS

Um für uns und andere zu sorgen, brauchen wir Zeit und Ressourcen aller Art. Dies ist grundlegend für die Verwirklichung unserer Bedürfnisse und Interessen – für ein gutes Leben. In einem kapitalistischen System stehen menschliche Bedürfnisse jedoch nicht im Zentrum und spielen nur
insofern eine Rolle, als sie für die Herstellung einer flexiblen, kompetenten, leistungsstarken, gut einsetzbaren Arbeitskraft von Bedeutung sind. Sorgearbeit wird gering geschätzt und finanziell weniger unterstützt, Lohne werden gedrückt, Kosten gespart. Das betrifft alle Bereiche sozialer Reproduktion und Care, wie Kinderbetreuung, Gesundheitsversorgung, Pflege, Assistenz, Bildung und Wohnen. Bei der Veranstaltung tragen verschiedene Gruppen ihre Sicht und ihre Erfahrungen vor und wir wollen gemeinsam über die derzeitige Situation in verschiedenen Bereichen sprechen.

AK Reproduktion
e*vibes – für eine emazipatorische praxis
FAU Dresden
AG Beratung, Anlaufstelle für selbstorganisierte Hausprojekte
(angefragt)
IG Fr_eiRäume Dresden (angefragt)

Anja vom AK Reproduktion wird einiges zur Krise sozialer Reproduktion erzählen und von der Planung der Aktionskonferenz Care Revolution
(14.-16.März) berichten. In Zeiten der Krise wird viel von Banken und Staatsschulden gesprochen, doch wir setzen wir uns für einen
Perspektivwechsel ein: Menschliche Bedürfnisse und Interessen müssen im Zentrum der Krisendiskussion stehen. Mit einem Aufruf zur Care
Revolution geht es außerdem darum, Reproduktionsarbeit neu zu bewerten und umzugestalten, dazu gehören auch kollektive Ideen und Commons Strukturen. 45 Gruppen aus der BRD und Schweiz beteiligen sich bereits an der Aktionskonferenz und ihr seid alle eingeladen zu kommen und eure Erahrungen beizutragen.

Krank gespart

Der Zusammenbruch der Gesundheitsversorgung in Griechenland und die Selbstorganisation in Social Clinics of Solidarity

Laut einer im Oktober von der Hilfsorganisation Oxfam veröffentlichten Studie [1] erinnern die europäischen Sparmaßnahmen an die »Strukturanpassungsprogramme« des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Ländern Lateinamerikas, Südostasiens und Afrikas in den achtziger und neunziger Jahren. Eine unmittelbare Folge der Krisenpolitik ist die Verschärfung sozialer Ungleichheit in den Ländern, die die umfangreichsten Sparmaßnahmen vorgenommen haben, wie Griechenland, Irland, Italien, Portugal, Spanien und Großbritannien. EU-weit haben die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung vorbehaltlos von der Politik der vergangenen Jahre profitiert. In allen europäischen Staaten konnten sie ihren Anteil am Gesamtvermögen steigern: in Deutschland in den vergangenen Jahren um jährlich ein Prozent auf deutlich über 60 Prozent; und sogar in Griechenland stieg der Gesamtvermögensanteil der 2.000 reichsten Familien von etwa 75 auf über 80 Prozent [2].

In Griechenland ist unter dem Druck der Spardiktate das Gesundheitssystem zusammengebrochen. Die Troika aus Vertreter_innen der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank und dem Internationalen Währungsfonds hat durchgesetzt, dass alle sozialstaatlichen Leistungen, inklusive Krankenversicherung, zwölf Monate nach Verlust des Arbeitsplatzes einzustellen sind. Die steigende Zahl arbeitsloser Menschen ist daher ein sicherer Indikator für die zu erwartenden gesundheitlichen Belastungen der Bevölkerung. Offiziell sind rund 30 Prozent der Bevölkerung in Griechenland nicht mehr krankenversichert [3]. Inoffizielle Schätzungen gehen davon aus, dass nahezu jede Zweite mittlerweile aus der Absicherung herausgefallen ist. Wer nicht krankenversichert ist, muss die Kosten einer Behandlung vor Ort in bar bezahlen, oder aber das Geld wird am Ende des Jahres über die Steuer eingezogen.

Dabei haben die immer neuen Sparrunden und Strukturanpassungen bereits zu gesundheitlichen Katastrophen geführt. In Griechenland ist die Suizidrate um 45 Pro zent gestiegen, HIV-Infektionen haben um 52 Prozent zugenommen, 26.000 Gesundheitsarbeiter_innnen, inklusive 9.100 Ärzt_innen, haben ihre Arbeit verloren, Gelder für psychosoziale Versorgung sind um 45 Prozent gekürzt worden. Durch diese Sparmaßnahmen sind viele Notaufnahmen maßlos überfordert. So muss das Papageorgiou-Krankenhaus, eines der besten Krankenhäuser des Landes, rund 1.500 Menschen am Tag behandeln. Selbst das größte Universitätsklinikum Europas, die Berliner Charité, behandelt täglich nur ein Drittel so viele Menschen. Ein Grund dafür ist, dass die Notfallambulanz nur alle vier Tage geöffnet ist [4]. Am heftigsten trifft die von der griechischen Regierungskoalition durchgesetzte Sparpolitik Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Krebs.

Um dennoch eine Behandlung der Armen und Nicht-mehr-Versicherten gewährleisten zu können, sind in ganz Griechenland Social Clinics of Solidarity (SCS) entstanden, in denen Ärzt_innen und Pfleger_innen ehrenamtlich arbeiten. Diese Basisinitiativen alternativer Versorgung leisten nicht nur direkte Hilfe, sondern sind Orte des Widerstands gegen Sparpolitik und Rassismus. Die SCS kritisieren, dass immer mehr staatliche Krankenhäuser geschlossen werden. Die in den Solidarischen Kliniken organisierten Menschen kämpfen für die Wiederherstellung einer kostenlosen öffentlichen Gesundheitsversorgung als grundlegendstes und nicht verhandelbares Recht, welches allen Menschen kostenlos zusteht, unabhängig von ökonomischem Status oder Beschäftigungsstatus, legalen Papieren [5] , Religion, Nationalität, sexueller Orientierung, Gender oder Alter. In den Solidarischen Kliniken werden Asylsuchende und Migrant_innen behandelt, die oft in staatlichen Krankenhäusern abgewiesen werden. In einigen Kliniken z.B. in Athen stellen sie die Hälfte der Patient_innen. Die Open Polyclinics der Doctors of the World existieren sogar schon länger und waren ursprünglich für die Unterstützung der von Gesundheitsversorgung ausgeschlossenen Migrant_innen und Roma gegründet worden [6]. Eine staatliche Anweisung, keine Menschen ohne Papiere zu behandeln, haben die Gesundheitsarbeiter_innen in den solidarischen Kliniken ignoriert. Ärzt_innen von Doctors of the World wurde von Schläger_innen der Goldenen Morgenröte bedroht, als sie einmal mit einer mobilen Versorgungsstation in der Nähe eines Büros von Chrysi Avgi halt gemacht haben.

Aber auch mit staatlichen Repressionen sind die solidarischen Kliniken konfrontiert. Während in Thessaloniki und Athen bereits acht staatliche Krankenhäuser geschlossen wurden und weitere Schließungen geplant sind, gab es im Oktober 2013 polizeiliche Durchsuchungen in der Metropolitan Community Clinic in Elliniko und der Polyklinik der Médecins du Monde in Athen, die mit dem Vorwurf des Drogenhandels begründet wurden, gemeint waren betäubungsmittelhaltige Medikamente [7]. Wir zitieren Teile der Presseerklärung der Social Clinics of Solidarity zum Polizeieinsatz in den Kliniken:

Therefore we state clearly and loudly that ourselves, we are „illegal“ constantly and we are waiting for them. We are „illegal“ for the last 2 years for having supported more than 10.000 uninsured patients by providing health services and medications without asking from anyone their permission. We are „illegal“ because we do so without money. We are „illegal“ because we oblige only to the code of medical. We are „illegal“ because we are accountable only to our consciousness, our patients and the society. We are „illegal“ because we fight against to humiliation and We are „illegal“ because we believe that Health is a major social good and not a commodity. … Those last actions, reminding of totalitarian regimes, clearly demonstrate that the red line is crossed. They want to eliminate hope. They want to destroy everything that keeps us united. They hate life. They will face us all, volunteers, patients, civilians, in the opposite side. We will defend life and dignity. We will fight against death. Solidarity ist our weapon. [8]

Für den Fortbestand der solidarischen Kliniken sind diese dringend auf Geld-, Material- und Medikamentenspenden angewiesen. Es kann nicht bei der Erkenntnis bleiben, dass Deutschland eine hegemoniale Rolle bei der europäischen „Krisenbewältigung“ bzw. dem neoliberalen Fitmachen Europas für den globalen Wettbewerb eingenommen hat. Unsere Kritik an der Deutschen Härte gegenüber den südeuropäischen Ländern, insbesondere Griechenland, wollen wir mit praktischer Solidarität und der Unterstützung emanzipatorischer Organisierung kombinieren. Wir rufen Euch daher dazu auf, Geld zu spenden. Sammelt Geld, organisiert Soli-Tresen, Soli-Konzerte, Soli-Parties… Informiert Euch und andere (siehe unten stehende Linkliste). Leitet den Aufruf an Menschen weiter, die im medizinischen Bereich arbeiten. Aus verschiedenen organisatorischen und finanziellen Gründen haben wir uns zwar dagegen entschieden, zu Medikamentenspenden aufzurufen, obwohl die Kliniken Medikamenten- und Materialspenden ebenso dringend benötigen wie Geld, u.a. deshalb weil es Lieferengpässe bei bestimmten Medikamenten gibt. Sollte der Aufruf auch Gesundheitsarbeiter_innen erreichen, die lieber Medikamente oder gar medizinische Technik spenden können – bitte kontaktiert uns über die unten stehende E-Mail-Adresse! Wir können Euch eine kommentierte und mit Generika ergänzte Medikamenten- bzw. Materialwunschliste zur Verfügung stellen!

Spenden können auf das folgende Konto überwiesen werden:

Kosmotique e.V.
GLS Gemeinschaftsbank e.G.
BLZ: 43060967
Kto-Nr.: 1130360500
IBAN: DE83 4306 0967 1130 3605 00
BIC: GENODEM1GLS
Kennwort: Solidarische Kliniken

Barspenden können dienstags zwischen 21 und 23 Uhr oder mittwochs zwischen 20 und 23 Uhr hier abgegeben werden: Kosmotique, Martin-Luther-Str. 13, 01099 Dresden.

Wir können leider keine Bescheinigungen für Spenden ins Ausland ausstellen.

Vielen Dank und solidarische Grüße

kosmotique e.V. / kosmotique.org

(Quellen)