Tag-Archiv für 'lyrik'

36 Dinge, die sie als weiße_r deutsche_r Bildungsarbeiter_in unbedingt machen sollten. Level 1.

Liebe_r weiße_r deutsche_r Bildungsarbeiter_in,
die beherzte Umsetzung folgender Schritte werden einen Prozess bei Ihnen anstoßen, der Ihr Leben verändern kann! Dieser Prozess hat das Potenzial Sie für die Menschen of Color, Schwarze Menschen und Menschen mit Migrationsgeschichte in Ihrem Umfeld in eine_n richtig angenehme_n Zeitgenoss_in zu verwandeln. Und wenn Sie nicht aufgeben, sogar in eine_n rassismuskritischen Bildungsarbeiter_in! Doch bitte, erwarten Sie nicht, dass es schnell geht oder gar angenehm sein wird. 30, 40 oder 50 Jahre von rassistischem Wissen durchdrungene Lebenserfahrung verlernen ist kein Pappenstiel. Und genau deshalb kann dies auch nur ein Anfang sein. Setzen Sie sich nicht unter Druck, beginnen Sie – wenn notwendig – mit Meditation und bleiben Sie vor allem ehrlich zu sich selbst. Denn es hat sich bewährt, bei sich selbst zu beginnen.
 
1) Beginnen Sie bei sich selbst.
2) Zeichnen Sie Ihren Familienstammbaum. Verzeichnen Sie darin alle Migrationsbewegungen. Verzeichnen Sie darin außerdem wer in Ihrer Familie wann und vor allem wie über die Zeit des Nationalsozialismus gesprochen hat – oder auch nicht.
3) Zeichnen Sie Ihren Familienstammbaum. Verzeichnen Sie darin wer in Ihrer Familie wann und vor allem wie über die DDR und die sog. Wiedervereinigung gesprochen hat – oder auch nicht.
4) Besuchen Sie einen Critical-Whiteness-Workshop.
5) Überlegen Sie, wann sie sich das erste Mal deutsch gefühlt haben.
6) Überlegen Sie, wann Sie sich das erste Mal weiß gefühlt haben.
7) Fragen Sie sich, welcher „Kultur“ Sie angehören.
8) Nehmen Sie ein leeres Blatt Papier und einen Stift zur Hand. Malen Sie ein X auf das Papier. Sehen Sie sich folgende Clips an: 1 und 2. Schreiben Sie jedes Mal, wenn Sie sich unangenehm berührt und/oder ertappt fühlen, ein X auf das Papier. Das erste X steht für den Titel.
9) Lesen Sie regelmäßig die Blog-Beiträge von Kübra Gümüşay und Nadine Lantzsch. Spüren Sie die immer wieder in Ihnen aufsteigende Irritation und schreiben Sie jedes Mal ein X auf Ihren Zettel.
10) Schlagen Sie den Atlas auf und suchen Sie Arabien.
11) Zählen Sie aus dem Kopf die Anwerbeländer der Bundesrepublik zwischen 1960 und 1973 auf.
12) Zählen Sie aus dem Kopf die Anwerbeländer der DRR zwischen 1966 und 1989 auf.
13) Zählen Sie aus dem Kopf die wichtigsten Herkunftsländer von Flüchtenden nach Deutschland der letzten 10 Jahre auf.
14) Ja, bilden Sie sich.
15) Lesen Sie hin und wieder mal PI-News . Und ja, ekeln Sie sich ruhig. Und zwar richtig. Oder schreiben Sie ein X auf ihren Zettel.
16) Lernen Sie Namen und Todestag der Opfer der NSU-Morde auswendig.
17) Lesen Sie das Buch „Deutschland schafft sich ab“. Und ja, ekeln Sie sich ruhig. Und zwar richtig. Ansonsten schreiben Sie ein X auf ihren Zettel.
18) Besorgen Sie sich das Buch „Manifest der Vielen. Deutschland erfindet sich neu“. Halten Sie ein leeres Blatt Papier und einen Stift zur Hand.
19) Besorgen Sie sich das Buch „Wie Rassismus aus Wörtern spricht: Kerben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk.“ und sorgen Sie dafür, dass es zur Standardausstattung ihrer Einrichtung gehört.
20) Erforschen Sie darüber hinaus den rassistischen Gehalt folgender Begriffe und Praktiken: Jugendliche mit Migrationshintergrund, Residenzpflicht, getürkt, N-Wort, Ching Chang Chong, Döner-Morde, Integration, Racial Profiling, Hottentotten, Kopftuchmädchen, farbig, Ausländerkriminalität, Schwarz fahren, Integrationsverweigerer, Abschiebehaft & Co.
21) Lesen Sie die Seiten 13-15 des Buches „Deutschland Schwarz Weiß“. Wenn Sie dann nicht mehr weiterlesen wollen, tun Sie es trotzdem.
22) Wenn Sie das Buch fertig gelesen haben, lassen Sie es unauffällig im Lehrer_innen-Zimmer, Büro oder Gemeinschaftsraum Ihrer Einrichtung liegen, reiben Sie sich die Hände und freuen Sie sich diebisch auf die Gespräche mit Ihren Kolleg_innen.
23) Schaffen Sie in Ihrer Einrichtung regelmäßig Empowerment-Räume, die ausschließlich von und für Menschen of Color gestaltet werden.
24) Fragen Sie lieber einmal zu viel als einmal zu wenig nach der richtigen Aussprache nicht-deutscher Namen. Doch bitte nicht nach Jahren.
25) Lernen Sie mindestens eine der folgenden Sprachen: Russisch, Arabisch, Ukrainisch, Türkisch, Rumänisch, Kroatisch, Togolesisch, Koreanisch, Griechisch, Polnisch, Vietnamesisch, Serbisch, Farsi, Portugiesisch, Italienisch, Swahili. Merken Sie was?
26) Streichen Sie die Konstellationen „Rassismus, Antisemitismus, Homophobie etc. unter Migrant_innen“ aus ihrem Wortschatz. Das ist nicht Ihre Baustelle.
27) Besuchen Sie stattdessen Critical-Whiteness-Trainings, sowie Sensibilisierungstrainings zu Antisemitismus und Homophobie innerhalb der deutschen Mehrheitsgesellschaft.
28) Wenn Sie sich „Das ist doch nicht rassistisch…!“ sagen hören, schließen Sie den Mund und atmen Sie drei Mal ruhig durch die Nase ein und aus. Überlassen Sie dann das Wort jener Person, auf die Sie reagiert haben und hören Sie einfach nur ganz genau zu.
29) Ja, schämen Sie sich manchmal.
30) Und machen Sie trotzdem weiter.
31) Fühlen Sie sich nicht als Opfer.
32) Machen Sie andere nicht zu Opfern.
33) Gönnen Sie sich regelmäßig eine Massage oder sonst etwas, was Ihnen gut tut.
34) Haben Sie Spaß.
35) Zählen Sie die X auf Ihrem Zettel und beginnen Sie bei Punkt 1)
36) Wenn kein X mehr Ihre Papiere ziert, kontaktieren Sie mich und ich berate Sie gerne zur Phase „Rassismuskritische Bildungsarbeit leben? Level 2.“

Pasquale Virginie Rotter, portraitiert im Buch Daima und Referentin im Rahmen der Veranstaltungsreihe Gegenstand|Rassismus erlaubte uns zwei ihrer Texte zu veröffentlichen. Beide Texte wurden während der Ausstellungseröffnung „Daima“ in Dresden verlesen. Einer dieser Texte ist dieser.

Parallelgesellschaft ist..

ein gespräch mit einer mutter:
zwei söhne, beide blond
(warum steht das hier?
also ob das eine rolle spielte.
obwohl, vielleicht doch!)
die mutter hat angst,
dass ihr ältester
mit türkischen
und/oder arabischen jugendlichen
in kontakt kommt. (Aha.)
deshalb geht er
nicht auf eine öffentliche schule. (So-so.)
weil in bezirken
in denen „die“ „überhand“ nehmen würden (Schluck.)
und die kinder
gar nicht mehr
mit der deutschen kultur (Womit?) in kontakt kämen, dort..
(Parallelgesellschaft? Bingo!)
der islam/ismus zum beispiel. (Wie bitte?)
weil „türkische, oder „sagen wir mal islamische familien,
merkwürdige umgangsformen“ hätten.
und weil „die“ ihre töchter nicht bewegen lassen,
„die müssen immer im wagen sitzen bleiben“.
sie hätte das am spielplatz beobachtet.
und weil „die“ nämlich – „schon die kleinsten“
so ein hartes auftreten hätten.
sie hätte das auf der straße beobachtet. (Moment!)

kritische fragen die
stereotypen,
vorurteile,
wahrnehmung und
vermeintliche gewissheiten
in frage stellen,
werden mit weiteren
allgemeinplätzen,
elebnisbeobachtungen,
berichten von befreundeten eltern,
wiedergekäuten medialen schreckgespenstern
und gönnerischen relativierungen
erwidert. (Würg. Einatmen. Ausatmen)

PARALLELGESELLSCHAFT IST:
DEUTSCHE DOMINANZ
HÜBSCHE WEISSE IGNORANZ
EDLE BÜRGERLICHE ARROGANZ
GANZ VIEL DUMMHEIT
UND ANGST.

Pasquale Virginie Rotter, portraitiert im Buch Daima und Referentin im Rahmen der Veranstaltungsreihe Gegenstand|Rassismus erlaubte uns zwei ihrer Texte zu veröffentlichen. Beide Texte wurden während der Ausstellungseröffnung „Daima“ in Dresden verlesen. Einer dieser Texte ist dieser.

Lyrik aus Schwarzer Perspektive – Audiomitschnitt

Stefanie Lahya Aukongo stellt Audre Lorde, May Ayim und sich selbst vor. Zusammen repräsentieren sie fast drei Generationen feministischer, Schwarzer Lyriker_innen in Deutschland.
Die Veranstaltung kannst du hier nachhören.

Lyrik aus Schwarzer Perspektive – drei Poetinnen: Audre Lorde, May Ayim und Stefanie-Lahya Aukongo.

Lahya

In dieser Lesung werden diese drei Poetinnen vorgestellt, die zusammen fast drei Generationen von Schwarzen Lyrikerinnen bilden.
Als Referentin konnten wir Stefanie-Lahya Aukongo selbst gewinnen. Sie wird die Biographien aller drei Frauen* vorstellen und jeweils 4 -5 ihrer wichtigsten Gedichte vortragen.
Eingebettet wird die Veranstaltung wieder in cafémscher Gemütlichkeit sein.

cafém mit Brunch: 14 – 20h
14-16h Interessiertentreffen Gender Pay Gap

Hier kann die Diskussion vom 25.04. (Veranstaltung von FAU und e*vibes im WUMS) weitergeführt werden. Es können aber gern auch neue Gesprächspartner*innen hinzukommen :)
Eine Idee vom 25., die hier konkret angegangen werden könnte, wäre die Zusammenstellung von Grundaussagen zu dem ganzen Themenkomplex (geschlechtlich ungleiche Löhne und Widerlegung dazugehöriger ideologischer Erklärungsmuster, unbezahlte Arbeit, Care-Work als Schnittpunkt), um daraus einen Infoflyer zu erstellen, den man dann länger und verschieden verwenden könnte.

Lesung: 16h
Einrit frei, Spenden erwünscht