Tag-Archiv für 'pussy-riot'

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Am 10. und 11. November sind wir in NRW und halten den Vortrag

Von fe­mi­nis­ti­schen Reit­peit­schen und Blu­men­krän­zen

Pussy Riot, eine sich als fe­mi­nis­tisch ver­ste­hen­de Per­for­mance-​Grup­pe in Russ­land, und Femen, eine in­ter­na­tio­na­le “Frau­en­be­we­gung” mit ukrai­ni­schen Ur­sprün­gen, haben in letz­ter Zeit öf­fent­lich viel Auf­se­hen er­regt – siehe z.B. das „Punk-​Ge­bet“ von Pussy Riot und deren dar­auf fol­gen­de In­haf­tie­rung oder Femen‘s nackt­brüs­ti­ger An­griff auf Putin. Es gab welt­weit so­wohl So­li­da­ri­sie­run­gen als auch Kri­tik an Auf­tre­ten sowie Aus­sa­gen der Grup­pen. Je­doch kommt me­di­al immer nur ein stark ver­ein­fach­tes, in­halts­re­du­zier­tes Bild rüber. Wer sind denn nun ei­gent­lich Pussy Riot bzw. Femen? Wo las­sen sie sich his­to­risch-​ge­sell­schaft­lich ver­or­ten? Wie sind sie je­weils or­ga­ni­siert? Wel­che Bil­der wer­den er­zeugt und wel­che Fol­gen haben diese? Wie be­schrei­ben sie sich selbst und wel­che Po­si­tio­nen ver­tre­ten sie? In­wie­fern sind diese oder jene als fe­mi­nis­tisch zu be­zeich­nen? Wie kann fe­mi­nis­ti­sche Pra­xis heute aus­se­hen? Input von der Grup­pe e*vibes mit an­schlie­ßen­der Dis­kus­si­on.
Die in­halt­li­che Schwer­punkt­set­zung ist den In­ter­es­sen der An­we­sen­den an­pass­bar.

10.11. 18.30h @Club Courage, Münster
11.11. 19h @Nordpol, Dortmund // Facebook

Außerdem findet im November wieder das cafém statt.
cafém goes quEAR

Um dem grau­en No­vem­ber ein wenig cafémsche Ge­müt­lich­keit ent­ge­gen­zu­set­zen, haben wir uns für unser drit­tes Cafém etwas be­son­de­res aus­ge­dacht: Vom quEAR – dem Tran*to­na­len Oh­ren­fest aus Ber­lin – be­kom­men wir di­ver­se Au­dio­per­for­man­ces und wer­den diese in den Räum­lich­kei­ten der Kos­mo­tique zu Gehör brin­gen. Es wird Ecken zum al­lei­ne hören, zu­sam­men hören und na­tür­lich auch Platz zum lesen, essen usw sein.
Alle Hör­stü­cke be­fas­sen sich mit The­men rund um Trans*, Inter und Queer In­ter­ven­ti­on. Falls ihr selbst ge­ra­de noch etwas auf Lager habt, am bas­teln seid, freu­en wir uns über wei­te­re Stü­cke!
Es wird zudem wie­der eine Kin­der­spiel­ecke geben.

17.11. 14h @kosmotique, Dresden
Facebook

Die nächsten Vorbereitungsplena für das cafém sind am
29.10. und 05.11.
17.30h @kosmotique

Pressemitteilung: „Dresden Ischen für Pussy Riot“ – Solidaritätsaktion in der Frauenkirche

Samstag, der 21.4., 16 Uhr: 20 Aktivist*innen veranstalten eine Solidaritätsaktion für die feministische Punkband Pussy Riot aus Russland, deren vermeintliche Mitglieder wegen Vorwurfs des “Rowdytums” in Untersuchungshaft sitzen.

Am vergangenen Samstag um Punkt vier Uhr wurde die Dresdener Frauenkirche Schauplatz einer ungewöhnlichen Szenerie. Etwa zwanzig Personen in schrillen Farben und bunten Strickmasken forderten Freiheit für drei vermeintliche Mitglieder der queer-feministischen Punkband Pussy Riot, die seit Ende Februar in Russland inhaftiert sind. In der Frauenkirche entfalteten die Aktivist*innen ein Transparent, verteilten Flyer, liefen “Free Pussy Riot” rufend über den Neumarkt und spielten Musik der Band ab.

Die Reaktionen waren unterschiedlich: Besucher_innen der Kirche sowie Passant_innen waren trotz anfänglicher Irritation interessiert; die hauseigene Security der Frauenkirche versuchte, durch aggressives Verhalten (Schubsen, Anschreien, Zupacken) die Aktivist*innen aus der Kirche zu befördern, auch versuchten sie, die Masken von den Köpfen zu reißen. Dies wurde durch eine Kirchenangestellte behindert, da diese keine Gewaltanwendung in der Kirche dulden wollte.

Aufgerufen zu der Aktion hatte eine Gruppe namens “Dresden Ischen” im Internet. In den mutmaßlich von ihnen verteilten Flyern klärten sie über die Hintergründe auf:

Pussy Riot ist der Name eines queer-feministischen Punkrock-Kollektivs aus Moskau, das mit spektakulären Protest-Aktionen auf Missstände in der russischen Gesellschaft aufmerksam macht. Sie sparen nicht mit Kritik an Kirche und Nationalismus, der Politik Putins und seiner Partei, sie kritisieren die Lebensbedingungen von Frauen und treten klar gegen Homophobie und Rassismus auf. Bei einer Aktion Ende Februar 2012, kurz vor den Präsidentschaftswahlen, performten Pussy Riot in einer Moskauer
Kirche ohne Erlaubnis ihren neuesten Song „heilige Mutter Gottes,
vertreib uns unseren Putin“. Dies führte zu Anzeigen durch Würdenträger der orthodoxen Kirche und sogar Putin selbst äußerte sich “negativ” zu der Aktion. Kurz darauf kam es zu Verhaftungen von Pussy-Riot-Aktivist*innen. Am 5. März verhängte ein Moskauer Gericht Untersuchungshaft über Maria Alekhina und Nadeschda Tolokonnikowa, am 15.März wurde Ekaterina Samucevich von der Zeugin zur Mitgefangenen. Am 19.April wurde entschieden, alle drei weiter bis 24. Juni festzuhalten. In dem Prozess ist ein Freispruch unwahrscheinlich. Wegen “Rowdytums” (nach dem russischen Hooliganparagrafen) droht eine bis zu 7-jährige Haftstrafe und den beiden jungen Müttern zudem der Entzug des Sorgerechts.

Auf den verteilten Flyern gehen die “Dresden Ischen” auch auf die Hintergründe in Russland ein:

“Das Verfahren gegen Pussy Riot fügt sich ein in die momentane repressive Situation in Russland: enge Zusammenarbeit zwischen russisch-orthodoxer Kirche und dem System Putin, starke Vorurteile gegenüber Homosexuellen (”Sündern“), Verknüpfung des Geburtenrückgangs mit diesen “unmoralischen westlichen Einflüssen”, Angst vor “Unnormalem”, Unterdrückung von Minderheiten, damit verbundene Ausgrenzung und Gewalt. In Russlands zweitgrößter Stadt St.Petersburg wurde im Februar ein “Gesetz gegen Homosexuellen-Propaganda” erlassen, das jedes öffentliche Erwähnen(!) von Homo- oder Bisexualität oder auch Trans* unter schwere Geldstrafen stellt. Auch Filme, Musikvideos, Bücher und Zeitschriften mit homosexuellen Inhalten sowie die Regenbogenfahne als Symbol der Schwulenbewegung sind verboten. Das Gesetz soll angeblich “Russlands Kinder schützen” und das Land zu einem “Vorposten der Sittlichkeit” machen. Eben dieses Gesetz soll nun bald landesweit gelten.

Gloria Lust, Sprecherin der Gruppe e*vibes – für eine emanzipatorische Praxis: „Genau wie die „Dresden Ischen“ möchten wir uns mit den Aktivist*innen von Pussy Riot solidarisieren. Wir fordern ihre sofortige Freilassung und die Einstellung der Verfahren. Wir forden, dass die deutsche Regierung sich klar gegen die neuen „Propaganda“-Gesetze in Russland positioniert und keine neuen Handelsabkommen mit diesem repressiven System eingeht.“ Lust stellt auch Verknüpfungen zu Deutschland her: „Auch wenn wir uns gerade glücklich schätzen können, nicht in Russland zu leben, möchten wir doch auf die Parallelen zu unseren Kämpfen für rechtliche und ökonomische Gleichstellung, gegen Sexismus und Homophobie, gegen diskriminierende Gesetze und staatliche Repression hier in Deutschland hinweisen. Wir fühlen uns und unsere Freund*innen mit angegriffen.“

Diese Solidaritätsaktion reiht sich in eine Kette internationaler Aktionen ein, die auf http://www.freepussyriot.org/ dokumentiert sind.

Pussy Riot