Tag-Archiv für 'rassismus'

Refugee Frauen* Treffen

[English and Tigrinya]

Liebe Refugee Frauen*,
liebe Unterstützerinnen,

Seid eingeladen!
Seit ein paar Wochen treffen wir uns, essen Kuchen, tanzen, tauschen uns aus und lernen uns kennen.

Wir möchten euch, den Geflüchteten, einen Ort zur Verfügung stellen an dem ihr reden und euch selbst organisieren könnt.
Wir möchten wissen was ihr braucht.
Wir möchten euch unterstützen.

Wir treffen uns jeden zweiten Mittwoch um 18 Uhr in der kosmotique, Martin-Luther-Straße 13.
(Tram 11,6, 13. Haltestelle “Bautzener – Rotenburger Straße”)

Wir sprechen Englisch, Spanisch, Portugiesisch, Hebräisch, Französisch und Deutsch. Manchmal sind Frauen da, die Tigrinya und Arabisch übersetzen können.
Wenn mal keine gemeinsame Sprache gefunden werden sollte, haben wir immer noch Hände und Füße.

Ladet eure Freundinnen ein. Bringt eure Kinder mit wenn ihr möchtet.

Solidarisierung mit den Geflüchteten auf dem Theaterplatz in Dresden

[English]

Im Anschluss an die am Samstag in Dresden stattgefundene Demonatration entschlossen sich einige der Geflüchteten zu einer spontanen Besetzung des Theaterplatzes. Wir erklären uns solidarisch mit dieser Aktion und unterstützen die Forderungen der Geflüchteten.

https://refugeestruggledresden.wordpress.com/
http://www.feb28.net/index.html
https://twitter.com/AsylumMovement

Support Refugees!

Wir laden euch ein – all diejenigen die sich in Dresden für geflüchtete Frauen* einsetzen möchte. Die, die es wichtig finden das den Frauen* eine Möglichkeit zur Vernetzung geschaffen wird und die auch mal gerne mit zu einer Ärztin oder einem Amt laufen. Diejenigen die Mittwochs gerne Kuchen backen, oder sich irgendwie anders beteiligen möchten.

Am Mittwoch um 18Uhr in der kosmotique (Martin Luther Str. 13). Zur Planung der weiteren Mittwochstreffs (es ist ein Frauen*treff!) und Vernetzung; zum Kennenlernen und Kapazitäten abschätzen.

„We still have our demands“. Pressemitteilung der Initiative „Remembering Khaled“

English

Dresden, Samstag, 24. Januar 2015

Am Donnerstag Nachmittag haben wir erfahren, dass die Polizei einen Mitbewohner Khaleds verdächtigt ihn umgebracht zu haben. Wir sind traurig und schockiert, aber es ist gut, dass der mutmaßliche Mörder gefunden wurde und Freunde und Verwandte von Khaled nun Bescheid wissen. Dennoch sind viele Fragen offen und wir warten auf mehr Informationen.

Wir möchten betonen, dass selbst wenn der Mörder Eritreer ist, er nicht die Community repäsentiert.
Außerdem würde es nicht bedeuten, dass es keinen Rassismus in Sachsen und vor allem in Dresden gibt. Angesichts der Atmophäre in der Stadt, die zumindest teilweise durch PEGIDA Proteste geschaffen wird, war ein rassistischer Tathintergrund nicht unwahrscheinlich.
Diese rassistischen Zustände bestehen nach wie vor. In den letzten Wochen gab es allein in Dresden mehrere Angriffe gegen Geflüchtete. Die Chronik der RAA (Hilfe für Betroffene von rassistischer und rechter Gewalt) dokumentiert die Fälle die angezeigt wurden. Aber das ist nur die Spitze das alltäglichen Rassismus.

Nach den ersten Pressemeldungen waren viele Kommentare von Menschen zu lesen, die behaupteten von Anfang an gewusst zu haben, dass es sich nicht um einen rassistischen Mord gehandelt habe oder den Mord sogar begrüßten. Diese Reaktionen auf den Mord und die neuen Ermittlungsergebnisse stellen Beleidigungen aller Opfer rassistischer Gewalt dar.

Wir verbleiben in Solidarität mit den Freunden und der Familie Khaled und werden weiter gegen Rassismus und für die Rechte und die Sicherheit von Geflüchteten kämpfen.

Unsere Forderungen sind nach wie vor:

1. Wir wollen alle Information zu den Umständen von Khaleds Tod.
2. Wir fühlen uns nicht sicher in Dresden, weil viele Eritreer*innen hier Probleme haben. Wir haben Verständigungs-Probleme, also brauchen wir Übersetzer*innen zwischen Deutsch und Tigrinya.
3. Ein Teil der Dresdner Bevölkerung akzeptiert hier lebende Refugees nicht und demonstriert jeden Montag. Ein Großteil von uns will nach wie vor Dresden verlassen, da wir uns hier nicht willkommen fühlen. Aber einige haben entschieden zu bleiben und für ihre Rechte und gegen Rassismus zu kämpfen.

Weitere Informationen: http://remembering-khaled.org

Demonstration: Rights and Safety for Refugees! In Memory of Khaled

[English]

In Memory of Khaled Samstag 17. Januar, 15:00 Albertplatz/Jorge – Gomondai – Platz

They don’t really care about us -
Khaled Idris Bahray ist tot

Am Morgen des 13. Januar 2015 wurde der eritreische Flüchtling Khaled Idris Bahray (†20) im Hinterhof seines Wohnhauses in Leubnitz-Neuostra tot aufgefunden.

Entgegen erster Polizeimeldungen ist mittlerweile sicher, dass Khaled durch mehrere gezielte Messerstiche ums Leben gekommen ist. Ein rassistisches Tatmotiv kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden. Khaled kam aus Eritrea und war erst seit wenigen Wochen in Dresden. Seine Freund*innen sind geschockt und wollen wissen, warum er getötet wurde. Sie wollen aber auch wissen, warum sie hier – in Dresden – nicht sicher sind. Aus diesem Grund werden wir uns am Samstag treffen und gemeinsam auf die Straße gehen, um die Fragen und Forderungen seiner Freund*innen lautstark auf die Straße zu tragen.

Warum wurde Khaled ermordet?

Das wissen wir bisher nicht. Niemand weiß das bisher. Die übliche Reaktion auf solche Fälle ist jedoch immer zuerst, einen rassistischen Mord auszuschließen. Das haben die NSU-Morde und der Fall von Oury Jalloh mehr als deutlich gezeigt. Die Erkenntnisse aus diesen Fällen und die Berichte auch der Freund*innen von Khaled zeigen aber, dass Geflüchtete hier bedroht sind. Sie haben Angst. Und ihre Angst ist berechtigt. Das allein ist Grund genug auf die Straße zu gehen und gegen Rassismus zu protestieren.

Die Dresdner Polizei hat ihre Ermittlungen um den Mord an Khaled mit Fehleinschätzungen und Versäumnissen begonnen. Obwohl seine Leiche blutüberströmt gefunden wurde, schloss die Polizei “Fremdeinwirkung” vorzeitig aus. Erst durch öffentlichen und medialen Druck ermittelt nun die Mordkommission und stellt klar: Khaled wurde mit Messerstichen getötet. Der falsche Anfangsverdacht hat die ganze Ermittlungsarbeit verzögert: Erst 30 Stunden nachdem Khaled gefunden wurde, sicherten Beamt*innen die Spuren. Dabei hat die Dresdner Polizei bereits in der Vergangenheit rassistische Gewalt bagatellisiert und durch ihre “Ermittlungen” Aufklärung eher behindert als befördert; bekannt wurde dies beim Mord an Jorge Gomondai 1991. Deswegen fordern wir umfassende Aufklärung des Mordes und werden alle Ermittlungen kritisch begleiten.

Rassismus gestern und heute

Vor dem Hintergrund eines wiedererstarkenden Nationalismus (“Wir sind ein Volk”) und eines politischen und rechtlichen Vakuums im Osten des Landes kam es ab 1991 zu einer Intensivierung rassistischer Übergriffe in ganz Deutschland, deren schreckliche Höhepunkte die Pogrome in Hoyerswerda, Rostock sowie die Morde in Mölln und Solingen waren. Eine weitreichende Hegemonie von Alltagsrassismus in der ostdeutschen Gesellschaft sind dessen Folge. Mit der (über die Pogrome begründeten) Abschaffung des Grundrechts auf Asyl hatten die Rassist*innen der Mehrheitsgesellschaft bekommen, was sie wollten, und fühlten sich in Siegesstimmung.

Diese Entwicklungen führen uns in diese rassistische Gegenwart: Im Gegensatz zu anderen Städten leben in Dresden kaum Migrant*innen. „Der überwiegende Teil der Zuwanderer kommt also nicht freiwillig in die neuen Bundesländer und verlässt sie wieder, sobald sein oder ihr Aufenthaltstatus dieses zulässt.“ Dieses Zitat aus dem Integrationskonzept der Stadt Dresden beschreibt die Situation ungewohnt offen.

Wir leben in einer Stadt, in der es alltäglich ist, dass Geflüchtete und Migrant*innen auf offener Straße angegriffen werden, wo regelmäßig Brandanschläge auf migrantische Gastronomien verübt werden, wo Marwa El-Sherbini im Gerichtssaal wegen ihres muslimischen Hintergrunds erstochen wurde. Die rassistische Grundstimmung in Dresden liegt in der Luft. PEGIDA ist die Manifestation eines Rassismus der Mitte. Dieser macht möglich, dass Bewohner*innen von Dresden-Laubegast durch eine Unterschriftensammlung und Drohungen verhindern, dass ein Hotel zur Asylunterkunft wird; oder dass eben junge Migrant*innen am 22.Dezember 2014 nach einer PEGIDA-Demonstration unter Applaus mit Pfefferspray, Elektroschockern und Teleskopstöcken angegriffen werden.

Menschenverachtende Kommentare in den sozialen Medien wie “Einer weniger” sprechen für sich.

Wie geht es Refugees in Dresden?

Gerne würden wir unsere Nachbar*innen und die Menschen in unserem täglichen Umfeld besser kennen lernen. Es wäre uns eine Freude, wenn wir gegenseitig unsere Kultur teilen könnten, doch leider finden wir keinen Kontakt.

Besonders bedrückend ist dabei der Umstand, dass von den Menschen in unserer Umgebung niemand Interesse an uns zeigt. Im Gegenteil. Wir werden angefeindet. Täglich erfahren wir so Ausgrenzung. Die Möglichkeit verbaler und körperlicher Angriffe gehört für uns zum Alltag. Im Supermarkt, auf der Straße und in der Straßenbahn. Menschen verlassen ihre Sitzplätze, wenn wir uns neben sie setzen, nur aufgrund unserer Herkunft!

Die Migrant*innen verstehen die Beleidigungen nicht, die ihnen entgegengeworfen werden. Viel schlimmer ist jedoch, dass wir Drohungen nicht verstehen. Wenn jemand kommt und sagt: ich bring dich um – wie sollen wir das dann verstehen?

Die Lage an den Montagabenden ist für sie besonders beänstigend. Nach den PEGIDA-Demonstrationen gehen kleine rassistische Gruppen in die Stadt auf Menschenjagd. Wir trauen uns nach 20 Uhr nicht mehr auf die Straße. Sie empfehlen uns, nur in Gruppen unterwegs zu sein, alles andere wäre zu gefährlich. Aber jeder sollte sich frei bewegen dürfen. Dass es nicht so ist, finden wir erschreckend. Wir sind nach Deutschland gekommen, um Gewalt, Krieg, Armut und Verfolgung hinter uns zu lassen. Unsere Eltern freuten sich für uns, dass wir vor diesen Umständen fliehen konnten. Wir haben gedacht, dass das nun alles hinter uns liegt und wir endlich in Freiheit leben dürfen. Warum können wir keinen Frieden finden? Warum wollen die Menschen hier die Ursachen unserer Flucht nicht wissen? Warum ist es so schwer Freund*innen zu finden?

Angesichts der aktuellen Situation fordern wir Refugees:

1.Wir wollen wissen, was Khaled passiert ist und fordern eine gerechte Bestrafung der Mörder
2. Wir fühlen uns nicht sicher, in Dresden zu leben, weil viele Eritreer*innen hier Probleme haben. Wir haben Verständigungs-Probleme, also brauchen wir Übersetzer*innen zwischen Deutsch und Tigrinya
3. Ein Teil der Dresdner Bevölkerung akzeptiert hier lebende Refugees nicht und demonstriert jeden Montag. Wenn wir hier also nicht willkommen sind, müssen wir woanders hin ziehen, wo es für uns sicher ist.

Wir stehen hinter der Eritreischen Community und allen von der rassistischen Grundstimmung betroffenen Menschen in Dresden. Wir fordern die Politik auf, endlich für die Sicherheit der Refugees zu sorgen. Wir fordern den Innenminister Ulbig zum Rücktritt auf, weil er seiner Aufgabe nicht nachkommt. Und vor allem fordern wir die Dresdner Bevölkerung auf, sich am Montag endlich auf die Straße zu begeben, um klar Stellung gegen PEGIDA zu beziehen. Wir fordern Dresdner Vereine und Institutionen, Unternehmen und alle Menschen in dieser Stadt auf, endlich Flagge zu zeigen. Wenige sind betroffen, gemeint sind viele. PEGIDA geht uns alle an! Anstatt das Recht auf Asyl durch Debatten um angebliche sichere Herkunftsländer zu beschneiden, fordern wir die Schaffung eines sicheren Exils!

KEIN MENSCH IST ILLEGAL!
REFUGEES WELCOME!
Sicheres Fluchtland – statt “Sicheres Herkunftland”!

Wir grüßen alle antirassistischen und antifaschistischen Demos, die parallel zu dieser Demonstration stattfinden!

Mehr Informationen findet ihr hier.
Auch könnt ihr hier die Forderungen der Geflüchteten und Freund_innen von Kaled lesen.

Samstag in Dresden: Besorgte Eltern

Bezüglich der Gegenveranstaltung zu den „Besorgten Eltern“ am Samstag:

Nach dem Vernetzungstreffen sind noch ein paar Ideen aufgekommen, die wir euch nicht vorenthalten wollen. Außerdem haben wir die vermutliche Demoroute der „Besorgten Eltern“ zugespielt bekommen, vielleicht hat irgendwer Interesse an einer kritischen Begleitung.

Die Demoroute von „bE“: Theaterplatz, über Taschenberg zum Neumarkt, Wilsdruffer Str., Postplatz, Theaterplatz.
ca. 14:00-16:30 Uhr

Wir haben mal ein paar Ideen gesammelt. Herausgekommen sind dabei ein paar mehr oder weniger ernstzunehmende Sprüche. Leider schaffen wir es wohl nicht noch Transpis oder Plakate anzufertigen. Vielleicht gefällt jemandem eine der Ideen und síe können noch umgesetzt werden. (z.B. im Gerede e.V. Freitag von 10-19 Uhr)
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für Schilder mit Pfeilen (um neben den „besorgten Eltern“ zu stehen). Macht sich immer witzig auf Fotos:

“ist besorgt”
“ist seit 13 Jahren besorgt”
“macht sich schreckliche sorgen”
“hat Angst, dass es ihm besorgt wird”
“bekommt Sorgenfalten wegen ..”
“…”

So generell für Schilder oder Transpis:

„vielfalten statt sorgenfalten“
„papier-falten statt sorgenfalten“
“is schon okay. ihr braucht euch keine sorgen machen.”
“deine mudda is besorgt”
“wer hat euch eigentlich besorgt?”

Zitate berühmter Persönlichkeiten bzw. Gedicht-Ausschnitte bezüglich „Sorgen“:
www.aphorismen.de/suche?f_thema=Sorge
zitate.net/sorgen.html

Sprüche, die gerufen werden könnten. – die Punkte stehen da, um den Rhythmus zu verdeutlichen.

“dildos .statt. kuschel.tiere!”
“strampler .aus. la.tex!”
“nip.pel.klemmenstattnu.tel.la.bemmen”
“vibratoren statt nasebohren”
“schwullesbischtransbi, ne, das hattnma früher ni”
“besorgt? -s euch doch lieber selbst”
“muschi, pimmel, möse – sind.nicht.bö.se!”
“wer hat euch besorgt? ich … nicht!”
„gott ist scheiße, ihr seid die beweise“
„ehe ist scheiße, ihr seid die beweise“
“eure kinder werden so wie wir”
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Wir sehen uns Samstag!

Audiomitschnitt: Kritische Theorie und Rassismus

Der Rassismusbegriff scheint, nicht zuletzt aufgrund seines inflationären Gebrauchs, zunehmend an Erklärungskraft einzubüßen. Unter dem Label „Rassismus“ firmieren die verschiedensten Assoziationen, welche alles andere als eine klare Übereinstimmung der Erkenntnis mit ihrem Gegenstand darbieten. Ist Rassismus eine Erscheinungsform von Fremdenfeindlichkeit – oder umgekehrt? Im Vortrag soll versucht werden, eine differenzierte Reflexion auf den Begriff – gerade in Abgrenzung zu unzureichenden Erklärungsversuchen – zu forcieren.

Der Mitschnitt ist hier zu finden.

36 Dinge, die sie als weiße_r deutsche_r Bildungsarbeiter_in unbedingt machen sollten. Level 1.

Liebe_r weiße_r deutsche_r Bildungsarbeiter_in,
die beherzte Umsetzung folgender Schritte werden einen Prozess bei Ihnen anstoßen, der Ihr Leben verändern kann! Dieser Prozess hat das Potenzial Sie für die Menschen of Color, Schwarze Menschen und Menschen mit Migrationsgeschichte in Ihrem Umfeld in eine_n richtig angenehme_n Zeitgenoss_in zu verwandeln. Und wenn Sie nicht aufgeben, sogar in eine_n rassismuskritischen Bildungsarbeiter_in! Doch bitte, erwarten Sie nicht, dass es schnell geht oder gar angenehm sein wird. 30, 40 oder 50 Jahre von rassistischem Wissen durchdrungene Lebenserfahrung verlernen ist kein Pappenstiel. Und genau deshalb kann dies auch nur ein Anfang sein. Setzen Sie sich nicht unter Druck, beginnen Sie – wenn notwendig – mit Meditation und bleiben Sie vor allem ehrlich zu sich selbst. Denn es hat sich bewährt, bei sich selbst zu beginnen.
 
1) Beginnen Sie bei sich selbst.
2) Zeichnen Sie Ihren Familienstammbaum. Verzeichnen Sie darin alle Migrationsbewegungen. Verzeichnen Sie darin außerdem wer in Ihrer Familie wann und vor allem wie über die Zeit des Nationalsozialismus gesprochen hat – oder auch nicht.
3) Zeichnen Sie Ihren Familienstammbaum. Verzeichnen Sie darin wer in Ihrer Familie wann und vor allem wie über die DDR und die sog. Wiedervereinigung gesprochen hat – oder auch nicht.
4) Besuchen Sie einen Critical-Whiteness-Workshop.
5) Überlegen Sie, wann sie sich das erste Mal deutsch gefühlt haben.
6) Überlegen Sie, wann Sie sich das erste Mal weiß gefühlt haben.
7) Fragen Sie sich, welcher „Kultur“ Sie angehören.
8) Nehmen Sie ein leeres Blatt Papier und einen Stift zur Hand. Malen Sie ein X auf das Papier. Sehen Sie sich folgende Clips an: 1 und 2. Schreiben Sie jedes Mal, wenn Sie sich unangenehm berührt und/oder ertappt fühlen, ein X auf das Papier. Das erste X steht für den Titel.
9) Lesen Sie regelmäßig die Blog-Beiträge von Kübra Gümüşay und Nadine Lantzsch. Spüren Sie die immer wieder in Ihnen aufsteigende Irritation und schreiben Sie jedes Mal ein X auf Ihren Zettel.
10) Schlagen Sie den Atlas auf und suchen Sie Arabien.
11) Zählen Sie aus dem Kopf die Anwerbeländer der Bundesrepublik zwischen 1960 und 1973 auf.
12) Zählen Sie aus dem Kopf die Anwerbeländer der DRR zwischen 1966 und 1989 auf.
13) Zählen Sie aus dem Kopf die wichtigsten Herkunftsländer von Flüchtenden nach Deutschland der letzten 10 Jahre auf.
14) Ja, bilden Sie sich.
15) Lesen Sie hin und wieder mal PI-News . Und ja, ekeln Sie sich ruhig. Und zwar richtig. Oder schreiben Sie ein X auf ihren Zettel.
16) Lernen Sie Namen und Todestag der Opfer der NSU-Morde auswendig.
17) Lesen Sie das Buch „Deutschland schafft sich ab“. Und ja, ekeln Sie sich ruhig. Und zwar richtig. Ansonsten schreiben Sie ein X auf ihren Zettel.
18) Besorgen Sie sich das Buch „Manifest der Vielen. Deutschland erfindet sich neu“. Halten Sie ein leeres Blatt Papier und einen Stift zur Hand.
19) Besorgen Sie sich das Buch „Wie Rassismus aus Wörtern spricht: Kerben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk.“ und sorgen Sie dafür, dass es zur Standardausstattung ihrer Einrichtung gehört.
20) Erforschen Sie darüber hinaus den rassistischen Gehalt folgender Begriffe und Praktiken: Jugendliche mit Migrationshintergrund, Residenzpflicht, getürkt, N-Wort, Ching Chang Chong, Döner-Morde, Integration, Racial Profiling, Hottentotten, Kopftuchmädchen, farbig, Ausländerkriminalität, Schwarz fahren, Integrationsverweigerer, Abschiebehaft & Co.
21) Lesen Sie die Seiten 13-15 des Buches „Deutschland Schwarz Weiß“. Wenn Sie dann nicht mehr weiterlesen wollen, tun Sie es trotzdem.
22) Wenn Sie das Buch fertig gelesen haben, lassen Sie es unauffällig im Lehrer_innen-Zimmer, Büro oder Gemeinschaftsraum Ihrer Einrichtung liegen, reiben Sie sich die Hände und freuen Sie sich diebisch auf die Gespräche mit Ihren Kolleg_innen.
23) Schaffen Sie in Ihrer Einrichtung regelmäßig Empowerment-Räume, die ausschließlich von und für Menschen of Color gestaltet werden.
24) Fragen Sie lieber einmal zu viel als einmal zu wenig nach der richtigen Aussprache nicht-deutscher Namen. Doch bitte nicht nach Jahren.
25) Lernen Sie mindestens eine der folgenden Sprachen: Russisch, Arabisch, Ukrainisch, Türkisch, Rumänisch, Kroatisch, Togolesisch, Koreanisch, Griechisch, Polnisch, Vietnamesisch, Serbisch, Farsi, Portugiesisch, Italienisch, Swahili. Merken Sie was?
26) Streichen Sie die Konstellationen „Rassismus, Antisemitismus, Homophobie etc. unter Migrant_innen“ aus ihrem Wortschatz. Das ist nicht Ihre Baustelle.
27) Besuchen Sie stattdessen Critical-Whiteness-Trainings, sowie Sensibilisierungstrainings zu Antisemitismus und Homophobie innerhalb der deutschen Mehrheitsgesellschaft.
28) Wenn Sie sich „Das ist doch nicht rassistisch…!“ sagen hören, schließen Sie den Mund und atmen Sie drei Mal ruhig durch die Nase ein und aus. Überlassen Sie dann das Wort jener Person, auf die Sie reagiert haben und hören Sie einfach nur ganz genau zu.
29) Ja, schämen Sie sich manchmal.
30) Und machen Sie trotzdem weiter.
31) Fühlen Sie sich nicht als Opfer.
32) Machen Sie andere nicht zu Opfern.
33) Gönnen Sie sich regelmäßig eine Massage oder sonst etwas, was Ihnen gut tut.
34) Haben Sie Spaß.
35) Zählen Sie die X auf Ihrem Zettel und beginnen Sie bei Punkt 1)
36) Wenn kein X mehr Ihre Papiere ziert, kontaktieren Sie mich und ich berate Sie gerne zur Phase „Rassismuskritische Bildungsarbeit leben? Level 2.“

Pasquale Virginie Rotter, portraitiert im Buch Daima und Referentin im Rahmen der Veranstaltungsreihe Gegenstand|Rassismus erlaubte uns zwei ihrer Texte zu veröffentlichen. Beide Texte wurden während der Ausstellungseröffnung „Daima“ in Dresden verlesen. Einer dieser Texte ist dieser.

Parallelgesellschaft ist..

ein gespräch mit einer mutter:
zwei söhne, beide blond
(warum steht das hier?
also ob das eine rolle spielte.
obwohl, vielleicht doch!)
die mutter hat angst,
dass ihr ältester
mit türkischen
und/oder arabischen jugendlichen
in kontakt kommt. (Aha.)
deshalb geht er
nicht auf eine öffentliche schule. (So-so.)
weil in bezirken
in denen „die“ „überhand“ nehmen würden (Schluck.)
und die kinder
gar nicht mehr
mit der deutschen kultur (Womit?) in kontakt kämen, dort..
(Parallelgesellschaft? Bingo!)
der islam/ismus zum beispiel. (Wie bitte?)
weil „türkische, oder „sagen wir mal islamische familien,
merkwürdige umgangsformen“ hätten.
und weil „die“ ihre töchter nicht bewegen lassen,
„die müssen immer im wagen sitzen bleiben“.
sie hätte das am spielplatz beobachtet.
und weil „die“ nämlich – „schon die kleinsten“
so ein hartes auftreten hätten.
sie hätte das auf der straße beobachtet. (Moment!)

kritische fragen die
stereotypen,
vorurteile,
wahrnehmung und
vermeintliche gewissheiten
in frage stellen,
werden mit weiteren
allgemeinplätzen,
elebnisbeobachtungen,
berichten von befreundeten eltern,
wiedergekäuten medialen schreckgespenstern
und gönnerischen relativierungen
erwidert. (Würg. Einatmen. Ausatmen)

PARALLELGESELLSCHAFT IST:
DEUTSCHE DOMINANZ
HÜBSCHE WEISSE IGNORANZ
EDLE BÜRGERLICHE ARROGANZ
GANZ VIEL DUMMHEIT
UND ANGST.

Pasquale Virginie Rotter, portraitiert im Buch Daima und Referentin im Rahmen der Veranstaltungsreihe Gegenstand|Rassismus erlaubte uns zwei ihrer Texte zu veröffentlichen. Beide Texte wurden während der Ausstellungseröffnung „Daima“ in Dresden verlesen. Einer dieser Texte ist dieser.

Kritische Theorie und Rassismus

Der Rassismusbegriff scheint, nicht zuletzt aufgrund seines inflationären Gebrauchs, zunehmend an Erklärungskraft einzubüßen. Unter dem Label „Rassismus“ firmieren die verschiedensten Assoziationen, welche alles andere als eine klare Übereinstimmung der Erkenntnis mit ihrem Gegenstand darbieten. Ist Rassismus eine Erscheinungsform von Fremdenfeindlichkeit – oder umgekehrt? Im Vortrag soll versucht werden, eine differenzierte Reflexion auf den Begriff – gerade in Abgrenzung zu unzureichenden Erklärungsversuchen – zu forcieren.

Vortrag und Diskussion mit Nico Altenhoff
28.05.14
19h @kosmotique
Eintritt frei