Tag-Archiv für 'sexismuskritik'

Sächsischer SPD Frauenpreis 2015

Wer hätte das gedacht, dass die Linke (Clara Zetkin Preis) uns nicht mal nominiert, aber die sächsische SPD uns den dritten Platz ihres 18. Frauenpreises überlässt.

Am Montag den 16.03.15 haben wir, im Rahmen eines kleinen Festakts (mit sexistischer, musikalischer Untermalung – liebe SPD das geht doch besser), 200€, ein gläsernes Wurfgeschoss, einen Blumenstrauß und eine Urkunde überreicht bekommen. Das Wurfgeschoss wird monatlich beim cafém ausgestellt werden – falls wer interesse hat es einmal selbst in die Hand zu nehmen.

Natürlich haben wir uns es nicht nehmen lassen uns zu freuen und zu kritisieren. Hier ein Zusammenfassungsversuch des von uns Gesagtem, bzw. dem was wir sagen wollten:

“Vielen Dank. Vielen Dank auch an die ASF-Frauen die unsere Bewerbung unterstützt haben. Wir freuen uns darüber und wir freuen uns das sie nun auch begonnen haben sich kritisch mit dem Trümmerfrauenmythos auseinanderzusetzen. Noch mehr würden wir uns freuen wenn die sächsische SPD sich kritisch(er) mit ihrem Koalitionspartner, der CDU, auseinandersetzen würde und ebenso kritisch wie aktiv gegen die derzeitige Asylpolitik Sachsens vorgehen würde.
Um mit etwas Aktivistischen zu schliessen und weil wir gehört haben das mindesten eine Person aus dem Erzgebirge im Raum ist, möchten wir hier dazu aufrufen gemeinsam mit uns, am 01.06.2015 dem “Schweigemarsch für das Leben”, ausgerichtet von christlich fundamentalistischen Kräften, in Annaberg-Buchholz entschlossen entgegenzutreten und eben diesen Marsch zu einem Desaster zu machen.“

Raise your voice! Your body, Your choice – Feministische Inhalte auf die Straße tragen!

All-Gender-Demo in Münster mit FLTI-Block
Demo am 21. März in Münster. 11 Uhr Windthorststraße (gegenüber Hauptbahnhof)

1000-Kreuze – Nicht schon wieder!

Auch im März 2015 werden wieder fundamentalistische Christ*innen1 mit weißen Holzkreuzen bewaffnet durch Münster ziehen, um betend, singend und schweigend ihre Verachtung gegenüber allem auszudrücken, was nicht ihren Normen entspricht. Der von „EuroProLife“ organisierte ‚Gebetszug‘ richtet sich in erster Linie gegen Schwangerschaftsabbrüche und damit gegen das Selbstbestimmungsrecht von schwangeren Personen. In der Kritik stehen aber unter anderem auch Verhütung, Sex vor der Ehe, Homosexualität und queere Geschlechtsidentitäten. Der Kampf um reproduktive Rechte dient als Kristallisationspunkt für eine umfassende konservative Kulturkritik an der Gesellschaft. Durch das Aufgreifen von Themen der Familienpolitik und Sexualmoral und das Schüren von Angst vor dem Aussterben des weißen2 ‚deutschen Volkes‘ werden außerdem konservative bis extrem rechte völkische Gesellschaftsbilder produziert und bedient. (mehr…)

Wir arbeiten nicht mit „Definitionsmacht“.

Ein Text der Interessiertengruppe e*space

Wir arbeiten nicht mit „Definitionsmacht“. 1

Dafür gibt es verschiedene Gründe, die wir im Folgenden kompakt darlegen wollen. Nachfragen beantworten wir gerne. Wir hoffen, dass uns auch Feminist_innen zuhören, die „Definitionsmacht“ vertreten. Leider wurden und werden auch ernstzunehmende Kritikpunkte oft als ‚antifeministisch‘ abgeschmettert. Vielleicht hilft uns das Label „feministische Gruppe“. Wir möchten nun allerdings nicht zig alte Argumente auflisten, sondern mit einem neuen Diskussionsbeitrag dazu beitragen, weiter zu kommen.

Allgemein ist festzustellen, dass schon seit Längerem eine problematische Ineinssetzung von „Definitionsmacht“ und jeglichen Ansätzen der Parteilichkeit mit und Unterstützung von Betroffenen von Diskriminierung und Gewalt stattgefunden hat. Einige von uns sind selbst über lange Zeit dieser Ineinssetzung erlegen: Wer was gegen DefMa hat, hat auch was gegen Empowerment von Frauen* oder feministische Praxis. Deshalb sind die Auseinandersetzungen so emotional aufgeladen. Das kommt nicht von ungefähr, weil es diese Leute ja auch zuhauf gibt, sowohl gesamtgesellschaftlich als auch in der Linken. Aber diese Leute können nicht gleichgesetzt werden mit allen, die eine bestimmte Herangehensweise kritisieren.
Lassen wir das doch endlich. Statt so weiterhin überfällige Diskussionen zu verweigern, wollen wir an dieser Stelle aufzeigen, in welche Richtung die Auseinandersetzung unseres Erachtens gehen müsste:

Die Diskussion wird dadurch erschwert, dass niemand weiß, wie „Definitionsmacht“ eigentlich zu definieren wäre, bzw. alle Interessierten sich eine eigene Definition zusammenzimmern. Was man aber beobachten kann, sind die Praxen, die bisher unter Bezugnahme auf den Ansatz umgesetzt wurden.

- Wenn Menschen von Veranstaltungen oder Camps fliegen, weil sie einen unterschiedlichen Wissens- und Erfahrungsschatz haben, Szenecodes nicht kennen oder Pfui-Wörter benutzen,
- Wenn Menschen (bundesweit) aus allen Szenenzusammenhängen ausgeschlossen werden,
- Wenn Menschen keine Möglichkeit haben, sich zu erklären,
- Wenn Menschen, die mit Aggressor_innen2 arbeiten, automatisch zu „Täterschützern“ werden,
- Wenn Menschen Angst haben, sich in Diskussionen einzubringen, weil sie einer hegemonialen Gruppe zugeordnet werden,
- Wenn Menschen persönliche Entwicklungspotentiale abgesprochen werden,
- Wenn Menschen mit Samthandschuhen gezwungen werden, sich hegemonialen Gegendiskursen anzugleichen,
- Wenn politische Differenzen auf dem Rücken von Betroffenen ausgetragen werden – oder gar nicht,

..dann fragen wir uns: Wie konnte das geschehen? Wir sind der Meinung: Wenn das alles aus „Definitionsmacht“ gemacht wurde bzw. gemacht werden konnte, dann lässt es sich nicht mit der Aussage retten, einige würden das eben eigenartig oder falsch umsetzen – sondern dann muss es irgendetwas mit dem Wesen des „Konzepts“ zu tun haben.

Um überhaupt über „Definitionsmacht“ und mit ihr verknüpfte Praxen diskutieren zu können, lautet unsere Arbeitsdefinition: „Definitionsmacht heißt, dass die Tat-Definition der Betroffenen allgemein anerkannt wird. Dies soll erreicht werden durch parteiliche Verbündete, die diese Definition vertreten. Es schließt nicht unbedingt die Macht über Konsequenzen bzw. Sanktionsmacht mit ein.“ In letzterem Punkt gibt es nämlich sehr unterschiedliche Ansichten. Nicht zu umgehen ist allerdings der erste Punkt: Es geht bei Definitionsmacht nicht nur um die Verteidigung der simplen – wenn auch häufig leider nicht selbstverständlichen – Tatsache, dass jede Person subjektiv wahrnimmt und empfindet. Niemand anders kann mir beispielsweise sagen, wie intensiv oder nicht ich etwas erlebt haben soll.

Bei „DefMa“ aber geht es (wie der Begriff verrät) um eine Definition, also eine allgemeine Bestimmung. Es geht darum, das subjektiv Besondere zum Allgemeinen zu machen. Wenn ich das Erlebte als XYZ begreife, dann WAR ES (objektiv) XYZ.

Der Kampf um Definitionen ergibt dort Sinn, wo der Ansatz entstanden ist – nämlich im juristischen Kontext und in Bezug auf sexualisierte Gewalt. Vor Gericht sind Definitionen von Taten wichtig, da an diese das jeweilige Strafmaß geknüpft ist. Zudem geht es dort um Beweise, die z.B. bei einer Vergewaltigung meist schwer zu erbringen sind – mal ganz abgesehen von dem Spießrutenlauf durch Polizeiverhöre u.ä. für Betroffene im Vorhinein. Bei Schuldzuschreibungen an (meist weibliche) Betroffene und ständigen Zweifeln an deren Glaubwürdigkeit war und ist ein solcher Ansatz wichtig. Die Macht, die Tat bspw. als Vergewaltigung zu definieren, muss hin zu den Betroffenen verschoben werden. Das muss nicht bedeuten, die Errungenschaften des hiesigen bürgerlichen Rechtssystems wie Verteidigungsrecht und Unschuldsvermutung auszuhebeln. Allerdings sind die Bedingungen für eine tatsächliche Gleichberechtigung nicht gegeben. Eventuellen Stigmatisierungen, Ohnmachtserfahrungen, Traumata und der schwierigen Beweisbarkeit u.a. in Fragen der Glaubwürdigkeit muss Rechnung getragen werden.
Der juristische Umgang mit von sexualisierter Gewalt Betroffenen ist weiterhin zu skandalisieren und anzugreifen. Die vergangenen Kämpfe in diesem Bereich waren genauso wichtig, wie auch die aktuellen darum, nicht einvernehmliche sexuelle Handlungen ahnden zu können, die vom Strafrecht bisher nicht abgedeckt sind.3

Will man aber, wie wir, selbst nicht auf einen Katalog von Sanktionen (wenn das, dann das) hinaus, so braucht man nicht unbedingt eine Definition. Eine allgemein akzeptierte Übereinkunft darüber, wie das Geschehene benannt wird, verliert an Relevanz gegenüber dem, was Betroffene brauchen, um wieder handlungsfähig zu werden und Selbstbestimmung (zurück) zu erlangen. Auch für den Umgang mit dem_der Aggressor_in ist nicht die Tatdefinition entscheidend, sondern vor allem dessen_deren Zugänglichkeit, wie auch die je individuellen Bedürfnisse, Wünsche, Wissensstände, Situationen und Forderungen im Kontext gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse.

Darüber hinaus können bestimmte, im Kontext von Definitionsmacht aufgekommene Praxen hinderlich sein für eine gute Unterstützungsarbeit. Beispielsweise sind sich Betroffene sowohl in ihrer Situationswahrnehmung als auch ihren Bedürfnissen häufig unsicher. Der Prozess einer – parteilichen – Auseinandersetzung hierüber hilft beim Sortieren und Aufarbeiten.4 Statt einer festen Definition der betroffenen Person braucht es folglich Unterstützer_innen, die mit einer „jazzy method“ im Sinne CARAs verschiedene Handlungsmöglichkeiten haben, die sie je nach Bedürfnis und Situation anbieten können.5

Die Gleichsetzung von Nachfragen mit einem generellen Anzweifeln verhindert eine sinnvolle Unterstützung, die auch den Abgleich von Wahrnehmungen beinhalten können muss, um den Prozess der Bearbeitung des Erlebten begleiten zu können. Eine Benennung ist dabei wichtig, sie muss allerdings ein Teil des Prozesses sein und es gibt keinen Grund, sie zum Dreh- und Angelpunkt von Unterstützung zu machen.

Auch in der Arbeit mit gewaltausübenden Personen kann das Festhalten an Definitionsmacht hinderlich sein. Hier wird nämlich eine Auseinandersetzung davon abhängig gemacht, ob der_die Aggressor_in die Definition der betroffenen Person_en übernimmt. Gerade wenn es nicht um sexualisierte Gewalt geht, kann durchaus auch diese_r die Situation anders wahrgenommen haben. Dann ist es wenig hilfreich, die Übernahme der Definition der betroffenen Person zu fordern, sondern es sollte zuerst um eine Anerkennung von deren Wahrnehmung – also ein Problembewusstsein – gehen. Ziel der Arbeit wäre eine Beendigung von diskriminierendem und/oder gewaltvollem Verhalten.

Zudem darf in der Auseinandersetzung mit gewaltausübenden Personen hinter den Schutz der körperlichen Unversehrtheit vor Willkür oder Rache nicht zurückgegangen werden. Ebenso nicht hinter die Möglichkeit, als ‚Beschuldigte_r‘ gehört zu werden und sich gegebenenfalls auch zu verteidigen. Das heißt natürlich nicht, dass dies öffentlich geschehen muss, dass in einem solchen Gespräch die Parteilichkeit mit der betroffenen Person über Bord geworfen werden müsste oder dass es dabei um eine ‚Beweisaufnahme‘ ginge.
Auch der Frage, was eine gewaltausübende Personen für ihre soziale Rehabilitierung leisten müsste, muss sich gestellt werden. Denn es kann ja nicht darum gehen, dass einfach (!) immer jemand aus politischen Zusammenhängen „entfernt“ wird.

Die genannten Schwierigkeiten verschärfen sich noch, wenn eine Situation uneindeutig ist, sich im Licht späterer Informationen anders darstellt, oder sich herausstellt, dass auf beiden Seiten Gewalt oder Diskrimierung ausgeübt wurde.

Womit wir zum nächsten Problemkomplex kommen.
Der „Definitionsmacht“-Ansatz hat sich in den letzten Jahrzehnten immens ausgeweitet: Er verbreitete sich in (queer-)feministischen Szenen sowie in der linken Szene allgemein. Es ging um immer mehr Diskriminierungsformen, es konnte sich nun auch auf sprachliche Äußerungen bezogen werden. Der Ansatz wurde zum ‚Konzept‘, häufig inklusive der Bestimmung von Betroffenen über Konsequenzen. Stichwort Rauswurf.
Wird ein Ansatz, der Personen soviel Macht in die Hand geben soll, jedoch auf so weite Bereiche ausgeweitet, wird es letztlich vollends autoritär.

Vor dem Hintergrund der dargestellten Probleme braucht es Diskussionen, die über „Definitionsmacht“ hinausgehen. Grundlage jeder Diskussion wäre für uns Folgendes:

- Die Anerkennung dessen, dass jeder (!) Mensch Situationen subjektiv wahrnimmt.
- Parteilichkeit mit Menschen in gesellschaftlich(!) benachteiligter, also diskriminierter Position statt pseudo-Unparteilichkeit.
- empowernde Unterstützungsarbeit mit Betroffenen von (sexualisierter) Gewalt und/oder Diskriminierung
- Arbeit mit diskriminierenden und/oder gewaltausübenden Personen, mit dem Ziel der Verhaltensveränderung
- politische Arbeit, die auf eine Veränderung der Strukturen zielt

Dabei sind die englischsprachigen Diskussionen um „Community Accountability“, „Transfor-mative Justice“ und „Accountability Processes“ allgemein spannend.6 Hier wird das Blickfeld erweitert: Die gewaltausübende Person ist zwar verantwortlich für ihr Verhalten, aber natürlich nicht allein. Welche Strukturen haben dieses Verhalten begünstigt, legitimiert oder attraktiv gemacht? Es wird versucht, abseits von Strafe eine Verantwortungsübernahme aller zu befördern. Hiermit ließen sich nicht nur Herrschaftsverhältnisse und Kontexte komplexer einbeziehen, sondern auch mit Situationen umgehen, in denen es nicht nur „den Täter und das Opfer“ gibt.

Weitere Aspekte, die aus unserer Sicht wichtig sind, bzw. diskutiert werden müssen:
- Informieren/Bewusstwerden über diverse vorhandene, professionelle Institutionen, die Arbeit mit Betroffenen und Ausübenden (und vieles mehr) anbieten. Verhältnis zu diesen und Unterschiede, Ressourcen, Vor- und Nachteile im Vergleich zu selbstorganisierten Gruppen klären.
- Wer hat die Legitimation, einen Plan für Konsequenzen zu machen vs. Verantwortlichkeit aller
- Stellenwert des Anspruchs auf grundlegende Veränderung von gesellschaftlichen Struk-turen.
- Verbesserung des Vorhandenen (juristischer Rahmen) vs. längerfristiges Ziel (staatsun-abhängige Strukturen)
- Was kann Aufklärung (nicht) leisten?
- Leid von Betroffenen öffentlich machen und anprangern (Hollaback, #hashtags, ..)
- Reflektieren der eigenen gesellschaftlichen Funktionen (Elendsverwaltung)
- genereller Sinn von Awareness- und Unterstützungsgruppen
- wichtig: wenn konkrete Hilfe, dann mit politischer Arbeit verbinden (Voraussetzungen und Umstände anprangern), nur dann könnte es mehr sein als nur unbezahltes Lücken stopfen
- Einordnung feministischer Praxen in Beziehung zu allgemein gesellschaftlichen Tenden-zen
- Wie verhält sich der Focus auf Veränderung individuellen Verhaltens zu neoliberalen Anforderungen an Arbeitskräfte?
- Wo sind die durch Herrschaftsverhältnisse gesetzten Grenzen der Verhaltensänderung und wie viel Raum soll das in feministischer Praxis einnehmen?
- Wie kann der Kapitalismus mitsamt allen mit ihm verbundenen Herrschaftsverhältnissen überwunden werden?

Über alle genannten Punkte laden wir herzlich zur Diskussion ein.

e*space
e_space@riseup.net

* Obwohl wir Geschlechterkategorien als Konstruktion erkennen, ist die Zweigeschlechlichkeit mitsamt ihren „natürlichen“ Zuschreibungen eine gesellschaftliche Realität, mit der wir immer wieder konfrontiert sind. Aus diesem Grund verwenden wir zwar die Bezeichnung „Frauen“, markieren diese aber mit einem Stern.

  1. Wir beziehen uns hier auf den Definitionsmachtsbegriff, wie er innerhalb der (akademisierten) feministischen radikalen Linken in Bezug auf den Umgang mit sexualisierter Gewalt verwendet wird. ‚Definitionsmacht‘ setzen wir in Anführungszeichen, um zu verdeutlichen, dass es den einen Definitionsmachtsansatz nicht gibt, s.u. [zurück]
  2. Wir sind uns durchaus bewusst, dass in der übergroßen Mehrzahl der Fälle Menschen, die sexualisierte Gewalt ausüben, Männer* sind und betroffene Personen Frauen*. Um jedoch die Betroffenen im umgekehrten Fall nicht noch weiter zu marginalisieren, werden wir in diesem Text beide Gruppen gendern. [zurück]
  3. Vgl. bspw. Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe in Deutschland: Vergewaltigung verurteilen – Für eine Reformierung des §177 StGB.https://www.frauen-gegen-gewalt.de/vergewaltigung-verurteilen.html [zurück]
  4. Vgl. No Lager Bremen (2014): Definitionsmacht neu ausbuchstabiert. Stichworte zum kollektiven Umgang mit sexualisierter, rassistischer und anderer Gewalt in sozialen Bewegungen, S.11f. In: Transact 6: Wie ist meine Freiheit mit deiner verbunden? Stichworte zu gemischter Organisierung, Definitionsmacht und Critical Whiteness, S. 11-15. [zurück]
  5. Vgl. Communities against Rape and Abuse (CARA) (2010): Taking risks: Implementing grassroots community accountability strategies. In: The revolution starts at home. Confronting Partner Abuse in Activist Communities, S. 64-79. www.transformativejustice.eu/wp-content… .
    Zum Thema Glaubwürdigkeit und Aufarbeitung: s. S.76f. [zurück]
  6. Ähnlich interessant sind auch Diskussionen um „Safer Spaces“, bei denen es grundsätzlicher um Fragen von (persönlicher) Sicherheit geht. [zurück]

Vortrag und Diskussion: Definitionsmacht – eine feministische Kritik

Oft wird Kritik am ‘Konzept’ der Definitionsmacht1 als antifeministisch abgeschmettert. So werden wichtige Debatten zum Umgang mit sexualisierter Gewalt und Diskriminierung verhindert.
Als feministische Gruppe hoffen wir, dass uns dies erspart bleibt und ein offener Autausch über theoretische und praktische Probleme sowie mögliche Alternativen zu diesem scheinbar unumstößlichen Standard stattfinden kann.

18.11.2014
16:40 Uhr
HSZ R.401, TU Dresden
@FB

  1. Die Referent_innen werden sich auf den Definitionsmachtsbegriff, wie er innerhalb der (akademisierten) feministischen radikalen Linken in Bezug auf den Umgang mit sexualisierter Gewalt verwendet wird, beziehen. [zurück]

Samstag in Dresden: Besorgte Eltern

Bezüglich der Gegenveranstaltung zu den „Besorgten Eltern“ am Samstag:

Nach dem Vernetzungstreffen sind noch ein paar Ideen aufgekommen, die wir euch nicht vorenthalten wollen. Außerdem haben wir die vermutliche Demoroute der „Besorgten Eltern“ zugespielt bekommen, vielleicht hat irgendwer Interesse an einer kritischen Begleitung.

Die Demoroute von „bE“: Theaterplatz, über Taschenberg zum Neumarkt, Wilsdruffer Str., Postplatz, Theaterplatz.
ca. 14:00-16:30 Uhr

Wir haben mal ein paar Ideen gesammelt. Herausgekommen sind dabei ein paar mehr oder weniger ernstzunehmende Sprüche. Leider schaffen wir es wohl nicht noch Transpis oder Plakate anzufertigen. Vielleicht gefällt jemandem eine der Ideen und síe können noch umgesetzt werden. (z.B. im Gerede e.V. Freitag von 10-19 Uhr)
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für Schilder mit Pfeilen (um neben den „besorgten Eltern“ zu stehen). Macht sich immer witzig auf Fotos:

“ist besorgt”
“ist seit 13 Jahren besorgt”
“macht sich schreckliche sorgen”
“hat Angst, dass es ihm besorgt wird”
“bekommt Sorgenfalten wegen ..”
“…”

So generell für Schilder oder Transpis:

„vielfalten statt sorgenfalten“
„papier-falten statt sorgenfalten“
“is schon okay. ihr braucht euch keine sorgen machen.”
“deine mudda is besorgt”
“wer hat euch eigentlich besorgt?”

Zitate berühmter Persönlichkeiten bzw. Gedicht-Ausschnitte bezüglich „Sorgen“:
www.aphorismen.de/suche?f_thema=Sorge
zitate.net/sorgen.html

Sprüche, die gerufen werden könnten. – die Punkte stehen da, um den Rhythmus zu verdeutlichen.

“dildos .statt. kuschel.tiere!”
“strampler .aus. la.tex!”
“nip.pel.klemmenstattnu.tel.la.bemmen”
“vibratoren statt nasebohren”
“schwullesbischtransbi, ne, das hattnma früher ni”
“besorgt? -s euch doch lieber selbst”
“muschi, pimmel, möse – sind.nicht.bö.se!”
“wer hat euch besorgt? ich … nicht!”
„gott ist scheiße, ihr seid die beweise“
„ehe ist scheiße, ihr seid die beweise“
“eure kinder werden so wie wir”
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Wir sehen uns Samstag!

Der 28. September – Tag für die Entkriminalisierung von Abtreibung in Lateinamerika und der Karibik

In Lateinamerika findet heute der Tag für die Entkriminalisierung von Abtreibung statt. Mit Demonstrationen, Kundgebungen und Workshops versuchen feministische Bewegungen, den Kämpfen um reproduktive Rechte Nachdruck zu verleihen.
Auf dem Blog der Liga Humanista secular do Brasil wurde dazu folgender Text zur aktuellen Lage veröffentlicht, dessen Übersetzung wir in Zusammenarbeit mit der Autorin gerne als Diskussionsmaterial zur Verfügung stellen möchten.
Hier findet ihr eine englische Übersetzung.

Die Kampagne zum 28. September und ein Überblick über die Abtreibungsgesetze in Lateinamerika1

1990 wurde auf der 5. feministischen Versammlung Lateinamerikas und der Karibik („encontro feminista Latinoamericano e do Caribe“) in Argentinien der 28. September zum „Tag für die Entkriminialisierung von Abtreibung“ erklärt. Die feministischen Bewegungen führten die Komplikationen, welche bei illegalisierten und selbst durchgeführten Abtreibungen auftreten, als Hauptgrund für die erhöhte Sterblichkeit von Frauen2 an.
In Lateinamerika wird der 28. September mit Demonstrationen, Spaziergängen, Aktionen und Workshops begangen. Ziel ist es, die lateinamerikanische Gesellschaft über die hohe Sterblichkeitsrate bei unsicheren und illegalisierten Abtreibungen von Schwangeren aufzuklären. Ebenso soll über die Objektivierung und die Kontrolle über den weiblichen Körper diskutiert, Gesetze hinterfragt, Debatten angestoßen, politische Allianzen kreiert und Handlungsstrategien skizziert werden.
Dieses Jahr wird die Kampagne in mehreren Ländern Lateinamerikas stattfinden. Wir möchten mit diesem Text Diskussionsmaterial zur Verfügung stellen und über die Hauptschwierigkeiten und den aktuellen Stand der feministischen Bewegungen der region informieren. Außerdem wollen wir einen Überblick über die gesetzlichen Regelungen zu Abtreibung geben3.
(mehr…)

Infoveranstaltung zum 1000 Kreuze Marsch Berlin

[English]

Am 20.09. wird in Berlin ein weiteres Mal ein Marsch von
Abtreibungsgegner_innen stattfinden. Protestiert wird dagegen unter dem
Motto „Marsch für das Leben? What the fuck!“. Hier erhaltet ihr mehr
Informationen dazu und könnt eine eventuelle gemeinsame Anreise
absprechen.

Datum: 10.09.2014
Zeit: 20:00
Ort: AZ Conni // Rudolf-Leonhard-Straße 39, Dresden
FB

Überlegungen zu einem emanzipatorischen Umgang mit Diskriminierung und Gewalt

Der erste Part unseres Workshops zu „Überlegungen zu einem emanzipatorischen Umgang mit Diskriminierung und Gewalt“ kann nächste Woche in Leipzig besucht werden.

1

Bei eurer Par­ty­rei­he kommt es immer wie­der zu Über­grif­fen und ihr wisst nicht wie ihr damit um­ge­hen könnt? Schon wie­der eine den Freun­d_innen­kreis spal­ten­de Dis­kus­si­on über De­fi­ni­ti­ons­macht?
Herr­schafts­ver­hält­nis­se struk­tu­rie­ren unser Den­ken und Han­deln. Deren Ana­ly­se und Kri­tik auf ge­samt­ge­sell­schaft­li­cher Ebene ist un­ab­ding­bar. In kon­kre­ten Si­tua­tio­nen stel­len wir uns vor die­sem Hin­ter­grund die Frage nach Hand­lungs­mög­lich­kei­ten und -al­ter­na­ti­ven. Um­ge­gan­gen wird mit Dis­kri­mi­nie­rung und Ge­walt so­wie­so immer, nur meist igno­rant oder plan­los und damit oft Be­ste­hen­des ver­stär­kend. Aber auch ein be­wuss­tes “es ganz an­ders ma­chen wol­len” kann nach hin­ten los­ge­hen.

Wir sind keine An­ti­dis­kri­mi­nie­rungs-Or­ga­ni­sa­ti­on, deren Blick bei der ju­ris­ti­schen Gleich­stel­lung der Men­schen endet oder für die die Exis­tenz von Po­li­zei und bür­ger­li­cher Recht­spre­chung ein­fach für alle Zei­ten vor­aus­ge­setzt ist. Aber wo sind die Al­ter­na­ti­ven?

Wir wol­len nach eman­zi­pa­to­ri­schen An­sät­zen su­chen, also in Rich­tung der Be­frei­ung der In­di­vi­du­en. Uns geht es um das rich­ti­ge Leben im Fal­schen – also das Un­mög­li­che, das so oft zur blo­ßen Elends­ver­wal­tung der ka­pi­ta­lis­ti­schen Zu­stän­de ver­kommt. Ein Un­ter­fan­gen, in dem man sich nun mal in Wi­der­sprü­chen ver­hed­dert.

12. – 13.06.2014
jeweils von 13 – 19 Uhr
Meuterei, Leipzig

Anmeldungen bitte direkt an reclaim utopia schicken.

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Pressemitteilung von Pro Choice Dresden

+++ Protest gegen fundamentalistischen „Schweigemarsch“ im Erzgebirge + Ultrakonservative wollen Schwangerschaftsabbruch kriminalisieren + lautstarker Protest von feministischen Gruppen +++

para218

Am Montagnachmittag demonstrierten in Annaberg-Buchholz etwa 50 Menschen unter dem Motto: „Mein Körper gehört weder Kirche noch Deutschland – Weg mit §218!“, um feministische Inhalte in die Öffentlichkeit zu tragen. Anlass dafür war der sogenannte „Schweigemarsch für das Leben“ von christlich-fundamentalistischen Abtreibungsgegner_innen. Dabei wurde der Marsch nicht nur mit kritischen Sprechchören begleitet, die Feminist_innen verteilten zusätzlich Aufklärungsbroschüren und Informationsmaterial an interessierte Passant_innen.

Bei der Abschlusskundgebung auf dem Marktplatz wurde in verschiedenen Redebeiträgen das Recht auf Selbstbestimmung von schwangeren Menschen propagiert und deren bestmögliche Unterstützung gefordert. Die Pläne der Abtreibungsgegner_innen wurden als reaktionär und frauenfeindlich abgelehnt. Als besonders perfide stellt sich der Versuch der CDL („Christdemokraten für das Leben“) dar, Schwangerschaftsabbrüche auf eine Stufe mit dem Euthanasieprogramm der NS-Zeit zu stellen.

Mitten unter den fundamentalistischen Abtreibungsgegner_innen war auch die CDU-Landtagsabgeordnete Uta Windisch. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Steffen Flath ließ sich dagegen – anders als in den vergangenen Jahren – entschuldigen. Die Abschlusskundgebung des Schweigemarsches wurde aufgrund der Proteste vom Marktplatz weg verlegt, um sich der Lritik nicht stellen zu müssen.

Gloria Lust von den Organisator_innen: „Wir sind sehr erfreut, dass sich auch im Erzgebirge viele Menschen gegen die Bevormundung von Schwangeren stellen. Jährlich sterben 47.000 Menschen, weil sie keine legale Möglichkeit zu einem Schwangerschaftsabbruch haben – so die Zahlen der Weltgesundheitsorganisation. Die Kriminalisierungsversuche der CDL schützen das Leben nicht, im Gegenteil: sie setzen es aufs Spiel! Wir stellen laut unsere Forderung nach mehr Selbstbestimmung und bestmöglicher Unterstützung von Schwangeren dagegen. Der Rückzieher von Flath und die Verlegung der Aufmarschroute zeigen die Wirksamkeit des erstmaligen Protests.“

Zum Protest hatte die Gruppe „Pro Choice Dresden“ aufgerufen, sie fordert unter anderem die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen, welche nach §218 StGB in Deutschland immer noch illegal sind und nur unter bestimmten Umständen straffrei bleiben. Weltweit gibt es immer wieder Versuche von Konservativen, bestehende gesetzliche Regelungen zu verschlechtern.

Aufruf: Gegen den Schweigemarsch der CDL in Annaberg Buchholz

Mein Körper gehört weder Kirche noch Deutschland – Weg mit §218
Gegen den Schweigemarsch der CDL in Annaberg Buchholz

Was Feminist_innen erkämpft haben, stellen christliche Fundamentalist_innen seit jeher in Frage: das Selbstbestimmungsrecht von Frauen*1. Weltweit befinden sich radikale Abtreibungsgegner_innen im Aufwind. Aktuelle Entwicklungen zeigen, dass das Recht auf Schwangerschaftsabbruch massiv eingeschränkt werden soll, aktuell beispielsweise in Spanien. In Deutschland versammeln sich fundamentalistische Gegner_innen von Schwangerschaftsabbrüchen seit einigen Jahren zu so genannten „Märschen für das Leben“, die in Münster, Berlin und Annaberg-Buchholz stattfinden. Während die Aufmärsche in Münster und Berlin nicht ohne Proteste von Feminist_innen ablaufen konnten, blieb der Annaberg-Buchholzer Schweigemarsch in den vier Jahren seines Bestehens unwidersprochen. Aber uns ist kein Weg zu weit, wir kommen auch nach Annaberg-Buchholz!

Annaberg-Buchholz liegt im Erzgebirge im Südwesten Sachsens, wo sich selbst in der atheistischen DDR eine starke christliche Prägung erhalten hat. Diese war offenbar beste Voraussetzung für das Erstarken streng konservativer Christ_innen, sogenannter Evangelikaler, die durch eine wortgenaue Bibelauslegung, den Glauben an den strafenden Gott, aggressive Missionsarbeit, ihre Klagen über die Zerstörung der traditionellen Familie und ihre Äußerungen gegen Homosexualität von sich reden machen.2

Das Kreuz mit dem Kreuz
Über die starke Einflussnahme kirchlicher Einrichtungen im Erzgebirge hinaus bestehen auch Verbindungen in die Politik. Die „Christdemokraten für das Leben“ (CDL) Organisator_innen des Schweigemarsches, verfügen in Sachsen bereits seit 1990 über einen eigenen Landesverband innerhalb der CDU. Steffen Flath – CDU-Fraktionsvorsitzender im sächsischen Landtag und prominenter Unterstützer des Schweigemarsches – beteiligt sich seit Jahren mit Redebeiträgen, in denen er das Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen fordert. Erklärtes Ziel der CDL ist es, ihren Einfluss in der CDU zu nutzen, um Schwangerschaftsabbrüche nicht nur in Deutschland, sondern weltweit zu kriminalisieren. Die Versuche der christlichen Fundamentalist_innen, auf politische Entscheidungen einzuwirken, haben sich z.B. 2006 im Vorstoß der Gesundheitsminister_innen von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen niedergeschlagen, die Kostenübernahme von Schwangerschaftsabbrüchen durch die Krankenkassen einzuschränken. Mit diesem Anliegen scheiterten sie damals zwar, aber mit weiteren Angriffen auf die Möglichkeiten eines Schwangerschaftsabbruches muss gerechnet werden. Auch in anderen Ländern gibt es Versuche christlich-fundamentalistischer Abtreibungsgegner_innen, das Recht auf Schwangerschaftsabbruch im Zuge der Durchkapitalisierung der Gesundheitssysteme und unter dem Stichwort “Kostensenkung” auszuhöhlen. In der Schweiz fand z.B. Anfang Februar 2014 ein Volksentscheid zur Frage „Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache“ statt, in dem über die Abschaffung der Zahlungspflicht der Krankenkassen abgestimmt wurde. Diese fand zum Glück keine Mehrheit.3

Das Recht auf Schwangerschaftsabbruch in Deutschland
In Deutschland sind die Missstände größer als viele denken. Feminist_innen kämpfen seit jeher gegen den heute immer noch bestehenden §218 des Strafgesetzbuchs, welcher seit 1871 Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland unter Strafe stellt.

In der DDR wurde 1972 erstmals der Schwangerschaftsabbruch in den ersten 12 Wochen entkriminalisiert. Zu dieser Zeit war es das forschrittlichste Abtreibungsgesetz der Welt, im Gegensatz zur BRD, wo erst 1995 die heute gültige Fristenregelung in Kraft trat.
Das bis heute geltende Gesetz sieht einen Schwangerschaftsabbruch weiterhin als Straftat, die nur unter folgenden Umständen nicht strafrechtlich verfolgt wird: Ein Abbruch kann innerhalb der ersten 12 Wochen durchgeführt werden, wenn die schwangere Person zuvor eine staat­lich an­er­kann­te Be­ra­tung in An­spruch genommen hat. In vielen, vor allem ländlichen, Gebieten wird die erzwungene Beratung nur durch kirchliche Einrichtungen angeboten und die schwangere Person zusätzlich unter Druck gesetzt, sich für die Fortführung der Schwangerschaft zu entscheiden. Hinzu kommt eine drei­tä­gi­ge War­te­frist, die Kosten für diesen medizinischen Eingriff werden nicht durch die Krankenkassen übernommen. Lediglich Geringverdienende können eine finanzielle Unterstützung beantragen. Eine Ab­trei­bung nach den 12 Wo­chen ist nur bei „hoher Ge­fahr für die phy­si­sche oder psy­chi­sche Ges­und­heit“ der schwan­ge­ren Per­son legal.

Das Recht auf Schwangerschaftsabbruch weltweit
Auch in den meisten anderen Ländern gibt es restriktive Gesetze, welche die Rechte von Schwangeren massiv einschränken. Einige der wenigen Ausnahmen sind die USA, die Niederlande und Frankreich.
Dieses Jahr hat innerhalb Europas insbesondere Spanien mit einer deutlichen Verschärfung der Rechtslage von sich reden gemacht.
Seit den Neu­wah­len 2011 wurden durch die mit absoluter Mehrheit regierende konservative Volkspartei viele gesetzliche Veränderungen veranlasst. Diese bringen nicht nur Sparmaßnahmen mit sich, welche angeblich eine Stablilisierung der Wirtschaft bewirken sollen, sondern auch die Aufhebung des Rechts auf Schwangerschaftsabbruch.

Rechte, die in Spanien erst 2010 erkämpft wurden und endlich zu einer Verbesserung geführt hatten, laufen nun Gefahr, wieder abgeschafft zu werden. Konsequenz dessen: ein Schwangerschaftsabbruch gilt wieder zu jeder Zeit der Schwangerschaft als illegal. Die einzige Ausnahme besteht in Fällen, in denen eine Vergewaltigung oder eine massive physische oder psychische Gesundheitsgefährdung der schwangeren Personen vorliegt. Dies muss jedoch durch zwei unabhängige Gutachten bestätigt werden. Für den Abbruch selbst muss dann eine dritte medizinische Einrichtung aufgesucht werden. Hinzu kommt, dass allen Mediziner_innen das „Recht auf Gewissensfreiheit“ eingeräumt wird. In dem katholisch geprägten Land wird damit häufig die Weigerung begründet, Schwangere zu beraten oder einen genehmigten Abbruch durchzuführen.
Mediziner_innen, die einen Abbruch ohne das Bestehen der gesetzlich notwendigen Gutachten durchführen, müssen mit Haftstrafen bis zu zehn Jahren rechnen. Immerhin konnte erreicht werden, dass den Schwangeren selbst keine Anzeige mehr droht.

Die tödlichen Folgen der Kriminalisierung
Die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen führt dazu, dass Schwangere illegale Abbrüche vornehmen (lassen). Dies geschieht oft fernab der grundsätzlich vorhandenen hygienischen und medizinischen Möglichkeiten. Nur wenige können sich die Reise in Länder mit fortschrittlicheren Regelungen leisten, um dann dort unter sicheren Bedingungen den Eingriff vornehmen zu lassen. Durch die mangelhafte hygienische und medizinische Betreuung kommt es immer wieder zu Komplikationen, welche bis zum Tod der Betroffenen führen. Infolge dessen sterben nach Erhebungen der Weltgesundheitsorganisation jährlich 47.000 Menschen.4
Noch schlim­mer steht es um die (Be-)Hand­lungs­mög­lich­kei­ten von ge­flüch­te­ten und il­le­ga­li­sier­ten schwan­ge­ren Personen. Be­reits ge­mel­de­te Per­so­nen müs­sen sich jede ärzt­li­che Be­hand­lung im Vor­feld von den je­wei­li­gen staat­li­chen Bearbei­ter_in­nen ge­neh­migen las­sen. Il­le­ga­li­sier­te Ge­flüch­te­te haben nicht das Recht, Ärz­t_in­nen auf­zu­su­chen, und diese sind angehalten, il­le­ga­li­sier­te Per­so­nen zu mel­den. Ein­zi­ge Aus­nah­me sind di­rekt le­bens­er­hal­te­ne Maß­nah­men, über deren Not­wen­dig­keit al­ler­dings al­lein die Ärz­t_in­nen ent­schei­den. Für nicht ge­mel­de­te Per­so­nen kann jeder Ärzt_innenbesuch in letz­ter Kon­se­quenz be­deu­ten, ab­ge­scho­ben zu wer­den.

Warum wir im Kapitalismus von „Selbstbestimmung“ und nicht von Selbstbestimmung sprechen
Wenn wir vom Selbstbestimmungsrecht von Frauen* sprechen, so muss noch etwas zu dieser „Selbstbestimmung“ gesagt werden. Die Entscheidung für oder gegen ein Kind ist heute keine Privatsache, sondern hochgradig beeinflusst durch diverse gesellschaftliche Bedingungen. Diese sind sowohl ökonomischer als auch ideologischer Natur. Als Verknüpfung von beidem schafft staatliche Bevölkerungspolitik hierbei finanzielle Anreize bzw. Hemmnisse durch Einkommensregulierung (z.B.Elterngeld) oder auch (Nicht-)Bereitstellung von Betreuungs- oder Pflege-Angeboten. Auf ideologischer Ebene wird das Thema „(keine) Kin­der“ mit der Frage nach dem Fort­be­stand der Na­ti­on, der Ab­si­che­rung des ge­sell­schaft­li­chen Wohl­stands und der Auf­recht­er­hal­tung des so­zia­len Frie­dens ver­knüpft und damit zu einer ‚Ge­mein­schafts­auf­ga­be‘ er­klärt, der durch fa­mi­li­en-​ und so­zi­al­po­li­ti­sche Steue­rungs­maß­nah­men Rechnung getragen werden soll. Für die Einzelnen jedoch scheint das Politische privat zu sein. Die Frage „Kinder bekommen oder nicht?“ wird so zur Frage nach individueller Selbstverwirklichung. Dadurch können die durch Sozialabbau sich verschärfenden Probleme individualisiert werden.

Backlash my ass oder Fight the backlash!
Chauvinistische, rückschrittliche Tendenzen sind eine Reaktion auf den neoliberalen Umbau der Gesellschaft und die damit verknüpften individuellen Verunsicherungen. Das bürgerliche Ideal der Hetero-Kleinfamilie als „Keim­zel­le der Gesellschaft“ (oder wahlweise: des Volkes, des Staates), das mit dem Aufkommen des Kapitalismus entstand, ist einem historischen Wandel unterworfen. Heute bröckelt dieses Ideal erheblich, was erst recht zu einem Festklammern an ihm führt. Nach kapitalistischer Logik werden überkommene, ineffizient gewordene Formen des Zusammenlebens über Bord geworfen, was auch emanzipatorische Effekte haben kann. Jedoch werden gegensätzliche ideologische Denkformen als Reaktion immer ‚mitproduziert‘: ein krampfhaftes Festhalten dessen, was im Grunde schon verloren ist.
Dasselbe trifft auf die restriktive Zweigeschlechtlichkeit und daran geknüpfte Geschlechterrollen zu.
Dort, wo kapitalistische Verwertung Gleichstellung und Antidiskriminierung betreibt oder Emanzipationsbestrebungen zulässt, sorgen Religion bzw. Ideologie – selbst eng verwoben mit Verwertungsprozessen – für den entsprechenden Backlash.
Dieser zeigt sich heute in Form von sexistischer Diskriminierung und sexualisierter Gewalt, Homo- und Trans*phobie, des Rückfalls in klare Geschlechterrollen im Privaten, des gewalttätigen Festhaltens der Zweigeschlechterordnung bis hin zur Verstümmelung intergeschlechtlicher Menschen – und eben auch an dem Auftrieb für Abtreibungsgegner*innen wie denen in Annaberg Buchholz. All dem gilt es entschlossen entgegenzutreten.

Verbote von Schwangerschaftsabbrüchen und §218 ab­schaf­fen!
Ein Schwangerschaftsabbruch ist keine Straf­tat­, son­dern Men­schen­recht!

- Wer einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen will, soll dies unter den besten Bedingungen tun kön­nen!
- Wer nicht will, soll nicht dazu ge­drängt oder ge­zwun­gen wer­den! Wer sich für ein Kind ent­schei­det, muss best­mög­lich un­ter­stützt wer­den.
- Die Be­din­gun­gen, die dazu füh­ren, sich für oder gegen ein Kind zu ent­schei­den müs­sen Ge­gen­stand öf­fent­li­cher Dis­kus­sio­nen sein.
- Für eine sinn­vol­le Auf­klä­rung zu Se­xua­li­tät und Ver­hü­tung! Für die re­zept­freie, kos­ten­lo­se Ver­ga­be von Ver­hü­tungs­mit­teln sowie der Pil­le-​da­nach!
- Für einen guten Zu­gang zu par­tei­li­cher, ideologiefreier, qua­li­fi­zier­ter Be­ra­tung und me­di­zi­ni­scher Be­treu­ung – für alle!

Mein Bauch ge­hört mir! Ab­or­to Libre! Aler­ta Fe­mi­nis­ta!
Pro Choice Dresden

Abfahrt nach Annaberg – Buchholz: 26.05.14
14.15h Bahnhof Neustadt; Schlesischer Platz

-> wahlweise mit dem Auto oder Zug

Zum Weiterlesen:
Märsche mit besten Grüßen
Gottes Bastion im sächsischen Erzgebirge

  1. * Obwohl wir Geschlechterkategorien als Konstruktion erkennen, ist die Zweigeschlechtlichkeit mitsamt ihren „natürlichen“ Zuschreibungen eine gesellschaftliche Realität, mit der wir immer wieder konfrontiert sind. Aus diesem Grund verwenden wir zwar die Bezeichnung „Frauen“, markieren diese aber mit einem Stern. Insbesondere wollen wir in dem Zusammenhang mit Schwangerschaft darauf aufmerksam machen, dass es verschiedene Menschen gibt, die schwanger werden können. Dies kann nicht nur Frauen betreffen, sondern z.B. auch Trans*Männer, intergeschlechtliche Personen oder Menschen, die sich nicht in Geschlechtskategorien einordnen (lassen) möchten. [zurück]
  2. vgl. Jennifer Stange http://www.weiterdenken.de/downloads/Evangelikale_Download_2014-01-13.pdf [zurück]
  3. vgl. http://www.svss-uspda.ch/abtreibungsfinanzierung.htm [zurück]
  4. vgl. whqlibdoc.who.int/publications/2011/9789241501118_eng.pdf S.28 [zurück]

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Passend dazu findet folgende Veranstaltungsreihe, organisiert vom Gleichstellungsreferat des Stura Dresdens statt:

Der §218 – zwischen Recht auf Abtreibung und „Lebensschützern“
15.05. | 18:30 | HSZ 201/U

Obwohl Schwangerschaftsabbrüche immer noch als Delikte im Strafgesetzbuch geführt werden und die Rahmenbedingungen keineswegs unproblematisch sind, war das Thema lange kein Gegenstand gesellschaftlicher Debatten mehr. Oft wird damit eher eine Auseinandersetzung der Frauenbewegung der siebziger Jahre assoziiert, als ein gegenwärtiges Problem. Allerdings geben die aktuellen Debatten über Spätabtreibungen und Pränataldiagnostik Anlass, die Thematik wieder genauer in Augenschein zu nehmen – versuchen doch auch fundamentalistischer Abtreibungsgegner_innen verstärkt, die Deutungshoheit über den Schwangerschaftsabbruch zurück zu gewinnen.

Besonders im Hinblick auf den „Schweigemarsch für das Leben“, der Ende Mai von selbsternannten Lebensschützer_innen veranstaltet (und von Pro-Choice Gegendemonstrationen begleitet) wird, wollen wir die Diskussion wieder aufleben lassen und zur Teilnahme an Gegenaktionen aufrufen.

Zur Referentin: Kirsten Achtelik ist Journalistin und Sozialwissenschaftlerin. Sie beschäftigt sich mit sexuellen und reproduktiven Rechten und ist seit Jahren in der Mobilisierung gegen den „Marsch für das Leben“ in Berlin aktiv.“

War’s das schon? Feministischer Aktivismus im Netz: Möglichkeiten, Grenzen und Handlungsräume im Digitalen
20.05. | 16:40 | HSZ 103/U

Wo Diskriminierungs- und Unterdrückungsverhältnisse herrschen, regt sich Widerstand. So auch im Netz: Seit den frühen Anfängen des Internets üben feministische Aktivist_innen Kritik am gesellschaftlichen und digitalen Normalzustand, fordern strukturelle Veränderungen der Räume und Orte, in und an denen sie sich bewegen.
Für viele Aktivist_innen sind digitale Medien auch heute noch ein Ort politischen Widerstands und Empowerments. Durch das Netz eröffnen sich Formen des Zusammenkommens, politischer Beziehungen und Reichweite von Kritik, die offline begrenzt_er sind.

Der Vortrag beschäftigt sich anhand ausgewählter Beispiele und Felder feministischen Aktivismus’ im Netz mit dessen Möglichkeiten und Grenzen, die nicht zuletzt von nach wie vor bestehenden Diskriminierungen auch innerhalb feministischer Communities (im Netz) vorgegeben werden.

Nadine Lantzsch ist Autorin und Aktivistin. Sie schreibt für das größte deutschsprachige feministische Blog maedchenmannschaft.net und veröffentlichte 2013 zusammen mit Leah Bretz „queer_feminismus. Label & Lebensrealität“ im Unrast Verlag.

Das Politische im Privaten – von Consciousness Raising bis (Self) Care Revolution
23.05. | 18:10 | ZEU 148

Der Slogan „The Personal is Political“ kennzeichnete Ende der 1960er Jahre in den USA den Beginn der zweiten Welle der Frauenbewegung. Mit ihr setzte die Politisierung der Privatsphäre und die Erweiterung der feministischen Agenda um Themen wie Sexualität, Beziehung, Familie, reproduktive Rechte und Arbeitsteilung ein.
Was bedeutet „Das Private ist politisch“ heute? Wie wirken sich Geschlechterverhältnisse im Privaten noch heute aus und was hat sich verändert seit den ersten als Therapiegruppen abqualifizierten Versuchen, Bewusstsein zu schaffen für soziale Ungleichheiten, die sich im Privaten fortsetzen?
Der Vortrag soll einen Überblick verschaffen über Geschichte, Bedeutungswandel und neoliberale Aneignungen eines der wichtigsten Umbrüche im feministischen Aktivismus und wird am Beispiel aktueller Debatten um reproduktive Rechte, Care und Self Care die Frage behandeln, warum die Politisierung der Privatsphäre auch heute nichts an Wichtigkeit eingebüßt hat.

Sandra Laczny ist Bloggerin und Netzaktivistin und schreibt auf sanczny.blogsport.eu u.a. über Feminismus. (und kommt aus einer Kleinstadt im westlichen NRW, falls das jemanden interessiert)